Zehn Forschergruppen aus ganz Deutschland starten mit BIOTECmarin das bundesweit erste Kompetenzzentrum für Schwammforschung

Nachhaltige Nutzung der Rohstoffquelle Schwamm im Fokus

07.11.2001

Naturstoffe aus marinen Schwämmen und ihren Mikroorganismen stehen im Mittelpunkt des neuen, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Kompetenzzentrums BIOTECmarin, an dem seit wenigen Wochen zehn Forschergruppen an marinen Schwämmen arbeiten. Beteiligt sind die Universitäten Mainz, Stuttgart, Düsseldorf, Kiel und Würzburg, darüber hinaus ein Ingenieurbüro aus Mannheim und die Meeresbiologische Station in Rovinj, Kroatien.

Mit dem Projekt sollen neue Wege zur schonenden und nachhaltigen Nutzung der Rohstoffquelle Schwamm entwickelt werden. "Schwämme leben festsitzend am Meeresboden. Dort müssen sie sich gegen Fressfeinde und das Überwachsenwerden schützen. Dazu produzieren sie eine Vielzahl bioaktiver Substanzen von hohem pharmazeutischen Wert", erläutert der Sprecher von BIOTECmarin, Univ.-Prof. Dr. Werner E. G. Müller vom Institut für Physiologische Chemie und Pathobiochemie der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). "Diese Substanzen können bisher jedoch nicht in größerem Maßstab gewonnen und genutzt werden", so Müller weiter. "Durch die Bündelung und Vernetzung der in Deutschland vorhandenen Kompetenz zu Schwämmen sollen unsere ersten Erfolge bei der Hälterung und der Zellkultur sowie bei der Charakterisierung der Mikroorganismen nun in biotechnologische Verfahren umgesetzt werden."

Hierzu werden die Schwämme und die mit ihnen zusammenlebenden Mikroorganismen artgenau bestimmt. Anschließend soll versucht werden, sie in sogenannte Marikulturen, also in Kulturen direkt im Meer, aber auch in Zellkulturen zu züchten und die medizinisch interessanten Wirkstoffe zu isolieren und zu charakterisieren. Außer in Zell- und Marikulturen sowie mit biotechnologischen Verfahren wollen die Forscher im Kompetenzzentrum BIOTECmarin die bioaktiven Substanzen noch auf anderen Wegen gewinnen: Mithilfe einer Schwamm-Genomanalyse sowie durch chemische Synthesen.

Diese Arbeiten werden in den nächsten drei Jahren mit insgesamt 8 Millionen DM gefördert. Zwei Drittel dieser Mittel kommen aus dem Forschungsprogramm Marine Naturstoffforschung, den Rest steuern die jeweiligen Bundesländer und Universitäten bei. Im Rahmen des Kompetenzzentrums werden die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Verwertungsgesellschaft gründen. Aufgabe dieses Unternehmens wird es sein, die wirtschaftlich verwertbaren Ergebnisse zu patentieren, Lizenzen zu vergeben, Forschungsprojekte zu finanzieren und eigene Produkte zu entwickeln, die über Partner produziert und vertrieben werden.

 

BILDERGALERIE

Unterwasseraufnahmen eines Baikalschwamms (Lubomirskia baicalensis) (Foto/©: Institut für Physiologische Chemie) Unterwasseraufnahmen eines Baikalschwamms (Lubomirskia baicalensis) (Foto/©: Institut für Physiologische Chemie) Unterwasseraufnahmen eines Baikalschwamms (Lubomirskia baicalensis) (Foto/©: Institut für Physiologische Chemie) Biosilica-Skelett eines Baikalseeschwamms (Lubomirskia baicalensis) (Foto/©: Institut für Physiologische Chemie) Tethyaschwamm in der Adria (Foto/©: Institut für Physiologische Chemie) Baumschwamm aus der Amazonas/Rio Negro-Region in Brasilien. Der Schwamm lebt nur drei Monate unter Wasser. (Foto/©: Institut für Physiologische Chemie) Spicula eines Riesenschwamms als Lichtleiter (Foto/©: Institut für Physiologische Chemie) Spicula eines Riesenschwamms als Lichtleiter (Foto/©: Institut für Physiologische Chemie) Biosilica-Skelettelemente, gebildet vom Meeresschwamm Geodia cydonium (Foto/©: Institut für Physiologische Chemie)