Ordnungsrahmen antiker Ökonomien: Ordnungskonzepte und Steuerungsmechanismen antiker Wirtschaftssysteme im Vergleich
Beiträge zum gleichnamigen Nachwuchs-Workshop an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz / Sven Günther (Hg.)
26.07.2012
Die aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrisen des 21. Jahrhunderts haben einmal mehr bewusst gemacht, welche Rolle die Wirtschaft als zentrale Handlungskategorie menschlichen Seins und Handelns in der heutigen Welt spielt. Im Bereich der Antiken Wirtschaftsgeschichte schien im 20. Jahrhundert der langlebige Forschungsstreit zwischen "Primitivisten" und "Modernisten" die Erforschung antiken Wirtschaftens eher zu lähmen denn zu befördern.
Erst die "neo-institutionalistische" Theorie hat in letzter Zeit diese scheinbar festgefügten und unvereinbar gegenüberstehenden Modelle zur Beschreibung der antiken Wirtschaft(en) aufgebrochen. Sie hat zusammen mit modernen wissenschaftlichen Analysemethoden insbesondere dem "primitivistischen" Bild einer regional begrenzten, für den Staat uninteressanten, technisch rückständigen Wirtschaft gehörig zugesetzt.
Die hier versammelten Beiträge, die auf den gleichnamigen Nachwuchs-Workshop vom 24.-26. September 2010 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zurückgehen, nehmen den neuen Theoriediskurs auf und beleuchten anhand des offenen Begriffs "Ordnungsrahmen" das Thema "Antike Ökonomie" von mehreren Seiten und nicht eingeengt von neo-institutionalistischen oder weiteren Theoremen. Dabei wird deutlich, dass einerseits "Ordnung" und die durch sie vorgegebenen Rahmen das ökonomische Leben und Denken in der Antike geprägt und gestaltet haben - und dies den antiken Zeitgenossen auch deutlich vor Augen stand! Andererseits dienen "Ordnungsrahmen" der modernen Wissenschaft auch zur Verdeutlichung und Strukturierung der komplexen und in ihren vielfältigen Beziehungen kaum zu überblickenden und schwierig zu beschreibenden ökonomischen Systeme.
Insofern spiegelt das breite Themenspektrum der Beiträge - von der mykenischen Frühgeschichte Griechenlands über Theorie und Praxis in der griechischen Klassik und im Hellenismus bis hin zu unterschiedlichen Aspekten der römischen Wirtschaft in Republik und Kaiserzeit - die Vielfältigkeit des Zuganges zur antiken Ökonomie wider. Es lenkt damit den Blick auf jeweils ganz bestimmte "Rahmen" ökonomischen Handelns.
