Finanziell fit: Schuldnerfachberatungszentrum qualifiziert Ehrenamtliche

Bundesweit einmalige Einrichtung an der Schnittstelle universitärer Forschung und praktischer Beratung qualifiziert ehrenamtliche Weiterbildungsleiter für Familien und Jugendliche

18.01.2011

Mit der Schulung von ehrenamtlichen Helfern ist das Schuldnerfachberatungszentrum (SFZ) an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz an einem neuen Förderprogramm des Landes Rheinland-Pfalz zur Stärkung der Finanzkompetenz von Familien und Jugendlichen beteiligt. Das Programm "finanziell fit" zielt darauf ab, der zunehmenden Verschuldung von Familien und Jugendlichen durch Prävention zu begegnen. In Rheinland-Pfalz sind schätzungsweise 150.000 Haushalte überschuldet. Die Tendenz ist auch bei jungen Menschen steigend. "Finanziell fit" wird durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen Rheinland-Pfalz (MASGFF) gefördert und von der Sparda-Bank Stiftung Kunst, Kultur und Soziales unterstützt.

Das Schuldnerfachberatungszentrum an der Universität Mainz wurde im Juni 1999 im Zuge der Einführung des Verbraucherinsolvenzverfahrens gegründet und ist eine bundesweit einmalige Einrichtung, die sowohl die Schuldnerberatungsstellen des Landes unterstützt, als auch universitäre Forschung betreibt. Im Rahmen von "finanziell fit" wird das SFZ qualifizierte ehrenamtliche Helfer, die aufgrund von Bewerbungen ausgewählt wurden, weiterbilden. Sie erhalten Basiswissen in finanziellen Fragen, das sie als Weiterbildungsleiter über Jugendzentren und Schulen oder bei Seminaren und Workshops in die Familien und v. a. auch zu den Jugendlichen tragen. "Wir haben dazu unser bestehendes Konzept erweitert und wollen in Zukunft auch vermehrt Jugendliche erreichen, die immer öfter in die Schuldenfalle geraten", sagt Joachim Wenzel, wissenschaftlicher Mitarbeiter im SFZ. Rechtlich gesehen können Jugendliche unter 18 Jahren zwar keine Schulden machen, weshalb es über diese Gruppe von Betroffenen eine nur geringe Datenlage gibt. Tatsächlich werden innerfamiliär oder im Freundeskreis teilweise hohe Beträge geliehen und nicht zurückerstattet. Hier wird das SFZ künftig Forschungsarbeit betreiben, um die bislang nicht aussagekräftige Datenlage zu verbessern. So sollen die Präventionskonzepte wissenschaftlich fundiert und zielgruppenspezifisch für die Praxis erweitert werden.

Im Hinblick auf die stärkere Einbeziehung von Jugendlichen erweitert das SFZ sein methodisch-didaktisches Programm um aktuelle Problemstellungen zum Thema Internet, wo Vertragsabschlüsse einer ganz anderen Rechtslage unterliegen. Ein weiterer wichtiger Punkt der Zusammenarbeit von "finanziell fit" ist die konkrete Netzwerkarbeit vor Ort, bei der regionale Schuldnerberatungen, Familieneinrichtungen wie Familienzentren, lokale Bündnisse für Familien und Familienbildungsstätten des Landes bei der Bekämpfung von Schuldenproblemen an einem Strang ziehen. Koordiniert wird die Netzwerkarbeit von der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz (LZG). "Es wird immer deutlicher, wie wichtig bei der Schuldnerberatung, aber auch bei der Prävention von Überschuldung der Transfer von Wissen aus der Wissenschaft in die Praxis ist", erklärt Wenzel. "Wir garantieren wissenschaftliche Standards und sind gleichzeitig im Kontakt mit den Schuldnerberatungen am Puls der Zeit und erfahren, wo der Schuh drückt." Das SFZ arbeitet interdisziplinär und ist an die beiden Fachbereiche Sozialwissenschaften, Medien und Sport sowie Rechts- und Wirtschaftswissenschaften angegliedert.

Die erste Schulung von Ehrenamtlichen aus Koblenz, Katzenelnbogen, Bitburg, Trier, Ingelheim und Kaiserslautern durch das SFZ findet am 11. Februar in Mainz statt. Die Ehrenamtlichen sollen in diesem Jahr Familien und Jugendliche in 120 regionalen Veranstaltungen finanziell fit machen. Ansprechpartner in weiteren Regionen sollen folgen.

Die Vernetzung verschiedener Akteure der Überschuldungsprävention geht bereits über dieses aktuelle Projekt hinaus. So unterstützt die Stiftung der Sparda-Bank Südwest auch ein Projekt des Schuldnerfachberatungszentrums und des Instituts für Arbeits-, Umwelt- und Sozialmedizin der Universitätsmedizin Mainz, das sich mit Gesundheitsprävention befasst und im Rahmen von "Mainz - Stadt der Wissenschaft 2011" angesiedelt ist.