Klaus Lieb neuer Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Vielfältige Schwerpunktsetzung

26.11.2007

Seit dem 1. Oktober 2007 ist Prof. Dr. Klaus Lieb Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), nachdem er seit dem 1. April 2007 die kommissarische Leitung innehatte. Im Rahmen der Patientenversorgung möchte Professor Lieb den psychotherapeutischen Ansatz in seiner Klinik verstärken und die Angebote für schwerkranke Patienten ausweiten. In der klinischen Forschung sollen insbesondere Themen aus dem Schwerpunkt "Neurowissenschaften" aufgegriffen werden. Wissenschaftlich beschäftigt sich der 42-jährige Mediziner vor allem mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung, Impulsivität und affektiven Störungen sowie darüber hinaus mit neuroethischen und pharmakoökonomischen Fragen.

"Bis 2010 erwarten wir eine überproportionale Zunahme psychischer Störungen und neurologischer Erkrankungen", erläutert Lieb. "Diese Trends spiegeln sich im neurowissenschaftlichen Schwerpunkt des Universitätsklinikums Mainz wider. In diesen möchte ich mich mit meinem Team engagiert einbringen und mich innerhalb der Klinik auf Themen aus dem Schwerpunkt fokussieren. Besonderes intensiv werden wir uns in der klinischen Forschung daher mit Demenzen, Suchterkrankungen, Depressionen und Borderline-Störungen beschäftigen." Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit – vor allem auch mit den vorklinischen Instituten – ist dabei ein besonderes Anliegen des neuen Klinikleiters.

Im Rahmen der Patientenversorgung ist das Ziel, den psychotherapeutischen Ansatz zu verstärken. "Zunächst planen wir diesbezüglich die Einrichtung einer Spezialstation für die psychotherapeutische Behandlung von Patienten mit Borderline-Störungen", beschreibt Lieb. "Auf dieser Spezialstation wollen wir beispielsweise die Schematherapie – eine spezielle Form der Psychotherapie – anbieten." Die Borderline-Störung ist die am häufigsten diagnostizierte Persönlichkeitsstörung und geht mit schweren Problemen auf der Verhaltensebene wie Selbstverletzungen oder Suizidversuchen einher. "Einen weiteren Schwerpunkt möchte ich bei den schwerkranken Patienten setzen – also solchen mit Schizophrenie, Demenz, Suchterkrankungen oder therapieresistenten Depressionen – und für diese die Angebote ausweiten", so Lieb. "Hier wollen wir insbesondere mit den komplementären Einrichtungen, sprich den ambulanten Versorgungsstrukturen, noch intensiver und besser zusammenarbeiten." Methodische Schwerpunkte der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sind Pharmakologie, Genetik und bildgebende Verfahren.

Neben der Borderline-Persönlichkeitsstörung, Impulsivität und affektiven Störungen beschäftigt sich Professor Lieb im Rahmen seiner wissenschaftlichen Projekte mit neuroethischen und pharmakoökonomischen Fragen: "Hier geht es beispielsweise um die Kosten-Nutzen-Analyse neuer Arzneimittel oder um ethische Aspekte der Therapie mit Psychopharmaka."

Zur Person

Klaus Lieb wurde 1965 geboren. Nach dem Studium der Medizin und Philosophie in Ulm, Tübingen und Los Angeles sowie der Facharztweiterbildung in Ulm und Freiburg wurde er Oberarzt an der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. Von 2001 bis 2007 war Professor Lieb dort Leitender Oberarzt und Stellvertreter des Ärztlichen Direktors. Seit dem 1. Oktober 2007 ist Lieb Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Mainzer Universitätsklinikum, nachdem er seit dem 1. April 2007 die kommissarische Leitung innehatte. Klaus Lieb ist verheiratet und hat vier Kinder.