Brennpunkt Mainzer City – Langzeitstudie zur Entwicklung der Innenstadt 2007

Teil I: Rückverlagerung der Passantenströme in der Mainzer Innenstadt zum Brand-Zentrum

02.07.2007

Bei der Verteilung des Passantenverkehrs in der City von Mainz nahm das Einkaufszentrum Am Brand im Jahr 2003 noch mit weitem Abstand die Spitzenposition ein. Nach dem Umzug von Sinn-Leffers und dem folgenden Umbau brach jedoch der Passantenstrom am Brand dramatisch ein. Während 2005 die Besucherzahlen in der gesamten Innenstadt um durchschnittlich 18 Prozent zunahmen, wies das Brand-Zentrum einen Rückgang um 29 Prozent auf. Dieser Einbruch ist inzwischen überwunden. Die Passantenzahlen haben im Bereich des neu gestalteten Brand-Zentrums um den Rekordwert von 55 Prozent zugenommen. Das entspricht einem Anstieg um 10 Prozent gegenüber den Besucherzahlen vor Beginn der Umbaumaßnahmen im Jahre 2003: Diese Investition hat sich offensichtlich gelohnt und zu einem deutlichen Attraktivitätsgewinn geführt.

Dies zeigen Vergleichsuntersuchungen des Geographischen Instituts, die an einem Donnerstag im Juni 2003 sowie im Mai 2005 und 2007 durchgeführt wurden. Unter Leitung von Prof. Günter Meyer zählten Studierende zwischen 9 und 19 Uhr die Passanten an 41 Standorten in der Mainzer City. Die Untersuchungen wurden durch weitere stichprobenartige Zählungen ergänzt.

Die im Frühjahr 2003 eröffnete Römerpassage hatte als neue Attraktion im Stadtzentrum bis 2005 maßgeblich zur Verlagerungen des Fußgängerstroms beigetragen und hatte davon auch am stärksten profitiert. So waren dort die Passantenzahlen um 44 Prozent in die Höhe geschnellt. Die aktuellen Untersuchungen zeigen jedoch, dass der jüngste Attraktivitätsgewinn am Brand zu einer Abwanderung der Passanten aus fast dem gesamten westlichen Teil der City geführt hat. Römerpassage und Stadthausstraße verzeichnen einen Rückgang um je 11 Prozent. Im Bereich von Umbach und südlicher Großen Bleiche liegt die Abnahme bei 15 bzw. 16 Prozent und erreicht nördlich des Neubrunnen-Platzes in der Großen Bleiche sogar ein Minus von 23 Prozent.

Schrumpfende Passantenwerte weisen auch Höfchen (minus 27 Prozent), Gutenberg-Platz (minus 10 Prozent bzw. minus 16 Prozent), südliche Schöfferstraße (minus 10 Prozent), Leichhof (minus 5 Prozent) und südliche Augustinerstraße auf (minus 19 Prozent).

Dagegen zählen die Seppel-Glückert-Passage (plus 29 Prozent) und die Fuststraße (plus 28 Prozent) ebenso zu den Gewinnern wie der westliche Bereich der Ludwigstraße (plus 19 bzw. plus 20 Prozent). Nachdem im Jahre 2005 Kirschgarten und Gaustraße noch zu den Problemgebieten mit einem starken Passantenrückgang gehörten, ist dort jetzt erfreulicherweise ein deutlicher Anstieg um 24 bzw. 22 Prozent zu beobachten - allerdings auf einem sehr niedrigen Ausgangsniveau, sodass nur 12 bzw. 14 Prozent des am Kardinal-Volk-Platz gemessenen Höchstwertes erreicht werden.

Im Vergleich zu diesem als 100 Prozent gesetzten Maximalwert nimmt unter den drei Polen des Mainzer Geschäftzentrums der Brand mit 78 Prozent die führende Position ein, gefolgt von der Ludwigstraße in Höhe des Haupteingangs von Karstadt mit 73 Prozent und der Römerpassage mit 70 Prozent.

Während der Passantenzählungen am 31. Mai 2007 wurden zwischen 9 Uhr und 19 Uhr am Kardinal-Volk-Platz rund 31.500 Fußgänger registriert. Dieser Wert erreicht fast die Top-Lage in der City von Wiesbaden, wo in der Kirchgasse gleichzeitig rund 33.200 Passanten gezählt wurden. Vergleicht man die aktuellen Daten mit der Situation 2003, als in der Mainzer Spitzenlage am Brand nur rund 23.300 Fußgänger erfasst wurden, während sich in Wiesbaden in der Kirchgasse 38.800 Passanten drängten, dann wird deutlich, wie kräftig die Mainzer City aufgeholt hat. Der Vorsprung der Wiesbadener Top-Lage ist innerhalb dieser vier Jahre von 15.500 auf nur noch 1700 Passanten geschrumpft. Im Wettbewerb mit der hessischen Nachbarstadt konnte die Mainzer City damit ihre Position erheblich verbessern.