Fluglärmmessstation auf dem Gelände der Universitätsmedizin Mainz liefert erste Ergebnisse

Fluglärmbelastung mit Höchstwerten von 76 dB(A) nachgewiesen

15.08.2013

Die Fluglärmbelastung über der Universitätsmedizin Mainz und dem angrenzenden Gelände ist sowohl tagsüber als auch nachts hoch: Daten der dort aufgestellten Fluglärmmessstation zeigen Höchstwerte von 76 dB(A). Nach den WHO Night Noise Guidelines for Europe sind bei Außen-Mittelungspegeln ab 40 dB(A) in der Nacht schädliche Gesundheitseffekte messbar. Diese und andere Messwerte hat heute das Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz gemeinsam mit dem stellvertretenden Medizinischen Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Karl Lackner, und Prof. Dr. Thomas Münzel, Direktor der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik, vorgestellt.

Seit Februar 2013 zeichnet eine Fluglärmmessstation des Landesamts für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht auf dem Gelände der Universitätsmedizin Mainz Daten zur Fluglärmbelastung auf. Die Messergebnisse für die Monate Februar, März und April 2013 weisen durchschnittlich rund 4.300 Fluglärmereignisse im Monat auf. Der maximale Spitzenwert wurde am 27. April 2013 zwischen 5 und 6 Uhr morgens gemessen: 76,5 dB(A). In der Regel lagen die Maximalpegel der Überflüge zwischen 60 und 65 dB(A). Diese Werte wurden überwiegend in Zeiten der Tages- und Nachtrandzonen sowie in den Nachmittagsstunden zwischen 15 und 17 Uhr gemessen. Besonders hohe Maximalpegel und damit sehr laute Fluglärmereignisse registrierte die Fluglärmmessstation häufig in den Morgenstunden zwischen 5 und 8 Uhr. Unterschiede zwischen den gemessenen Werten ergaben sich auch durch die verschiedenen Windrichtungen und die entsprechenden Flugrouten. Die Pegel der einzelnen Tage wiesen ein Differenzspektrum von 34-53 dB(A) bei West- und 45-54 dB(A) bei Ostbetriebsrichtung auf. Die Mittelungspegel der einzelnen Nächte lagen bei Westbetriebsrichtung zwischen 19 und 46 dB(A) und bei Ostbetriebsrichtung zwischen 37 und 45 dB(A).

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt in den Community Noise Guidelines für Krankenhäuser die Einhaltung eines Mittelungspegels tagsüber und in den Abendstunden von 30 dB(A) im Innenraum, entsprechend außen 45 dB(A). "Tatsächlich stellen wir fest, dass die WHO-Empfehlungen für zumutbare Lärmbelastungen an zahlreichen Tagen überschritten werden. Nach Weisenau und Laubenheim ist der Standort Universitätsmedizin Mainz hinsichtlich der Fluggeräuschpegel die am drittstärksten belastete Station der Messstationen des Landes", so Dr.-Ing. Stefan Hill, Präsident des Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz. Er weist darauf hin, dass die Anzahl der Flugbewegungen im März 2013 bei 5.026 Ereignissen lagen. An Tagen mit Ostwetterlage bedeute dies einen Überflug alle zwei bis drei Minuten.

Kardiologe Prof. Dr. Thomas Münzel, Direktor der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz, betont: "Wir müssen davon ausgehen, dass Patienten, die unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden oder bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben, durch diese sehr hohen Lärmpegel, die auf dem Gelände der Universitätsmedizin gemessen wurden, zusätzlich gefährdet werden. Insbesondere die hohen Lärmpegel in den Randstunden von 22-23 Uhr und 5-6 Uhr bereiten mir Sorgen, da in diesen Zeiten typischerweise gehäuft Herzinfarkte und Schlaganfälle auftreten."

Der stellvertretende Medizinische Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Karl Lackner, kommentiert die Daten so: "Die Universitätsmedizin Mainz ist in erster Linie dem Wohl ihrer Patienten verpflichtet. Gerade für schwerkranke Patienten aller Altersgruppen ist erwiesen, dass Lärmbelastungen der Genesung abträglich sind. Aus diesem Grund fordern wir mit Nachdruck eine deutliche Entlastung des Geländes der Universitätsmedizin mit allen Kliniken in Mainz und erwarten im Hinblick auf die beunruhigenden aktuellen Messergebnisse, dass alle Möglichkeiten zum aktiven Schallschutz genutzt werden – insbesondere zu den sensiblen Zeiten."