Brennpunkt Mainzer City – Langzeitstudie zur Entwicklung der Innenstadt 2013

Teil V: Parken in Mainz und Wiesbaden – (k)eine reine Freude?

13.01.2014

Das Geographische Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) führt seit 2003 eine Langzeitstudie zur Entwicklung der Stadtzentren von Mainz und Wiesbaden durch. Im Abstand von zwei Jahren befragen Geographiestudierende unter Leitung von Prof. Dr. Günter Meyer in der Mainzer und Wiesbadener City jeweils mehr als 2.000 Passanten nach ihrem Einkaufsverhalten und ihrer Beurteilung der beiden Innenstädte. Im Mai 2013 fand diese Untersuchung zum sechsten Mal in Zusammenarbeit mit dem Amt für Stadtentwicklung statt. In der Mainzer und Wiesbadener City wurden die Passanten u.a. nach ihrer Meinung über die Parksituation in der jeweiligen Innenstadt gefragt. Auch 297 Einzelhändler im Mainzer Stadtzentrum wurden zu diesem Thema interviewt.

Beurteilung der Parkmöglichkeiten

Während des 10-jährigen Untersuchungszeitraums wurde den Passanten in den beiden Stadtzentren bei allen Erhebungen die Frage gestellt: "Wie beurteilen Sie das Angebot an Parkmöglichkeiten in der Innenstadt von Mainz/Wiesbaden? Als ausreichend, etwas zu gering oder viel zu gering?"

 

Parkmöglichkeiten
in der Innenstadt sind ...

Mainz
(in % der befragten Passanten)

Wiesbaden
(in % der befragten Passanten

 

2003

2005

2007

2009

2011

2013

2003

2005

2007

2009

2011

2013

ausreichend

37

43

42

40

42

34

42

44

50

51

51

51

etwas zu gering

28

26

28

28

26

32

24

28

25

26

22

27

viel zu gering

35

31

30

32

32

34

34

28

25

22

27

22

Tabelle 1: Beurteilung der Parkmöglichkeiten in der Innenstadt durch Passanten in den Hauptgeschäftsstraßen von Mainz und Wiesbaden

 

Die Beurteilung der Parksituation in der Innenstadt fällt bei den in Wiesbaden Interviewten in allen Umfragen besser aus als bei den Vergleichserhebungen in Mainz (Tabelle 1). Bei der jüngsten Untersuchung stuften nur 34 Prozent der in Mainz Befragten die hiesigen Parkmöglichkeiten als "ausreichend" ein. Das bedeutet eine Verschlechterung um 8 Prozentpunkte gegenüber den Ergebnissen von 2011. Dagegen halten in Wiesbaden sogar 51 Prozent der Passanten die dortigen Parkmöglichkeiten für ausreichend. Diese positive Einschätzung ist während der letzten drei Erhebungen unverändert geblieben.

Als "etwas zu gering" charakterisieren 32 Prozent der in Mainz und 27 Prozent der in Wiesbaden erfassten Personen die jeweiligen Parkmöglichkeiten. 34 Prozent der Mainzer bzw. 22 Prozent der Wiesbadener Passanten bezeichnen die Parkverhältnisse am Befragungsort als "viel zu gering".

Positivere Beurteilung der Parksituation durch Auswärtige

Erhebliche Unterschiede sind bei der Einschätzung der Parksituation auch zwischen den einheimischen und auswärtigen Innenstadtbesuchern in Mainz festzustellen. Nur 27 Prozent der in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Wohnenden halten die Parkmöglichkeiten im Stadtzentrum für ausreichend. Mit 44 Prozent ist der Anteil der außerhalb von Mainz wohnenden Passanten wesentlich höher, die der gleichen Meinung sind. Deutlich geringer fallen dagegen die Unterschiede in Wiesbaden aus. Hier beurteilen 48 Prozent der einheimischen und 57 Prozent der auswärtigen City-Besucher die Parkmöglichkeiten als ausreichend.

Die meisten Autofahrer finden gleich einen freien Parkplatz

Entgegen der schlechten Beurteilung der Parkmöglichkeiten vor allem in Mainz haben bei der letzten Erhebung 82 Prozent bzw. 85 Prozent der Innenstadtbesucher, die mit dem Pkw ins Stadtzentrum gefahren sind, sowohl in Mainz als auch in Wiesbaden sofort einen freien Parkplatz gefunden. Dabei lassen sich in Wiesbaden kaum Unterschiede nach Wochentagen festzustellen. In Mainz ist dagegen an Werktagen die Parkplatzsuche schwieriger als am Wochenende. So fanden hier am Donnerstag und Freitag nur 77 Prozent sofort einen freien Parkplatz, während dies am Samstag sogar auf 90 Prozent der Autofahrer zutraf.

Insgesamt hatten in Mainz 8 Prozent der Pkw-Nutzer gewartet bis ein Parkplatz frei wurde, 7 Prozent hatten vorher vergeblich an ein bis zwei Stellen nach einem Parkplatz gesucht und nur 3 Prozent mussten länger suchen. Bei der Dauer der Parkplatzsuche hat sich in beiden Städten während des 10-jährigen Untersuchungszeitraums kaum etwas geändert.

90 Prozent der Innenstadtbesucher halten Parkgebühren in Mainz für zu hoch

In den beiden Landeshauptstädten wurden die Passanten auch gefragt: "Wie beurteilen Sie die Parkgebühren in der Innenstadt von Mainz/Wiesbaden? Als angemessen, etwas zu hoch oder viel zu hoch?"

 

Parkgebühren in der
Innenstadt sind ...

Mainz
(in % der befragten Passanten)

Wiesbaden
(in % der befragten Passanten

 

2003

2005

2007

2009

2011

2013

2003

2005

2007

2009

2011

2013

angemessen

13

20

12

11

11

10

16

17

15

18

21

19

etwas zu hoch

32

37

30

29

24

32

32

38

34

36

39

39

viel zu hoch

55

43

58

60

65

58

52

45

51

46

40

42

Tabelle 2: Beurteilung der Parkgebühren in den Innenstädten von Mainz und Wiesbaden

 

Es kann kaum überraschen, dass die Parkgebühren in der Mainzer City generell als zu hoch angesehen werden. Bemerkungswert ist jedoch, dass die Beurteilung der Kosten für das Parken in Mainz bei der letzten Untersuchung einen Negativrekord erreicht hat. Hielten 2005 noch 20 Prozent der Innenstadtbesucher in Mainz die hiesigen Parkgebühren für angemessen, so hat sich dieser Anteil mittlerweile auf 10 Prozent halbiert. Dementsprechend sind 90 Prozent der City-Besucher der Ansicht, dass die Parkgebühren zu hoch sind. Davon meinen 32 Prozent, die Gebühren seien "etwas zu hoch". Mit einem Anteil von 58 Prozent beurteilt sogar mehr als Hälfte der Innenstadtbesucher die Parkgebühren als "viel zu hoch".

Wesentlich positiver fällt das Urteil über die Höhe der Parkgebühren in Wiesbaden aus. Dort sind mit 19 Prozent fast doppelt so viele Innenstadtbesucher der Meinung, dass die finanziellen Aufwendungen für das Parken angemessen sind. 39 Prozent halten die Parkgebühren für "etwas zu hoch". Nur 42 Prozent – also 16 Prozentpunkte weniger als in Mainz – beurteilen die Kosten für das Parken als "viel zu hoch".

Angesichts der geringen Distanz zwischen den beiden Stadtzentren ist anzunehmen, dass die schlechtere Beurteilung sowohl der Parkgebühren als auch der Parkmöglichkeiten in der Mainzer City einen Wettbewerbsnachteil für die hiesige Innenstadt darstellt.

Parkgebühren als gravierendes Problem für Innenstadtbesucher?

Nachdem 90 Prozent der Passanten die Parkgebühren in der Mainzer City für etwas oder viel zu hoch halten, stellt sich die Frage, für wie gravierend die Innenstadtbesucher dieses Problem tatsächlich ansehen. Einen Hinweis darauf liefern die Antworten auf die Frage "Was stört Sie am meisten in der Mainzer Innenstadt?". Über zu hohe Parkgebühren klagen nur 3 Prozent der Innenstadtbesucher. Berücksichtigt man alle Antworten, in denen die Parksituation als Störfaktor in der City genannt wird, so erhöht sich der Anteil auf insgesamt 9 Prozent.

Auch bei der Frage "Was sollte Ihrer Ansicht nach als Wichtigstes getan werden, damit die Mainzer Innenstadt für Sie persönlich noch attraktiver wird?", wünschen sich nur 5 Prozent eine Senkung der Parkgebühren oder kostenlose Kurzparkplätze. Fasst man alle Antworten zusammen, die sich auf die Forderung nach einer Verbesserung der Parksituation in der Mainzer Innenstadt beziehen, so steigt der Anteil auf insgesamt 10 Prozent der Passanten, die hier den vordringlichsten Handlungsbedarf sehen.

Beurteilung der Parkplatzsituation durch Mainzer Einzelhändler

Im Mai 2013 wurden im Rahmen der Studie auch 297 Einzelhändler in der Mainzer City danach befragt, worin sie die Hauptprobleme für ihre gegenwärtige Geschäftsentwicklung sähen. 16 Prozent der Geschäftsleiter gaben zu teure Parkplätze als eines ihrer Hauptprobleme an. Fehlende Parkplätze nannten 13 Prozent der Betriebsleiter als gravierendes Problem für die Entwicklung ihres Geschäfts.

Auf die Frage "Was sollte Ihrer Meinung nach als Wichtigstes getan werden, um die Attraktivität der Mainzer Innenstadt insgesamt zu erhöhen?" forderten sogar 36 Prozent eine Senkung der Parkgebühren. 27 Prozent der Einzelhändler sprachen sich für eine generelle Verbesserung der Parksituation aus.

Fazit: Pro und Kontra Senkung der Parkgebühren

Wenn mehr als zwei Drittel der Passanten die Parkmöglichkeiten in der Mainzer Innenstadt für zu gering halten, ist anzunehmen, dass eine solche Einschätzung die Attraktivität der City beeinträchtigt. Dieser subjektiven Wahrnehmung eines unzureichenden Angebots an Parkplätzen steht jedoch entgegen, dass die innerstädtischen Parkhäuser nur extrem selten vollständig belegt sind. Wenn außerdem durchschnittlich 82 Prozent und am Samstag sogar 90 Prozent der Pkw-Nutzer sofort und die restlichen Autofahrer wenig später einen freien Parkplatz finden, wird deutlich, wie weit die negative Wahrnehmung der City-Besucher und die objektiven Gegebenheiten eines insgesamt ausreichenden Parkplatzangebots auseinanderklaffen.

Immer wieder werden in Leserbriefen die zu hohen Parkgebühren in Mainz angeprangert. Ebenso beklagen sich Kunden bei den Einzelhändlern in der City über die Parkgebühren und darüber, dass sie nicht in der Nähe des Geschäfts parken können. Wenn neun von zehn Passanten die Kosten für das Parken als überhöht empfinden, unterstreicht das ebenfalls die Problematik der Parkgebühren. Die Relevanz solcher Beurteilungen der Parkkosten für die Attraktivität der Innenstadt schrumpft jedoch erheblich, wenn als Antwort auf die offene Frage nach den bedeutendsten Störfaktoren im Stadtzentrum von hundert Passanten nur drei die hohen Parkgebühren als besonders störend empfinden. Ähnliches gilt für die 5 Prozent der City-Besucher, die in einer Senkung der Parkkosten die wichtigste Möglichkeit zur Attraktivitätssteigerung der Innenstadt sehen.

Einerseits sind die Wünsche nach einer Senkung der Parkgebühren und einer generellen Verbesserung der Parksituation aus der Sicht des Einzelhandels durchaus berechtigt. Andererseits lässt sich jedoch aus den Ergebnissen der Passantenbefragungen kein zwingend notwendiger Handlungsbedarf hinsichtlich einer Reduzierung der Parkgebühren etwa in den städtischen PMG-Parkhäusern ableiten. Dies gilt insbesondere angesichts hoher Kosten für Sanierungsmaßnahmen wie kürzlich am Parkhaus Schillerplatz. Außerdem ist gegenwärtig in City-Lagen anderer Städte eine teils drastische Verteuerung der Parkgebühren festzustellen. So wurden beispielsweise in der Frankfurter Innenstadt die Parkgebühren zu Jahresbeginn um bis zu 50 Prozent angehoben. Von einem solchen Schritt ist in Mainz angesichts der niedrigeren Parkgebühren in Wiesbaden allerdings dringend abzuraten.