Antonín Dvořák (1841-1904): Poetische Stimmungsbilder op. 85
CD-Produktion mit Pianistin Claudia Schellenberger
04.06.2012
Folkloristische Elemente kennzeichnen die 13 verschiedenen Charakterstücke und den höchst persönlichen Klavierkompositionsstil Dvořáks. Historisch gesehen stehen die Poetischen Stimmungsbilder in der Tradition von Mendelssohns Lieder ohne Worte, Griegs Lyrischen Stücken oder Schumanns Albumblättern. Dvořák komponierte seinen größten Zyklus für Klavier solo 1889, also vor seinem Amerika-Aufenthalt. Er legte großen Wert auf die vollständige Wiedergabe des Zyklus: "Es wird allerdings schade sein, dass wahrscheinlich wenige Pianisten soviel Mut haben werden, sie alle nacheinander zu spielen (sie dauern fast eine Dreiviertel Stunde), aber nur dann kann sich der Hörer die richtige Vorstellung machen, was ich etwa dachte, denn diesmal bin ich nicht nur absoluter Musiker, sondern Poet.""Für mich", sagt Claudia Schellenberger, "stellt sich jedes der 13 Stücke als abgeschlossener Kosmos unterschiedlicher Gewichtung innerhalb des Gesamtwerks dar." Meist in der dreiteiligen Liedform A-B-A komponiert, erweitert Dvořák den Tonraum in extreme Register, arbeitet mit anspruchsvoller Akkordik, ungewöhnlichen Figurationen und deutlich folkloristischem Kolorit im tschechisch-böhmischen Ton. Auffallend ist sein nicht wirklich pianistischer Kompositionsstil, eine sowohl technische als auch interpretatorischen Herausforderung. Im Vergleich mit "typisch" für das Klavier schreibenden Komponisten wie Chopin, Schumann oder Mendelssohn kommt bei Dvořák die neue Komponente der "orchestralen Grundstimmung" hinzu. Häufige Dezimgriffe in Folge, Tremoli, Doppelterzen und Doppeloktaven ergeben weite Klangblöcke und ein bis dato unbekanntes Klangbild, und die Klangfarben weisen bereits in Richtung Impressionismus.
Claudia Schellenberger konzertiert im In- und Ausland, sie war u. a zu Gast beim Schleswig-Holstein-Musikfestival, den Frankfurt-Festen der Alten Oper, beim Sommerfestival im EXPO-Pavillon, auf Schloss Solitude, den BASF-Konzerten in Ludwigshafen, Kaisersaalkonzerten in Ottobeuren, Villa-Musica-Konzerten in Edenkoben, bei der Harvard Musical Association in Boston u.v.a. Mehrere Tourneen führten sie mit dem Dvořák -Symphonieorchester Prag durch ganz Deutschland.
Als Fünfzehnjährige wurde Claudia Schellenberger Schülerin von Prof. Karl-Heinz Kämmerling und studierte nach dem Abitur bei ihm, Prof. M. Dörrie und Prof. K. Bergemann an der Musikhochschule Hannover. Nach dem Diplom absolvierte sie die Konzertfachklasse an der Musikhochschule Wien bei Prof. Noel Flores, die sie mit dem Konzertexamen abschloss. Danach setzte sie ihre Studien in der Soloklasse von Prof. Joachim Volkmann an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt/Main fort. Während dieses Studiums wurde sie als Klavierdozentin an den damaligen Fachbereich Musik (heute Hochschule für Musik) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz berufen. Claudia Schellenberger nahm an Meisterkursen u. a. bei Rudolf Buchbinder, Malcolm Frager, Jakob Lateiner und Vitaly Margulis teil. Sie wurde Finalistin der Internationalen Klavierwettbewerbe in Vercelli und Brüssel. Die Pianistin unterrichtete im Rahmen des Erasmus-Programms an den Musikhochschulen in Perugia und Amsterdam und gab Meisterkurse in Boston an der Walnut Hill Scholl und am NEC (New England Conservatory). Sie ist Gründerin und künstlerische Leiterin der Piano-Akademie Königstein e.V. In den vergangenen Jahren entstanden zahlreiche Rundfunkaufnahmen, Live-Mitschnitte und Porträts bei verschiedenen Sendeanstalten in Deutschland und USA. Ihre 2010 erschienene CD Danzas Argentinas (CAvi-music) wurde mit dem Supersonic Award der belgischen Musikzeitung Pizzicato ausgezeichnet.
Rezensionen (Auswahl)
DIE PRESSE (diepresse.com) vom 24. Mai 2012:
"Claudia Schellenberger […] spielt alles andere als romantisch-klangvernebelt, glasklar vielmehr, scharf geschnitten und dort, wo der Meister der 'slawischen Tänze' durchschlägt, auch rhythmisch höchst vital. Ein tönendes Märchenbuch voller Überraschungen, viel Naiv-Pittoreskes darin, zuletzt sogar ein (Liszt-nahes) tonal weit ausgreifendes Heldenepos, das ahnen lässt, warum Dvorák für die beginnende Moderne – Gustav Mahler, aber auch den frühen Schönberg – so wichtig war."
