Universität Mainz pflegt langjährigen Kontakt und Austausch mit Nachbarland Polen
Kooperation in einer Vielzahl von Fachgebieten und Arbeitsbereichen
30.01.2006
Junge Menschen aus Polen kommen gern zum Studium an die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und stellen hier schon seit einiger Zeit die stärkste Fraktion ausländischer Studierender. Aber Mainz ist nicht nur für polnische Studierende interessant, sondern auch für deutsche Studierende, die sich für Polen interessieren, hat die JGU einiges zu bieten. "Die Mainzer Universität war die erste deutsche Hochschule, die nach dem Krieg Kontakte zu Polen aufbaute, zu einer Zeit, als das noch nicht üblich war", erinnert Janina Tomala-Steinhauer von der Abteilung Internationales der Universität an die traditionsreiche Verbindung der Mainzer Hochschule zum Nachbarland.Heute reichen die Verbindungen vom "Schwerpunkt Polen", einer in Deutschland einmaligen Einrichtung für Gastprofessoren aus dem Nachbarland, über das Mainzer Polonicum bis hin zu besonderen Kooperationen und Austauschprogrammen bei den Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern. Schließlich bildet der Fachbereich 06 - Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft in Germersheim Übersetzer und Dolmetscher in Polnisch aus.
Im Jahr 1965 läutete eine Versöhnungsbotschaft der polnischen Bischöfe an die deutschen Bischöfe mit den Worten "Wir vergeben und bitten um Vergebung" nicht nur einen Neubeginn in den Beziehungen zwischen den beiden Völkern ein, sondern legte auch den Grundstein für die wissenschaftliche Zusammenarbeit, die sich zunächst auf das Gebiet der Theologie erstreckte. Als ein Meilenstein dieser Kooperation gilt die Auszeichnung von Papst Johannes Paul II. mit der Ehrendoktorwürde der Katholischen Fakultät der Universität im Jahr 1978, vor seinem Amtsantritt.
Auf eine Initiative des Deutsch-Polnischen Forums erhielt Mainz im Jahr 1976 den Zuschlag für die Einrichtung einer Gastprofessur für polnische Wissenschaftler. 1982 nahm der "Schwerpunkt Polen" seine Tätigkeit auf. Diese Einrichtung, bislang einmalig in Deutschland, ermöglicht polnischen Universitätsprofessoren, ein Semester lang in den Lehrbetrieb eines Fachbereichs der Universität Mainz eingebunden zu werden und mit deutschen Studierenden zu arbeiten. Beinahe alle Bereiche der polnischen Wissenschaft waren bislang in Mainz vertreten.
Auch das Mainzer Polonicum ist einzigartig: Es bietet für Hörer aller Fachbereiche Sprachkurse in Polnisch an und zieht damit viele Studierende nach Mainz, die aus ganz unterschiedlichen Motiven an der polnischen Sprache und Kultur interessiert sind. Die Seminare sind regelmäßig "ausgebucht". Seit 1998 besteht an der Jagiellonen-Universität Krakau die Schule des deutschen Rechts, gegründet auf Initiative der Universität Krakau, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Polnische Studierende können hier in Vorlesungen deutscher Hochschullehrer Kenntnisse über das deutsche und europäische Recht erwerben. Auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften kooperiert die Johannes Gutenberg-Universität Mainz seit 1988 mit der Warsaw School of Economics (SGH). Seit 2003 wird in diesem Rahmen ein integrierter Studiengang für BWL/VWL angeboten: Polnische Studierende absolvieren ein mindestens 3-semestriges Hauptstudium an der Universität Mainz und deutsche Studierende mindestens 3 Semester ihres Hauptstudiums an der SGH Warschau.
"Insgesamt können wir sagen, dass die Mainzer Universität gerade für Wirtschaftswissenschaftler, Juristen sowie Polnischübersetzer und -dolmetscher Möglichkeiten bietet, die es an einer anderen Universität so nicht gibt", fasst Tomala-Steinhauer zusammen.