Elisabeth Gateff stiftet Grüner Schule und Botanischem Garten bedeutende Werke regionaler Künstler

Rundgang im Botanischen Garten lädt zu überraschenden Entdeckungen ein

22.11.2010

Der Botanische Garten auf dem Gutenberg-Campus ist immer einen Besuch wert. Ging es hier bisher fast ausschließlich um die Welt der Pflanzen, können die Besucherinnen und Besucher nun seit einigen Wochen bei einem Spaziergang auf dem Gelände auch unvermittelt auf einen Bären treffen – eine Bronzefigur der Mainzer Künstlerin Anne Kuprat, gestaltet im Auftrag von Prof. Dr. Elisabeth Gateff für den Botanischen Garten.

Die Idee, dem Botanischen Garten einen Bären zu stiften, war im Sommer 2009 entstanden, als sich die Fertigstellung der Grünen Schule im Botanischen Garten abzeichnete. Bereits dieses Bildungsprojekt war von Prof. Dr. Elisabeth Gateff maßgeblich gefördert worden und soll insbesondere bei jungen Menschen die Begeisterung für die biologische Vielfalt wecken. Damit die jungen Gäste in den Pausen ihrer Kurse Ungewöhnliches erleben und Neues entdecken können, schlug die ehemalige Genetikprofessorin vor, im Garten ein Tier aus Bronze aufzustellen, auf dem die Kinder auch herumklettern können. Die Idee zur Bärenfigur kam dann gemeinsam mit Künstlerin Anne Kuprat, die in ihren originellen Tierobjekten aus Papier und Naturmaterialien eine spannende Verbindung zwischen Biologie und bildender Kunst herstellt.

Auch der Bär für den Botanischen Garten wurde zunächst aus Papier, Draht und Leim geformt und dann im Sommer 2010 in der Kunstgießerei in Mainz-Kastel in einem aufwendigen Verfahren in Bronze gegossen. Dazu musste der fast lebensgroße struppige Papierbär zunächst ausgeschäumt und stabilisiert werden, um eine Negativform aus Silikon herzustellen. Im nächsten Schritt wurde ein Positiv aus Wachs gegossen, das dann die Grundlage für den späteren Bronzeguss bildete. Entstanden ist eine ausdrucksstarke Skulptur, die enorme Lebendigkeit ausstrahlt. Der Bär scheint auf seinem Streifzug durch die nordamerikanischen Wälder kurz im Arboretum des Botanischen Gartens zu verharren und den Besuchern dabei einen kurzen, etwas schwermütigen Blick zuzuwerfen.

Außerdem zählt seit Anfang Oktober 2010 eine Plastik des renommierten Mainzer Bildhauers Reinhold Petermann zu den Sehenswürdigkeiten im Botanischen Garten. Die zierliche Frauenfigur aus Bronze trägt den Titel "Elisabeth" und wurde von Reinhold Petermann bereits in den 1950er-Jahren gefertigt. Sie war vor Kurzem noch in Petermanns retrospektiver Ausstellung "60 Jahre plastisches Werk" im Mainzer Landtag zu sehen. Nun hat Prof. Dr. Elisabeth Gateff sie für den Botanischen Garten erworben, wo sie am Hauptweg des Gartens neben einem Seerosenbecken eingerahmt von den Zweigen einer Hängebirke einen malerischen Platz gefunden hat. "Elisabeth" ist nach "Schwingungen" und dem "Mann mit Pferd" vor dem Philosophicum auf dem Gutenberg-Campus bereits die dritte Plastik von Rheinhold Petermann in der Kunstlandschaft der Universität.

Für die Grüne Schule des Botanischen Gartens hatte Gateff bereits im Frühjahr 2010 zwei Gemälde von Julia Belot angekauft. Die in Wiesbaden lebende Künstlerin, die in St. Petersburg neben ihrer künstlerischen Ausbildung auch ein Biologiestudium absolvierte, malt neben Porträts vor allem Pflanzenmotive. Die Stadt Mainz zeichnete sie im Jahr 2004 mit ihrem Gutenbergstipendium aus. Die beiden Gemälde von Julia Belot zeigen Fingerhutpflanzen mit ihren zartrosa Blüten in einer üppig grünen, lichtdurchfluteten Landschaft. Sie stehen in einem belebenden Kontrast zu den geometrischen Formen der modernen Architektur der Grünen Schule.

"Wir freuen uns sehr über die neuen Kunstwerke", betont der Leiter des Instituts für Spezielle Botanik und Botanischer Garten, Prof. Joachim W. Kadereit, PhD. "Und wir sind der Stifterin für diese großzügigen Spenden sehr dankbar. Der Botanische Garten ist zwar in erster Linie eine wissenschaftliche Einrichtung, aber Kunst und Gärten sind seit jeher eng miteinander verbunden. Und in einem Botanischen Garten, der die Vielfalt der Pflanzen widerspiegeln soll, ist Kunst eine großartige Bereicherung. Das merken wir auch an den sehr positiven Reaktionen der Besucher."

Die Mainzer Professorin Dr. Elisabeth Gateff hatte bereits im Jahr 2008 den Bau der Grünen Schule im Botanischen Garten mit 50.000 Euro unterstützt und durch diese Spende maßgeblich zur Realisierung des Projekts beigetragen. Sie ist seit vielen Jahrzehnten eng mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und insbesondere dem Botanischen Garten verbunden. Als Professorin leitete sie von 1983 bis 1997 das hiesige Institut für Genetik, wo sie die Grundlagen der Krebsentstehung bei Fruchtfliegen erforschte. Für ihre Forschung, mit der sie nachwies, dass Krebs eine genetische Grundlage hat, erhielt sie mehrere renommierte Preise. Ihre Beziehung zu Botanischen Gärten reicht bis in ihre frühe Kindheit zurück. Gateff ist in Sofia aufgewachsen, wo ihr Vater den königlichen Botanischen Garten leitete. Als 1998 der Freundeskreis des Botanischen Gartens der JGU gegründet wurde, zählte sie zu den ersten Mitgliedern.