Prof. Dr. Martin Weber auf Stiftungsprofessur Palliativmedizin berufen

Leiter der Interdisziplinären Einrichtung für Palliativmedizin der Universitätsmedizin Mainz besetzt Stiftungsprofessur der Deutschen Krebshilfe

08.12.2010

Prof. Dr. Martin Weber ist auf eine Professur für das Fach Palliativmedizin an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz berufen worden. Die Professur wird von der Deutschen Krebshilfe im Rahmen ihres Förderschwerpunkt-Programms "Palliativmedizin" gefördert. Der 54-jährige Mediziner leitet die Interdisziplinäre Einrichtung für Palliativmedizin an der Universitätsmedizin Mainz seit der Eröffnung im Dezember 2005 und hat sich bei der Versorgung schwerstkranker Menschen vielfache Anerkennung und große Verdienste erworben.

"Martin Weber gehört zu den Pionieren der Hospizarbeit und Palliativmedizin in Deutschland", heben der Medizinische Vorstand und Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Guido Adler, und der Wissenschaftliche Vorstand, Prof. Dr. Dr. Reinhard Urban, hervor. "Seine Arbeit ist gekennzeichnet vom unermüdlichen Einsatz für die feste Verankerung der Palliativmedizin in der Krankenversorgung ebenso wie in Forschung und Lehre. Als Arzt ebenso wie als Wissenschaftler ist Prof. Weber gleichermaßen nahe am Patienten. Wir schätzen ihn menschlich und fachlich außerordentlich, daher freuen wir uns sehr über seine Berufung auf die Professur für das Fach Palliativmedizin in Mainz. Es ist die konsequente Weiterentwicklung seiner medizinischen und wissenschaftlichen Laufbahn."

"Als die Palliativstation an der Universitätsmedizin Mainz vor etwa 5 Jahren eröffnet wurde, ging für mich ein großer Wunsch in Erfüllung", betont Weber. "Die Berufung auf die neue Stiftungsprofessur ist für mich eine besondere Bestätigung meiner Arbeit und eine wertvolle Unterstützung meines Anliegens, die Palliativmedizin als wissenschaftliche, soziale und gesundheitspolitische Aufgabe in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken."

Die Einrichtung für Palliativmedizin in Mainz wird interdisziplinär getragen von der III. Medizinischen Klinik und den Kliniken für Anästhesiologie, Neurologie und Psychosomatische Medizin. Die beteiligten Kliniken bringen ihre fachspezifischen Kompetenzen in Krankenversorgung, Forschung und Lehre ein. Organisatorisch steht die Einrichtung im Verbund der III. Medizinischen Klinik. Forschungsschwerpunkte sind u. a. die differenzierte Diagnostik und Behandlung neuropathischer Tumorschmerzen, die palliativmedizinische Versorgungsforschung und die Entwicklung von Instrumenten zur Erfassung der Belastungen von Patienten mit fortgeschrittenen Tumorleiden.

"Als ich von 1975-1983 Medizin studierte, waren Inhalte und Erkenntnisse der Hospizbewegung und Palliativmedizin noch kein Thema unserer Ausbildung", erinnert sich Weber. Als junger Arzt sah er todkranke Patienten, die an unzureichend behandelten starken Schmerzen litten und mit ihren vielfältigen Nöten und Ängsten alleingelassen wurden. Diese Probleme ließen ihn nicht mehr los. "Heute kann die moderne Palliativmedizin in einem früher ungeahnten Ausmaß Schmerzen und andere Symptome wie Atemnot oder Übelkeit lindern. Als interdisziplinär und multiprofessionell ausgerichtetes Fach widmet sie sich dem Leiden in all seinen Dimensionen, so auch der seelischen und sozialen Not schwerstkranker und sterbender Menschen und ihrer Angehörigen. Über die unmittelbare Krankenversorgung hinaus ist es mein Bestreben, die Palliativmedizin als Inhalt der ärztlichen und pflegerischen Fort- und Weiterbildung zu etablieren, sie in die studentische Lehre zu integrieren und wissenschaftlich zu verankern, um ihre Weiterentwicklung zu gewährleisten. Entsprechend thematisierte meine im Jahr 2006 abgeschlossene Habilitation die Notwendigkeit der Integration der Palliativmedizin in die moderne Medizin und das Gesundheitswesen."

Gemeinsam mit 16 Gleichgesinnten aus der Ärzteschaft, Krankenpflege und Seelsorge gründete Martin Weber 1990 die Mainzer Hospizgesellschaft, deren Vorsitzender er heute noch ist. Seit 1991 ist der Vater dreier Kinder an der Universitätsmedizin Mainz tätig. Hier schloss er seine Facharztausbildung in der Inneren Medizin ab und erhielt 1994 zusätzlich die Anerkennung im Teilgebiet Hämatologie/Onkologie. 1997 erwarb Weber das "Diploma of Palliative Medicine" des University of Wales College of Medicine. Im selben Jahr wurde er Oberarzt an der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik in Mainz mit dem Arbeitsschwerpunkt Palliativmedizin. Immer strebte er dabei die Vernetzung mit den bereits bestehenden ambulanten und stationären palliativmedizinischen Strukturen in Mainz und Umgebung an. So war Prof. Dr. Martin Weber neben seiner Oberarzttätigkeit von 2002-2005 gleichzeitig beratender Arzt am Christophorus-Hospiz in Mainz im Rahmen eines Projekts der Deutschen Krebshilfe. Seit der Etablierung der Interdisziplinären Einrichtung für Palliativmedizin im Dez. 2005 ist er deren Leiter.

Die Deutsche Krebshilfe e.V. versteht sich als Wegbereiterin der Palliativmedizin in Deutschland: Mit bisher insgesamt rd. €60 Millionen hat sie den Aufbau palliativmedizinischer Versorgungsstrukturen unterstützt und die Aus- und Weiterbildung auf diesem Gebiet nachhaltig gefördert. "Wir freuen uns, dass die von uns eingerichtete Stiftungsprofessur in Mainz mit einem so hervorragenden Experten besetzt werden konnte. Die Palliativmedizin flächendeckend in der Hochschullandschaft zu verankern, ist eines unserer wichtigsten Anliegen", so Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. Weber werde die Palliativmedizin weiter voranbringen und mit seiner Lehr- und Forschungstätigkeit weitere Meilensteine setzen.