Förderung des interdisziplinären Forschungsverbunds ChemBioMed durch Carl-Zeiss-Stiftung

Von Universitätsmedizin Mainz, Biologie- und Chemie-Instituten der JGU gemeinsam initiiertes zukunftsorientiertes Forschungskonzept erhält 1 Million Euro

14.08.2012

Neue Stoffe zur Aufklärung und Verhinderung von Krankheitsmechanismen beispielsweise aus Pilzen oder Tiefseeschwämmen zu gewinnen, ist das Ziel des interdisziplinären Forschungsverbunds "Chemische BioMedizin" (ChemBioMed). Mit 1 Million Euro fördert die Carl-Zeiss-Stiftung das von der Universitätsmedizin und dem Fachbereich Chemie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) gemeinsam initiierte zukunftsorientierte Forschungskonzept. Die Förderung erfolgt im Rahmen des Programms "Stärkung von Forschungsstrukturen an Universitäten" der Carl-Zeiss-Stiftung.

Ob Krebs, Alzheimer oder entzündliche Erkrankungen, weltweit werden hauptsächlich chemische Wirkstoffe zur Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten eingesetzt. Naturstoffe aus Pilzen oder marinen Schwämmen als Quelle möglicher neuer Wirkstoffe haben im Vergleich zu rein synthetisch hergestellten Substanzen aber einen entscheidenden Vorteil: Die Evolution hat die Stoffe in lebenden Organismen bereits vorgetestet.

Die ChemBioMed-Initiative zielt nun darauf ab, eine Forschungskette zu entwickeln, die bei der Gewinnung von Naturstoffen beginnt und über deren Strukturaufklärung und Synthese bis hin zur biomedizinischen Anwendung nahtlos ineinander übergeht. "Um diese Herausforderung zu bewältigen, braucht es 'kluge Köpfe' sowie ausgefeilte Technologien. Daher ziehen Mediziner, Chemiker, Biologen und Bioinformatiker in unserem Forschungskonzept an einem Strang", erklärt einer der beiden Verbundkoordinatoren, Prof. Dr. Roland Stauber, von der Hals-, Nasen-, Ohren-Klinik und Poliklinik - Plastische Operationen der Universitätsmedizin Mainz.

Bislang gestaltet sich die Nutzung von Naturstoffen aufgrund ihres komplexen Aufbaus und der zum Teil geringen Verfügbarkeit oft als schwierig. "Durch unsere langjährige Erfahrung mit der Chemie der Naturstoffe sind wir jedoch bestens gerüstet, derartige Hindernisse zu überwinden", so der zweite Verbundkoordinator Prof. Dr. Till Opatz vom Institut für Organische Chemie und Leiter des Naturstoffsynthese-Zentrums der JGU.

Eine zentrale Rolle im Forschungsverbund spielen zudem das Institut für Biotechnologie und Wirkstoff-Forschung (IBWF) sowie die Robotik-Plattform des Mainz Screening Center. "Darauf aufbauend haben wir mit der Einwerbung der Carl-Zeiss-Förderung einen weiteren wichtigen Meilenstein in Richtung Spitzenforschung geschafft", blickt Roland Stauber in die Zukunft.

Das Institut für Biotechnologie und Wirkstoff-Forschung (Forschungspartner im Naturstoff-Zentrum Rheinland-Pfalz - Kompetenzzentrum der integrierten Naturstoff-Forschung), das derzeit in Kaiserslautern angesiedelt ist und an die JGU nach Mainz umziehen wird,  ist ein Forschungsinstitut, das interdisziplinäre, angewandte Forschung und Entwicklung u.a. auf dem Gebiet der Wirkstoffsuche aus natürlichen Quellen betreibt. "Wir bringen insbesondere Kenntnisse und Erfahrungen im Bereich der Wirkstoff-/Naturstoff-Forschung ein und erhoffen uns von der Kooperation bzw. Vernetzung mit den Fachbereichen Biologie, Chemie und Medizin, das wissenschaftliche und wirtschaftliche Potenzial zu erschließen", sagt PD Dr. Eckhard Thines, Institutsleiter des IBWF und ab Oktober Professor für Biotechnologie und Wirkstoff-Forschung am Fachbereich Biologie der JGU.

Für die "Chemische BioMedizin" stellt die JGU somit einen herausragenden Standort dar. Intensive Kontakte und räumliche Nähe zu führenden Pharmafirmen sollen zusätzlich dazu beitragen, Grundlagen- und angewandte, klinisch relevante Forschung besonders effektiv zu verbinden. Die JGU spricht diesem Forschungsfeld ein hohes wissenschaftliches und wirtschaftliches Potenzial zu - vor allem vor dem Hintergrund, dass der Bedarf nach neuen und immer wirkungsvolleren "chemischen Werkzeugen" ungebrochen ist.

"Mit der Förderung durch die Carl-Zeiss-Stiftung wird ein Forschungskonzept von strategischer Bedeutung gestärkt. Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt, den Wissenschaftsstandort Mainz als ein international bedeutendes Zentrum für molekulare Medizin zu etablieren", so der Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Dr. Reinhard Urban.

"Besonders begrüße ich, dass nicht nur die Forscher, sondern auch die Studierenden von der prestigeträchtigen Förderung profitieren werden. Denn dieser zukunftsorientierte Forschungsverbund korrespondiert mit unseren Studiengängen Biomedizinische Chemie, Biomedizin sowie Angewandte Bioinformatik und kann so die frühe Teilhabe der Studierenden an aktuellen Forschungsprojekten und -ergebnissen ermöglichen", betont Prof. Dr. Mechthild Dreyer, Vizepräsidentin für Studium und Lehre der JGU. "Dies unterstützt unser Konzept der forschungsorientierten Lehre, also der Verschränkung von herausragenden Forschungs- und Lehrleistungen als besonderes Profilmerkmal der JGU".