Brennpunkt Mainzer City – Langzeitstudie zur Entwicklung der Innenstadt 2013

Teil IV : Attraktivität der Mainzer Innenstadt im Vergleich zu Wiesbaden

16.12.2013

Das Geographische Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) führt seit 2003 eine Langzeitstudie zur Entwicklung der Stadtzentren von Mainz und Wiesbaden durch. Im Abstand von zwei Jahren befragen Geographiestudierende unter Leitung von Prof. Dr. Günter Meyer in der Mainzer und Wiesbadener City jeweils mehr als 2.000 Passanten nach ihrem Einkaufsverhalten und ihrer Beurteilung der beiden Innenstädte. Im Mai 2013 fand diese Untersuchung zum sechsten Mal in Zusammenarbeit mit dem Amt für Stadtentwicklung statt. In der Mainzer und Wiesbadener City wurden die Passanten u.a. gefragt, wie attraktiv sie die Innenstadt der beiden benachbarten Landeshauptstädte finden.

Höhere Attraktivität der Mainzer Innenstadt bei vor Ort Befragten

Bei der aktuellen Studie fällt das Urteil über die Attraktivität der beiden Innenstädte aus Sicht der jeweils vor Ort Befragten für Mainz deutlich besser aus als für die Nachbarstadt. 87 Prozent empfinden die Innenstadt in Mainz als "attraktiv" oder "sehr attraktiv". Zum gleichen Urteil über das Zentrum von Wiesbaden gelangen nur 78 Prozent der dort Interviewten. Die Attraktivität der Wiesbadener Innenstadt bleibt damit um 9 Prozentpunkte hinter dem Mainzer Stadtzentrum zurück.

Aus Sicht der Nachbarstadt schneidet Wiesbaden besser ab

Die Meinung der Passanten über das Zentrum in der jeweiligen Nachbarstadt fällt in beiden Landeshauptstädten weniger positiv aus als bei den vor Ort Befragten. Nur 71 Prozent der in Wiesbaden interviewten Besucher des Stadtzentrums empfinden die Mainzer Innenstadt als "attraktiv" oder "sehr attraktiv". Die gleiche Ansicht über die Wiesbadener Innenstadt vertreten 72 Prozent der in Mainz befragten Passanten. Anders als bei den vor Ort Befragten, bei denen Mainz als deutlich attraktiver erscheint, schneidet Wiesbaden hier bei der Außensicht etwas positiver ab.

Attraktivitätssteigerung und -stagnation der Mainzer Innenstadt

Während der zehnjährigen Untersuchungsreihe ist die Attraktivität der Mainzer Innenstadt zunächst gewachsen. Der Anteil der in Mainz Befragten, von denen die Innenstadt als "attraktiv" oder "sehr attraktiv" empfunden wird, ist zwischen 2003 und 2005 von 79 auf 87 Prozent gestiegen. Die zunehmende Attraktivität war vor allem bedingt durch den Ausbau der "City-Meile" und die Errichtung der Römerpassage. Der anschließende Umbau des Einkaufszentrums Am Brand hat den positiven Trend noch verstärkt. Diese Entwicklung findet auch ihren Niederschlag in der Abnahme der Passanten in Mainz, von denen die Innenstadt als "wenig attraktiv" oder "unattraktiv" eingestuft wird. Deren Anteil hat sich fast halbiert und ist zwischen 2003 und 2007 von 20 auf 11 Prozent geschrumpft. Danach ist aus Sicht der Mainzer Passanten eine weitgehende Stagnation auf hohem Niveau mit Attraktivitätswerten zwischen 86 und 88 Prozent festzustellen.

Attraktivitätsverlust der Mainzer Innenstadt aus Wiesbadener Sicht

Bei den ersten Untersuchungen ist aufgrund der Maßnahmen zur Aufwertung der Mainzer City zwar auch bei den in Wiesbaden Befragten eine leichte Attraktivitätssteigerung in ihrer Einschätzung der Mainzer Innenstadt festzustellen. Doch dann sinken die Attraktivitätswerte. Stuften 2007 noch 82 Prozent der Wiesbadener Passanten die Mainzer Innenstadt als attraktiv ein, so sind bei der jüngsten Erhebung nur noch 71 Prozent dieser Meinung. Zugleich ist der Anteil der in Wiesbaden Befragten, von denen die Innenstadt in Mainz als "wenig attraktiv" oder "unattraktiv" charakterisiert wird, von 18 auf 29 Prozent gestiegen.

Zunächst Abnahme, dann anhaltende Attraktivitätssteigerung in Wiesbaden

Zwischen 2003 und 2005 sanken die Attraktivitätswerte für die Wiesbadener Innenstadt leicht. Dies war vor allem bedingt durch die ausgedehnten Bauarbeiten in den Hauptgeschäftsstraßen im Zusammenhang mit den baulichen Maßnahmen zur Aufwertung der Fußgängerzone. Nach Abschluss der Baumaßnahmen und verstärkt durch die Eröffnung des Einkaufszentrums LuisenForum ist jedoch eine kontinuierliche Attraktivitätsverbesserung in der Wiesbadener Innenstadt festzustellen. Zwischen 2005 und 2013 stieg der Anteil der vor Ort Befragten, von denen die Innenstadt als "attraktiv" oder "sehr attraktiv" empfunden wird, von 59 auf 78 Prozent. Dementsprechend hat sich die Quote der Wiesbadener Passanten, von denen die Innenstadt als "wenig attraktiv" oder "unattraktiv" beurteilt wird, nahezu halbiert und ist von 41 auf 22 Prozent gesunken. Dieser positive Trend ist auch bei der Befragung der Mainzer City-Besucher festzustellen. Deren Ergebnisse belegen ebenfalls eine erhebliche Attraktivitätssteigerung der Innenstadt in Wiesbaden.

Fazit: Aufwertung der Mainzer Innenstadt umgehend beginnen

Noch beurteilen die jeweils vor Ort interviewten City-Besucher die Attraktivität der Mainzer Innenstadt zwar positiver als das Stadtzentrum in Wiesbaden. Doch während die Attraktivitätswerte in Wiesbaden kontinuierlich steigen, stagnieren sie in Mainz. Aus Sicht der Passanten in Wiesbaden ist sogar ein Attraktivitätsverlust der Mainzer Innenstadt festzustellen. Diese Ergebnisse entsprechen in ihrem Entwicklungstrend anderen Resultaten der Langzeitstudie, wonach die Benotung des innerstädtischen Einzelhandelsangebots in Wiesbaden nicht nur aufgeholt hat, sondern inzwischen die Mainzer City bereits übertrifft. Auch angesichts zunehmender Einkäufe in Frankfurt sowie wachsender Konkurrenz für den innenstädtischen Einzelhandel durch die "Grüne Wiese" und den Internethandel ist es dringlicher denn je, die Attraktivität der Mainzer Innenstadt nachhaltig zu stärken.