Strom durch künstliche Photosynthese

Deutsch-schweizerischer Materialwissenschaftler Michael Grätzel erhält Gutenberg Research Award der Graduiertenschule MAINZ

07.07.2011

Der Gutenberg Research Award 2011 der Graduiertenschule Materials Science in Mainz (MAINZ) der Johannes Gutenberg-Universität (JGU) geht in diesem Jahr an Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Michael Grätzel von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Lausanne, den Erfinder der ersten Farbstoffsolarzelle und Preisträger des Millennium-Technologiepreises 2010. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert. Der deutsch-schweizerische Materialforscher Grätzel hat einen neuen Typ von Photovoltaikzellen erfunden, die mit Farbstoffen arbeiten und auf der Photosynthese aufbauen. Das Sonnenlicht wird bei der nach ihm benannten Grätzelzelle mit Hilfe von organischen Farbstoffen in elektrische Energie umgewandelt. "Michael Grätzel ist einer der renommiertesten Materialforscher weltweit und gehört international zu den zehn meistzitierten Chemikern", so Prof. Dr. Klaus Müllen in seiner Laudatio bei der Preisverleihung.

Die Graduiertenschule MAINZ zeichnet jährlich einen international herausragenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Materialforschung mit dem Gutenberg Research Award aus. Der Preis ist mit einem Gastaufenthalt des Preisträgers in Mainz verbunden. Mit der Auszeichnung von Grätzel setzt MAINZ auch ein klares Zeichen in Richtung nachhaltiger Energieversorgung – eines der großen Zukunftsthemen. Energietechnologien sind eines der Hauptforschungsgebiete der Graduiertenschule MAINZ.

Grätzel leitet das "Laboratory of Photonics and Interfaces" an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne. Er gilt als Pionier auf dem Gebiet der Energie- und Elektrontransferreaktionen und ihrer Anwendung in der Solarenergie, Optoelektronik und in Lithiumionenbatterien. Er ist Autor von über 800 Publikationen, zwei Büchern und Erfinder von über 50 Patenten. Darüber hinaus hat er zahlreiche international hoch angesehene Auszeichnungen erhalten, so im vergangenen Jahr den Millennium-Technologiepreis, der von Finnland für technologische Innovationen zur Verbesserung der Lebensqualität und des Wohlstands vergeben wird. Das Magazin "Scientific American" zählt ihn zu den 50 Top-Wissenschaftlern der Welt.

Die Preisverleihung an Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Michael Grätzel wird dazu beitragen, die Verbindung mit der Graduiertenschule MAINZ und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz weiter zu festigen. Bisher war Grätzel schon zu mehreren Besuchen in Mainz, wobei er auch speziell den Kontakt mit den Doktoranden der Graduiertenschulen MAINZ und des Internationalen Graduiertenkollegs 1404: "Selbstorganisierende Materialien für optoelektronische Anwendungen" gesucht hat. Weitere Kooperationen sind im Bereich der Optoelektronik geplant.

Neben der engagierten Zusammenarbeit mit den Mainzer Materialwissenschaften pflegt Michael Grätzel auch enge Verbindungen zum Philosophischen Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, wo sein Bruder, Prof. Dr. Stephan Grätzel, den Arbeitsbereich Praktische Philosophie leitet und sich an der Schnittstelle von Philosophie und Naturwissenschaften dafür einsetzt, Nachhaltigkeit und ökologische Ethik bereits im schulischen Unterricht aufzugreifen.

Die Graduiertenschule MAINZ wurde in der Exzellenzinitiative im Jahr 2007 bewilligt und wird sich im Herbst um eine Weiterförderung in der zweiten Phase der Initiative bewerben. MAINZ besteht aus Arbeitsgruppen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der Technischen Universität Kaiserslautern und des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung. Exzellente Doktoranden der Naturwissenschaften aus dem In- und Ausland erhalten durch die Graduiertenschule eine herausragende Ausbildung auf dem Gebiet der Materialwissenschaften.