Studierende in Mainz - Wohnen, Konsum und Freizeit in der Landeshauptstadt

Teil IV der Studie: Was den Studierenden in Mainz (nicht) gefällt und verbessert werden sollte

27.07.2011

 

PRESSEMITTEILUNG DER LANDESHAUPTSTADT MAINZ

 

 

TEIL IV

Als einer der bedeutendsten Hochschulstandorte in Deutschland zählt Mainz fast 40.000 Studierende an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und den beiden Fachhochschulen. Die Kenntnisse über die Lebensbedingungen dieser wichtigen Bevölkerungsgruppe und ihren Beitrag zur Wirtschaftskraft der Stadt Mainz sind jedoch völlig unzureichend. Deshalb führten im Rahmen der "Stadt der Wissenschaft" Prof. Günter Meyer und Evelyn Schäfer vom Geographischen Institut der JGU in Zusammenarbeit mit dem Amt für Stadtentwicklung eine Online-Befragung der Studierenden an den drei Hochschulen in Mainz durch. Insgesamt 4.806 Studierende beteiligten sich an der Untersuchung.

Während sich die bisherigen Ergebnisberichte mit der Wohnsituation, der Nutzung der Mainzer Infrastruktur durch die Studierenden und deren Verbundenheit mit Mainz befassten, werden jetzt zum Abschluss der vierteiligen Artikelserie die Fragen beantwortet, was den Studierenden besonders gut und überhaupt nicht in Mainz gefällt. Was sollte aus studentischer Sicht getan werden, damit der Hochschulort attraktiver wird?

 

Was gefällt den Studierenden in Mainz besonders gut?

Insgesamt 3.776 Studierende der drei Hochschulen kamen der Bitte nach, drei Dinge zu nennen, die ihnen in Mainz besonders gut gefallen. In der folgenden Auflistung wurden die 9.781 Antworten nach Themenbereichen zusammengefasst. Die eingeklammerten Zahlen zeigen, wie viele von umgerechnet je 1.000 Studierenden die betreffende Antwort gaben.

 

Die wichtigsten Mainzer Attraktionen

Kein anderer Bereich der Stadt ist aus Sicht der Studierenden auch nur annähernd so attraktiv wie das Rheinufer: 358 pro 1.000 Studierenden gefällt die Flusslage besonders gut. "Das Rheinufer im Sommer ist der ultimative Traum!" kommentiert eine Studentin ihre Begeisterung für die Rheinpromenade.

An zweiter Stelle folgt die historische Altstadt mit Augustinerstraße und Kirschgarten, Dom und Wochenmarkt sowie anderen historischen Bauten (336). "Die Altstadt ist sogar schöner als in Köln, und das sag ich als Kölner!" meint einer der Studenten. Auch die Innenstadt insgesamt, die als attraktiv, gepflegt und gemütlich charakterisiert wird, erfreut sich großer Beliebtheit (186). Kaum weniger Studierende heben die ideale Größe der Stadt hervor, in der alle wichtigen Einrichtungen vorhanden und durch kurze Wege erreichbar sind (181). Die Verbindung von Kleinstadt-Flair mit allen Vorteilen einer Großstadt (129) wird immer wieder genannt, so auch in dem Kommentar: "Ich liebe die Kleinstadtatmosphäre in der Großstadt!".

Die zentrale Lage in Deutschland und im Rhein-Main-Gebiet (111) gehört zu den Punkten, die aus studentischer Sicht in besonderem Maße zur Attraktivität der Landeshauptstadt beitragen. Dies gilt ebenfalls für die Hochschulen (171), wo viele der Befragten die Vorteile einer Campus-Universität loben. Als besonders positiv wird auch der öffentliche Personennahverkehr herausgestellt (103). Andere Studierende schwärmen von dem Freizeit- und Kulturangebot, v.a. den Partys, Clubs und dem Nachtleben in Mainz (91). Nicht zuletzt ist es die Bevölkerung, die als aufgeschlossen, freundlich und heiter charakterisiert wird (97) und nach Ansicht zahlreicher Studierenden den speziellen Reiz der Landeshauptstadt ausmacht. Gelobt wird hier das "studentische Flair mit Superatmosphäre und sympathischen Einwohnern". Ein anderer Student ist der Meinung, dass Mainz sich auszeichnet durch "herzlichere Menschen und weniger Stress auf den Straßen als in Wiesbaden und Frankfurt".

 

Übersicht über die Eigenschaften, die den Studierenden in Mainz besonders gefallen

 

Attraktive Stadt

  • Rhein / Rheinpromenade (358)
  • Attraktive, gepflegte, gemütliche Innenstadt (186)
  • Ideale Stadtgröße, überschaubar, kurze Wege (181)
  • Kleinstadt-Flair mit allen Vorteilen einer Großstadt (129)
  • Zentrale Lage in BRD und im Rhein-Main-Gebiet (111)
  • Typische Studentenstadt (86)
  • Grün in der Stadt, stadtnahe Natur (62)
  • Friedlich, sauber, ruhig und sicher (34)
  • Schöne Stadtviertel und Vororte (27)
  • Sympathische Stadt, buntes Leben (24)
  • Klima (19)

Eindrucksvolles historisches Mainz

  • Altstadt (Augustinerstraße, Kirschgarten) (194)
  • Dom (-platz) (74)
  • Mischung historische / moderne Architektur (56)
  • Geschichtsträchtige Bauten und Sehenswürdigkeiten (36)
  • Wochenmarkt (32)

Qualität der Hochschulen

  • Campus-Universität (78)
  • Hochschule an sich (61)
  • Lehre und Organisation der Universität (22)
  • Sport- und Kulturangebote der Hochschule (10)

Ausgezeichnetes Freizeit- und Kulturangebot

  • Partys, Clubs und Nachtleben (91)
  • Vielfältiges Kulturangebot (59)
  •  FSV Mainz 05 (36)
  • Vielfältige Freizeitangebote für Studierende (35)
  • Fastnacht (34)
  • Weihnachtsmarkt (30)
  • Cafés / Bistrots (24)
  • Gastronomische Vielfalt (23)
  • Theater (20)
  • Feste und Märkte (Johannisnacht) (18)
  • Kino (16)

Sympathische Mainzer Bevölkerung

  • Aufgeschlossene, freundliche, heitere Menschen (97)
  • Bodenständige Mentalität der „Meenzer“ (45)
  • Junge, vornehmlich studentische Bevölkerung (43)
  • Lebensgefühl, Lebensart, Identität (39)
  • Gute Verkehrsinfrastruktur Guter ÖPNV (103)
  • Gute Anbindung durch Regional- und Fernverkehr (58)

 

Was gefällt den Studierenden in Mainz überhaupt nicht?

Als Reaktion auf die Aufforderung, drei Dinge anzugeben, die den Studierenden überhaupt nicht in Mainz gefallen, gingen nur 7.743 Antworten ein - das sind 21% weniger als bei der Frage nach den Dingen, die besonders gut gefallen, was durchaus schon als ein positives Ergebnis gewertet werden kann. Auch hier zeigen die eingeklammerten Zahlen, wie viele von umgerechnet je 1.000 Studierenden die betreffende Antwort gaben.

 

Die wichtigsten Kritikpunkte an Mainz

Die schlechte Wohnungsmarktsituation für Studierende wird am häufigsten bemängelt (315); der Kommentar "2x4 Monate Wohnungssuche ohne Erfolg" zeigt hier, wie schwer es für manche Studenten ist eine Wohnung zu finden.

Mit geringem Abstand folgt die Kritik an der Ausdünnung des ÖPNV v.a. in den Nachtstunden (301). Auch die Höhe der Parkgebühren gefällt einem Viertel aller Studierenden überhaupt nicht (241). Weitere Kritikpunkte an der Verkehrssituation wie schlechte Ausschilderung, unangemessene Ampelschaltungen, störende Baustellen und Blitzer folgen mit deutlichem Abstand auf dem vierten Rang (154).

Defizite im City-Einzelhandel (107) sowie architektonische und bauliche Mängel in der Innenstadt (104) stoßen ebenfalls bei mehr als jedem zehnten Studierenden auf heftige Kritik. Auch die hohen Lebenshaltungskosten (84) stellen für einen Teil der Befragten ein Problem dar.

 

Übersicht über die Eigenschaften, die den Studierenden in Mainz nicht gefallen

 

Wohnungen

  • Wohnungsmarktsituation für Studierende (315)

Verkehr

  • ÖPNV, v.a. nachts (301)
  • Zu hohe Parkgebühren (241)
  • Verkehrsschilder, Ampelschaltung, Baustellen, Blitzer (154)
  • Radwegenetz (46)
  • Regional- und Fernverkehr, v.a. (43)

Einkaufssituation

  • Mängel im Einzelhandel der City (107)
  • Keine große zusammenhängende Shoppingmeile (20)
  • Provinzielle Öffnungszeiten der Geschäfte (20)

Innenstadt

  • Architektonische und bauliche Mängel (104)
  • Verwinkelte Struktur (49)
  • Zu wenig Grün (47)
  • Heruntergekommen und schmutzig (43)
  • Bettler und "Penner" (42)
  • Rheinufer (38)

Preisniveau

  • Lebenshaltungskosten für Studierende (84)

Freizeit- und Kulturangebote

  • Zu wenig Freizeit- und Kulturangebote (69)
  • Zu wenige Cafés, Kneipen, Biergärten (35)
  • Fastnacht (28)
  • Mainz 05 (21)

Stadt

  • Stadt an sich, ungemütlich, überlaufen (50)
  • Heruntergekommene Viertel, Unsicherheitsgefühl (39)
  • Mainz ist provinziell (24)

Bevölkerung

  • Kleinbürgerlich, unfreundlich, wenig hilfsbereit (43)

 

Wodurch soll Mainz attraktiver werden?

Um herauszufinden, in welchen Bereichen der Landeshauptstadt aus studentischer Sicht ein konkreter Verbesserungsbedarf besteht, wurden die Studierenden zum Schluss gefragt: "Was sollte als Wichtigstes getan werden, damit Mainz für Sie als Studienort noch attraktiver wird?"

 

Attraktivitätssteigerung vor allem durch Verbesserungen der Wohnsituation, der Hochschulen und des ÖPNV

Mit weitem Abstand vor allen anderen Möglichkeiten zur Attraktivitätssteigerungen von Mainz als Hochschulort wünscht mehr als ein Drittel der Studierenden eine Verbesserung der Wohnsituation durch Senkung der Mieten und den Bau von preiswerten Wohnungen (350), v.a. von Studierendenwohnheimen. Konkrete Wünsche nach Verbesserungen im Hochschulbereich (281) folgen auf dem zweiten Rang. Sie betreffen v.a. die Organisation und Ausstattung der Hochschulen, aber auch eine bessere Infrastruktur auf dem Campus sowie höhere Investitionen in die Lehre. An dritter Stelle werden Verbesserungen der Verkehrssituation (175) gefordert, darunter in erster Linie die Verstärkung des ÖPNV im Nachtverkehr und die Ausweitung des Busnetzes. Hinzu kommen billige Parkmöglichkeiten für Studierende, der Ausbau des Radwegenetzes und eine verbesserte Anbindung an den Regionalund Fernverkehr v.a. nachts. Einige der Befragten regen an, Studierenden mehr Ermäßigungen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens zu gewähren (38), um so die hohen Lebenshaltungskosten zu senken. Andere wünschen sich mehr Partys, Clubs und Nachtleben mit späteren Sperrstunden (26) sowie eine stärke Konzentration des studentischen Lebens in einem eigenen Szeneviertel in der Innenstadt (25). Die letzten beiden Wünsche werden sicherlich keine Zustimmung bei der dortigen Wohnbevölkerung finden.

 

 

Übersicht über die Vorschläge zur Steigerung der Attraktivität von Mainz

 

Wohnungen

  • Wohnungsmarkt verbessern: Mieten senken, mehr preiswerten Wohnraum schaffen (350)
  • Keine Zweitwohnsitzsteuer (10)

Hochschulen

  • Organisation und Ausstattung der Hochschulen verbessern: Bachelor-/Masterstudium und Jogustine abschaffen, bessere Betreuung (136)
  • Bessere Infrastruktur auf dem Campus: Verpflegung, Räumlichkeiten, Campus-Bus (67)
  • Höhere Investitionen in die Lehre: mehr gute Dozenten, kleinere Kurse (46)
  • Weiterhin keine Studiengebühren (14)
  • Semesterticket ausweiten und auf freier Basis anbieten (13)
  • Intensivere Kooperation der Wirtschaft mit den Hochschulen (5)

Verkehr

  • ÖPNV verbessern durch mehr Nachtbusse und Ausbau des Netzes (106)
  • Mehr kostengünstige Parkmöglichkeiten und Gebührenermäßigung für Studierende (26)
  • Radwegenetz ausbauen (18)
  • Anbindung an Regional- und Fernverkehr vor allem nachts verbessern (18)
  • Weniger Verkehr, mehr Entlastungsstraßen sowie bessere Straßenführung, Fahrbahnmarkierung und Beschilderung (7)

Lebenshaltungskosten

  • Mehr Studierendenrabatte in allen Bereichen des öffentlichen Lebens (38)

Innenstadt

  • Studentisches Leben stärker in der Innenstadt konzentrieren durch eigenes Szeneviertel (25)
  • Mehr Grünanlagen und Ruhezonen (12)
  • Stadtbild attraktiver gestalten (6)
  • Rheinufer verschönern: mehr Grillzonen und Zugänge zum Wasser (5)

Freizeit- und Kulturangebot

  • Größeres und vielfältigeres Kulturangebot (28)
  • Mehr Partys, Clubs und Nachtleben mit späteren Sperrstunden (26)
  • Freizeit- und Sportangebote verbessern (12)
  • Mehr Gastronomie: Cafés, Bars, Biergärten, Restaurants, Imbissstände (8)