Karl-Ludwig Kratz mit Bethe-Preis der American Physical Society ausgezeichnet

Mainzer Kernchemiker erhält Auszeichnung für Arbeiten auf dem Gebiet der nuklearen Astrophysik

14.11.2013

Prof. em. Dr. Karl-Ludwig Kratz ist mit dem Hans A. Bethe Prize 2014 der American Physical Society (APS) ausgezeichnet worden. Der Preis wird für herausragende theoretische oder experimentelle Arbeiten oder Beobachtungen auf den Gebieten Astrophysik, Kernphysik, nukleare Astrophysik oder nahe verwandten Forschungsfeldern vergeben, die im Sinne Hans A. Bethes ein fächerübergreifendes wissenschaftliches Interesse dokumentieren. Kratz erhielt die Auszeichnung für seine bahnbrechende und visionäre Arbeit, mit der er zur Entwicklung eines zusammenhängenden Bildes des r-Prozesses beigetragen hat. Dazu hat er neue experimentelle Techniken für das Studium des Zerfalls von instabilen Kernen entwickelt und deren Ergebnisse mit Beobachtungen von Astronomen, Modellen von Astrophysikern und Kerntheoretikern sowie kosmochemischen Analysen von Meteoriten verknüpft.

Kratz studierte Chemie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Anschließend wendete er sich der Kernchemie und Forschungen am Mainzer TRIGA-Reaktor zu und promovierte 1972 auf diesem Gebiet. Es folgten die Habilitation im Jahr 1979 und im Folgejahr die Berufung zum Universitätsprofessor an der JGU. Von 2003-2008 war er Direktor des Helmholtz Virtuellen Instituts für Struktur der Kerne und Astrophysik (VISTARS). Zu seinen Forschungsinteressen gehörten Experimente an verschiedenen internationalen Reaktor- und Beschleunigeranlagen wie dem Institut Laue-Langevin in Grenoble, Frankreich, sowie am Genfer Forschungszentrum CERN in der Schweiz, um Isotope zu untersuchen, die für den astrophysikalischen r-Prozess relevant sind. Hierbei handelt es sich um einen in explodierenden Sternen ablaufenden Prozess zur Bildung von Atomkernen, wobei durch einen hohen Neutronenfluss extrem neutronenreiche Nuklide entstehen. Im Bereich der Geo- und Kosmochemie arbeitete Kratz eng mit den Wissenschaftlern Prof. Dr. Günter Lugmair und Dr. habil. Ulrich Ott vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz zusammen. Gemeinsam mit seinem langjährigen Kollegen Ott organisiert Kratz das Seminar für Kern- und Kosmochemie, an dem sich seit letztem Jahr auch Prof. Dr. Gerd Schönhense vom Institut für Physik der JGU beteiligt.

Kratz ist außerordentlicher Professor an der University of Notre Dame, Indiana, USA, Mitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und der Astronomischen Gesellschaft sowie der Freunde der Universität Mainz e.V. Im Jahr 1999 wurde er mit dem Glenn T. Seaborg Award der American Chemical Society und 2004 mit dem GENCO Award der GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH ausgezeichnet. Im Jahr 2006 ehrte ihn die United Star Foundation Ltd., indem sie den metallarmen Halo-Stern BD+17°3248 "Karl-Ludwig Kratz Stern" benannte.