Der Ego-Tunnel - Eine neue Philosophie des Selbst: Von der Hirnforschung zur Bewusstseinsethik
Viel diskutiertes Buch des Mainzer Philosophen Thomas Metzinger jetzt als Taschenbuch erschienen
10.11.2010
Die Erkenntnisse der Hirn- und Bewusstseinsforschung zeigen für Thomas Metzinger, Universitätsprofessor im Arbeitsbereich Theoretische Philosophie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, dass das menschliche "Selbst" ein Konstrukt des menschlichen Gehirns ist, "eine Simulation von Neuronen". Damit formuliert er die Hypothese, dass das Bewusstsein ausschließlich über Hirnfunktionen zu erklären ist, was u.a. die Frage nach der Existenz der Seele aufwirft.In dem jetzt im Taschenbuchformat erschienenen "Der Ego-Tunnel: Eine neue Philosophie des Selbst", seinem erstem Buch für ein breites Publikum, liefert Metzinger eine Vielzahl von Beobachtungen aus den Neuro- und Kognitionswissenschaften, um diese These zu untermauern. So zeigt er das Phänomen auf, dass manche Menschen, denen von Geburt an ein Arm oder ein Bein fehlt, auch diese nicht vorhandenen Gliedmaßen empfinden. Und mithilfe moderner Technik ist es sogar möglich, das elementare Ichgefühl in ein computergeneriertes dreidimensionales Bild des eigenen Körpers im Cyberspace hineinzuversetzen und sog. "out-of-body experiences" zu erleben. Wenn sich die subjektive Wirklichkeit scheinbar so einfach und schnell manipulieren lässt, wirft das verschiedenste ethische, kulturelle und technologische Fragen auf wie: Gibt es überhaupt so etwas wie eine Seele und einen freien Willen? Werden auch Roboter bald Selbstbewusstsein besitzen?
In "Der Ego-Tunnel. Eine neue Philosophie des Selbst" beschäftigt sich der Mainzer Philosoph Thomas Metzinger insbesondere mit den ethischen Folgen des sog. Bewusstseinsproblems, die sich aus der Erkenntnis ergeben, dass die in der Literatur viel beschriebene Seele des Menschen rein wissenschaftlich - neuromedizinisch und psychologisch - erklärt werden kann. "Unser 'Selbst' existiert gar nicht. Das bewusst erlebte Ich wird lediglich von unserem Gehirn erzeugt, und was wir wahrnehmen, ist nichts als 'ein virtuelles Selbst in einer virtuellen Realität'", so Metzinger. "Es ist wichtig, dass wir alle zusammen über die möglichen Veränderungen und Konsequenzen dieser naturalistischen Wende im Menschenbild nachdenken." Metzinger fordert, sich schon jetzt ganz intensiv mit den Folgen medizinischer Neuerungen und Errungenschaften im Feld der Bewusstseinsforschung zu beschäftigen und eine "Bewusstseinsethik" zu etablieren, die gute von schlechten Bewusstseinszuständen unterscheiden kann.
Thomas Metzinger lehrt Theoretische Philosophie an der Universität Mainz und leitet hier den Arbeitsbereich Neuroethik. Er zählt zu den weltweit renommiertesten Philosophen des Geistes. Von 2005-2007 war er Präsident der Gesellschaft für Kognitionswissenschaft, seit Herbst 2009 ist er Präsident der Association for the Scientific Study of Consciousness. Während seines Aufenthalts als Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin 2008/2009 beschäftigte sich Metzinger u.a. mit den Ebenen der Verkörperung und dem bewussten Selbst vor dem Hintergrund der Fragestellung "Was ist Sprache, Denken und Bewegung gemein?".


