Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert Fertigstellung der Schlegel-Gesamtausgabe

Mainzer Wissenschaftler machen Schriften von Friedrich Schlegel in den nächsten Jahren vollständig zugänglich

31.07.2012

Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) erhalten für die Fertigstellung der kritischen Gesamtausgabe der Werke von Friedrich Schlegel (1772-1829) finanzielle Unterstützung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Schlegel gehört zu den bedeutendsten Vertretern der deutschen Romantik. Seine Schriften stoßen nicht nur hierzulande, sondern auch im Ausland auf großes Interesse. Unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrich Breuer vom Deutschen Institut der JGU werden nun in den kommenden sechs Jahren die noch fehlenden Bände der "Kritischen Friedrich-Schlegel-Ausgabe" herausgegeben.

Schlegels umfangreiches, häufig nur in Ausschnitten gelesenes Werk ist seit 1958 sukzessive von Ernst Behler innerhalb der auf 35 großformatige Bände in vier Abteilungen projektierten "Kritischen Friedrich-Schlegel-Ausgabe" zugänglich gemacht worden. Als Behler 1997 plötzlich verstarb, fehlten noch acht der geplanten 35 Bände. Betroffen ist insbesondere die dritte Abteilung, die die Briefe von und an Friedrich und Dorothea Schlegel darbieten soll. Der Schöningh-Verlag, in dem die Ausgabe erscheint, hat im Jahr 2007 Prof. Dr. Ulrich Breuer vom Deutschen Institut der JGU mit der Herausgabe der ausstehenden Bände beauftragt. Nun hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft für die nächsten 36 Monate €380.000 bereitgestellt, um den zeitnahen Abschluss der Ausgabe zu gewährleisten. Eine Verlängerung der Förderung um weitere 36 Monate ist vorgesehen.

Für die ausstehenden Bände konnten namhafte Editoren im In- und Ausland gewonnen werden. Die kritische Textkonstitution erfolgt aufgrund der Originalhandschriften unter Wahrung des Authentizitätsprinzips. Neben der Print-Ausgabe ist stufenweise ein Friedrich-Schlegel-Portal (Repertorium, Text/Kommentar, Faksimiles) zur freien Online-Vernetzung vorgesehen. Dazu sollen Texte und Kommentare schon während der Projektphase in das print- und weboffene XML-Format übertragen werden. Literarhistorisch verfolgt die Edition das Ziel, Friedrich Schlegel jenseits romantisch-nationaler Literaturgeschichtsschreibung in neuer Weise als medientechnisch versierten Intellektuellen im Kontext der europäischen Literatur- und Kulturgeschichte sichtbar zu machen. Damit ist sie eng in den Mainzer Forschungsschwerpunkt Historische Kulturwissenschaften eingebunden.

Prof. Dr. Ulrich Breuer ist nicht nur Herausgeber der "Kritischen Friedrich-Schlegel-Ausgabe", sondern auch Präsident der 2007 in Mainz gegründeten Friedrich Schlegel-Gesellschaft. Gemeinsam mit Prof. Dr. Nikolaus Wegmann von der Princeton University in den USA gibt er seit 2008 im Auftrag der Schlegel-Gesellschaft das Jahrbuch "Athenäum" heraus, ein Zentralorgan der internationalen Romantikforschung. Das "Athenäum" konnte mit Unterstützung der DFG in ein Peer-Review-Journal umgewandelt werden und ist allgemein zugänglich.