Grippebekämpfung bei Kindern im Visier
Stiftung Präventive Pädiatrie an der Universitätsmedizin Mainz zeichnet wegweisenden Forschungsansatz aus
24.02.2011
Ist es zwingend erforderlich, alle Kinder in Deutschland gegen Grippe zu impfen, oder aus Expertensicht eher überflüssig? Die Fachwelt ist uneins, weil verlässliche Daten zu Influenzainfektionen bei Kindern bislang nur unzureichend vorliegen. Einen Weg, um diese Frage verbindlich beantworten zu können, sucht die Forschergruppe Infektionsepidemiologie am Universitätsklinikum Würzburg in Kooperation mit Würzburger Virologen und Immunologen. Die Stiftung Präventive Pädiatrie an der Universitätsmedizin Mainz zeichnete jetzt das Würzburger Team um Dr. Jasmin Benser im Rahmen der 2. Nationalen Impfkonferenz mit dem mit €1.000 dotierten Posterpreis für einen vielversprechenden Lösungsansatz ausgezeichnet. Univ.-Prof. Dr. Fred Zepp, Vorsitzender der Stiftung und Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Mainz, überreichte den Preis Prof. Johannes Liese, dem Leiter der Arbeitsgruppe."Im schlimmsten Fall kann eine Influenza-Infektion tödlich verlaufen", so Zepp. Er stützt sich in dieser Aussage auf eine Studie der "Erhebungseinheit für seltene Pädiatrische Erkrankungen in Deutschland" (ESPED) aus dem Jahr 2010. "Wir benötigen dringend mehr gesicherte Daten, um über die Notwendigkeit von Impfungen und die Planung von Impfprogrammen entscheiden zu können. Das von Dr. Benser und ihrem Team entwickelte Überwachungskonzept, das Surveillance-Modell, ist für die Beantwortung solcher Fragen ideal geeignet", so Zepp.
Eine Studie an 20 bayrischen Kliniken mit pädiatrischer Intensivstation oder Intensivbetten für Kinder, die das neue Surveillance-Modell der Würzburger Forscher einsetzen, soll jetzt die Wissenslücke schließen. Der Erhebungszeitraum für die Daten ist von Oktober 2010 bis März 2012. Erfasst werden Kinder ab dem 2. Lebensmonat bis zum Alter von 16 Jahren. Von der Teilnahme an der Datenerfassung profitieren auch die Kliniken. Sie erhalten im Gegenzug eine kostenfreie Diagnostik für eine breite Palette möglicher Erreger akuter Atemwegsinfektionen.
Erklärtes Ziel der Forschergruppe um Benser ist es, künftig alle Intensivstationen an bayerischen Kinderkliniken einzubeziehen. "Bei entsprechender Beteiligung ermöglicht diese Studie erstmals verlässliche Inzidenzschätzungen zu schwer verlaufenden Influenzainfektionen sowie die Ermittlung von Risikofaktoren für schwere Influenza bei Kindern in Deutschland", heißt es dazu auf dem Poster.
Für Zepp als Vorsitzenden der Stiftung Präventive Pädiatrie steht fest: "Der angestrebte Datengewinn wird eine ganz zentrale Funktion für Entscheidungen im deutschen Gesundheitswesen haben."
Über die Stiftung Präventive Pädiatrie
Die Stiftung Präventive Pädiatrie ist an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenber-Universität Mainz angesiedelt. Ziel der Einrichtung ist es, Kinder vor Krankheit zu schützen, damit sie in bester körperlicher, geistiger und sozialer Verfassung aufwachsen.
Die wichtigste Aufgabe der Medizin besteht in der Behandlung und Verhütung von Krankheiten. Ein besonders wichtiger Grundstein wird dabei in der Kinderheilkunde gelegt, die Früh- und Neugeborene, Klein- und Schulkinder sowie jugendliche Heranwachsende medizinisch versorgt.