Projekt KIDS-WIN erforscht innovative Möglichkeiten zur individuellen Förderung von Grundschülern

Studie zum nachhaltigen Training fächerübergreifender Kompetenzen / Über 550 neue Notebooks für Mainzer Erstklässler

14.11.2012

"Nicht allein das ABC bringt den Menschen in die Höh'…" – So erkannte schon Wilhelm Busch 1865, dass neben den üblichen schulfachbezogenen Fähigkeiten auch gewisse fachübergreifende Kompetenzen wichtige Schlüsselfaktoren für ein gelingendes Leben sind. Jüngere Forschung hat gezeigt, dass u.a. Konzentrationsvermögen, Motivation, aber auch Geduld und Zielstrebigkeit zu diesen fachübergreifenden Fähigkeiten zählen. Im alltäglichen Schulleben werden diese Fähigkeiten im Unterricht und im generellen Miteinander beiläufig ausgebildet. Neueste Forschungen haben inzwischen empirisch belegen können, dass solche Kompetenzen bei Kindern nicht nur sehr wichtig für den Erfolg in der Schule und im späteren Leben sind, sondern auch ganz gezielt trainierbar sind.

Das Projekt KIDS-WIN soll nun über mehrere Jahre erforschen, wie stark und insbesondere wie nachhaltig diese wichtigen fachübergreifenden Kompetenzen bei Schülern gezielt trainiert werden können. Initiatoren des Vorhabens sind Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und der Universität Zürich, die hierfür mit dem rheinland-pfälzischen Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, der Schulaufsichtsbehörde, der zuständigen Schulrätin  Annette Ernst sowie mit Grundschulen aus dem Raum Mainz zusammenarbeiten. Auf Grundlage aktueller Erkenntnisse der Pädagogik und Entwicklungspsychologie wurden fächerübergreifende Trainingsbausteine entwickelt, die in 12 Mainzer Grundschulen angewendet werden. Hierdurch werden neueste Erkenntnisse zur individuellen Förderung direkt in die Schulen gebracht und kommen einer Vielzahl von Schülern zugute. Die wissenschaftliche Begleitung führt zudem zu vielen wichtigen Erkenntnissen für die Forschung, beispielsweise welche Schüler am stärksten von den Trainingsbausteinen profitieren und über welche Faktoren derartige Zusammenhänge zu erklären sind.

Im Rahmen des Projekts kommt auch eine computerbasierte Trainingssoftware zum Einsatz, mit der die Schüler eigenständig arbeiten. Außerdem nehmen die beteiligten Klassenlehrkräfte an speziellen Fortbildungen teil, um mit den Trainingsmodulen vertraut zu werden und sie in ihren Unterrichtsalltag zu integrieren. "Das Projekt KIDS-WIN erforscht, welche schulischen und persönlichen Kompetenzen durch spezielle fachübergreifende Trainingsbausteine, beispielsweise zur Vermittlung von Selbstregulationsstrategien, nachhaltig gefördert werden können", fasst Prof. Dr. Daniel Schunk, Leiter des Forschungsprojekts und Professor an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, das Vorhaben zusammen. Ein Schwerpunkt liegt dabei zudem auf der individuellen Förderung leistungsschwächerer Schüler, denen die Trainingsbausteine vermutlich in besonderem Maße zugutekommen.

Bei KIDS-WIN handelt es sich um eines der größten Forschungsprojekte, die jemals zu dieser Thematik durchgeführt wurden. Die von den Wissenschaftlern aus Mainz und Zürich für dieses Projekt international eingeworbenen Forschungsfördergelder kommen zum großen Teil den Erstklässlern direkt zugute: Jede der 31 Schulklassen, die in das Projekt einbezogen werden, erhält neueste Notebooks, Kopfhörer und Mäuse, die in stabilen Notebookkoffern gelagert, transportiert und aufgeladen werden können. Außerdem werden für die Dauer des Forschungsprojekts zusätzliche, speziell geschulte Fachkräfte in den Unterricht einbezogen. Die Computer sind Teil des Trainingsprogramms, können aber auch sonst zur Arbeit im Unterricht eingesetzt werden und verbleiben nach Abschluss des Projekts an den Schulen. Die teilnehmenden Mainzer Grundschulen erhalten durch das Forschungsprojekt somit eine hervorragende Infrastruktur an Computern, um auch nach der Studie die Schüler individuell fördern und innerhalb einer Lerngruppe stärker differenzieren zu können. Gleichzeitig wird durch diese Ausstattung eine zeitgemäße Ausbildung von Medienkompetenz der Mainzer Schüler ermöglicht.

Nicht zuletzt durch die Mitarbeit vieler Wissenschaftler und speziell geschulter Fachkräfte sowie der über 550 neuen Notebooks profitieren die beteiligten Grundschulen in ganz besonderem Maße von diesem Projekt. "In die Entwicklung von Fähigkeiten der jungen Generation zu investieren, ist eine zentrale Voraussetzung für eine gerechte Gesellschaft mit sozialem, kulturellem und wirtschaftlichem Wohlstand", so Projektleiter Schunk. Von Seiten der Schulen in Mainz bestand sehr großes Interesse an der Teilnahme. Aufgrund der sehr positiven Resonanz denken die Forscher bereits über konkrete Anschlussprojekte nach.