Brennpunkt Mainzer City – Langzeitstudie zur Entwicklung der Innenstadt 2013

Teil VII: Wünsche zur Attraktivitätssteigerung der Innenstädte von Mainz und Wiesbaden

27.01.2014

Das Geographische Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) führt seit 2003 eine Langzeitstudie zur Entwicklung der Stadtzentren von Mainz und Wiesbaden durch. Im Abstand von zwei Jahren befragen Geographiestudierende unter Leitung von Prof. Dr. Günter Meyer in der Mainzer und Wiesbadener City jeweils mehr als 2.000 Passanten nach ihrem Einkaufsverhalten und ihrer Beurteilung der beiden Innenstädte. Im Mai 2013 fand diese Untersuchung in Zusammenarbeit mit dem Amt für Stadtentwicklung zum sechsten Mal statt.

In der Mainzer und Wiesbadener City wurden die Passanten u.a. gefragt: "Was sollte als Wichtigstes getan werden, damit die Mainzer/Wiesbadener Innenstadt für Sie persönlich noch attraktiver wird?" Die Frage wurde bewusst offen gestellt, d.h. ohne Antwortvorgaben, um so ein breites Spektrum der individuellen Meinungen zu erfassen. In diesem Beitrag werden die Ergebnisse der Befragungen vorgestellt und miteinander verglichen, die jeweils in der Woche nach Pfingsten in den Jahren 2009, 2011 und 2013 von Donnerstag bis Samstag in den beiden Städten durchgeführt wurden.

Was sollte getan werden, damit die Mainzer und Wiesbadener Innenstadt für Passanten attraktiver wird?

In der folgenden Liste beziehen sich die roten Zahlen auf Mainz, die blauen auf Wiesbaden, jeweils in der Reihenfolge der Erhebungsjahre 2013 / 2011 / 2009. Die eingeklammerten Zahlen geben die Prozentanteile der befragten Passanten an, die den betreffenden Wunsch zur Attraktivitätssteigerung der Innenstadt genannt hatten. Aufgeführt sind im Detail nur die Verbesserungsvorschläge, die in den beiden Städten von mindestens einem Prozent der Befragten genannt wurden.

Rang 1/1/1 // 1/1/1: Verbesserung des Einzelhandelangebots (20,1/23,9/24,7 // 15,5/20,5/31,9)

  • Mehr (Fach-)Geschäfte, besonders bei Bekleidung (8,2/9,3/8,9 // 6,0/12,4/13,1)
  • Neues Einkaufszentrum (3,0/4,5/0,8 // 0,1/1,3/0,4
  • Bessere Qualität des Angebots (1,4/3,1/7,0 // 2,1/2,1/1,4)
  • Weniger Filialisten und Kettenläden (1,1/1,2/1,2 // 1,6/2,0/6,9)
  • Einheitliche und längere Öffnungszeiten (0,7/1,5/1,3 // 0,2/0,5/0,2)
  • Keine Ramschläden (0,6/1,5/2,5 // 0,8/1,4/4,4)

Rang 2/2/3 // 5/6/6: Verbesserung der Parksituation (9,9/12,9/10,4 // 4,8/4,4/4,2)

  • Senkung der Parkgebühren (4,8/7,3/3,9 // 1,3/1,2/1,9)
  • Mehr Parkplätze (4,7/4,8/4,1 // 2,6/2,4/1,9)

Rang 3/3/2 // 3/3/2: Stärkere Begrünung, mehr Bäume und Blumen (8,2/10,1/10,7 // 7,1/7,1/8,7)

Rang 4/9/4 // 10/7/7: Attraktivere bauliche Gestaltung (7,4/2,6/6,8 // 2,6/4,1/4,2)

Rang 5/4/5 // 6/8/10: Verbesserung der Verkehrssituation (5,2/7,0/6,0 // 4,4/3,8/3,0)

  • Mehr und bessere Radwege (1,6/1,5/1,5 // 1,5/1,1/0,6)
  • Verkehrsberuhigung der Innenstadt / Fußgängerzone (1,3/2,3/1,5 // 1,2/1,2/1,1)

Rang 6/8/8 // 2/2/3: Erhöhung der Sauberkeit (3,8/3,6/4,2 // 7,2/11,6/6,3)

Rang 7/6/6 // 4/4/4: Verbesserung der Gastronomie (3,6/4,3/5,3 // 5,6/6,1/6,3)

  • Mehr (Straßen-, Eis-)Cafés (1,7/3,0/3,2 // 3,3/3,1/3,3)

Rang 8/7/9 // 7/5/9: Stärkung des Freizeitangebots (3,4/4,0/3,4 // 4,0/5,7/3,2)

  • Mehr Veranstaltungen, Feste, Events (1,6/1,2/1,1 // 1,8/1,5/0,7)
  • Mehr Kinderspielmöglichkeiten und -betreuung (1,5/1,1/1,1 // 1,7/1,8/1,0)

Rang 9/5/7 // 9/10/8: Mehr Sitzmöglichkeiten (2,7/5,3/5,1 // 2,7/3,5/3,7)

Rang 10/10/11 // 8/9/5: Verbesserung der Atmosphäre (2,5/1,9/2,3 // 3,5/3,8/4,6)

  • Mehr Sicherheit, Polizeipräsenz (0,1/0,1/0,4 // 2,1/2,0/1,1)

Rang 11/11/10 // 12/13/13: Verbesserung der City-Struktur (1,4/1,3/2,8 // 0,2/0,7/0,8)

Rang 12/12/12 // 13/14/14: Verbesserung/Ausweitung der Fußgängerzone (0,9/1,2/1,4 // 0,2/0,4/0,3)

Rang 13/13/14 // 11/12/12: Soziale Randgruppen entfernen (0,2/0,4/0,2 // 0,6/1,4/1,0)

Rang 14/13/13 // 14/11/11: Reduzierung der Baustellen (0,1/0,4/1,0 // 0,1/2,5/2,3)

Hauptforderung nach Verbesserung des Einzelhandelsangebots

In Teil VI der Studie konnte bereits gezeigt werden, dass an erster Stelle Mängel im City-Einzelhandel von den Innenstadtbesuchern kritisiert werden. Daraus resultiert, dass die Forderung nach einer Verbesserung des Einzelhandelsangebots mit weitem Abstand vor allen anderen Vorschlägen an der Spitze der Wünsche zur Attraktivitätssteigerung der Innenstadt steht. Jeder fünfte in Mainz interviewte Passant (20,1 Prozent) sieht hier die wichtigste Möglichkeit, das Stadtzentrum attraktiver zu machen. Dies soll insbesondere dadurch erreicht werden, dass mehr neue (Fach-)Geschäfte gerade in der Bekleidungsbranche eröffnet werden (8,2 Prozent). Auch sollte ein Einkaufszentrum gebaut (3,0 Prozent) und durch neue Läden mit hochwertigerem Angebot die Qualität des innerstädtischen Einzelhandels angehoben werden (1,4 Prozent). Bei den weiteren Vorschlägen zur Verbesserung des Einzelhandelsangebots überrascht, dass nur wenige Passanten die Beseitigung von Ramsch- und Billigläden wünschen (0,6 Prozent), obwohl diese Geschäfte zuvor bei den Mängeln des Mainzer City-Einzelhandels am zweithäufigsten kritisiert wurden (4,1 Prozent).

Verbesserung der Parkplatzsituation und mehr Grün auf Rang 2 und 3

Den zweiten Platz unter den Vorschlägen zur Attraktivitätssteigerung der Mainzer Innenstadt nimmt der Wunsch nach Verbesserung der Parkplatzsituation ein (9,9 Prozent). Bemerkenswert ist hier insbesondere die Abnahme der Wünsche nach Senkung der Parkgebühren im Vergleich zur vorhergehenden Untersuchung (von 7,3 Prozent auf 4,8 Prozent). Leicht zurückgegangen ist in den letzten zwei Jahren auch das Verlangen nach einer stärkeren Begrünung, mehr Bäumen und Blumen (von 10,1 Prozent auf 8,2 Prozent). Diese Forderung nach mehr Grün im Stadtzentrum rangiert auf der dritten Position der Wunschliste.

Weitere Vorschläge zur Steigerung der Attraktivität in Mainz

Den vierten Rang nimmt der Wunsch nach einer attraktiveren baulichen Gestaltung der Mainzer Innenstadt ein (7,4 Prozent). Hier werden vor allem die Sanierung und Fassadenverschönungen von Innenstadtgebäuden sowie die Erhaltung und Pflege des historischen Stadtbilds gefordert. Es folgen Wünsche zur Verbesserung der Verkehrssituation (5,2 Prozent), Erhöhung der Sauberkeit (3,8 Prozent) und Verbesserung der Gastronomie (3,6 Prozent). Hier wird mit rückläufiger Tendenz in erster Linie auf den Bedarf an weiteren Straßen- und Eis-Cafés hingewiesen (1,7 Prozent). Das Freizeitangebot in der Innenstadt sollte ebenfalls gestärkt werden (3,4 Prozent) und zwar durch mehr Veranstaltungen, Feste und Events (1,6 Prozent) sowie durch mehr Spielmöglichkeiten und Betreuung für Kinder (1,5 Prozent). Auf Rang 9 folgt gerade von älteren Passanten die Bitte, mehr Bänke im Stadtzentrum aufzustellen (2,7 Prozent).

Unterschiedliche Wünsche zur Attraktivitätssteigerung in Mainz und Wiesbaden

Vergleicht man die Mainzer Ergebnisse mit der Situation in Wiesbaden, so fällt auf, dass dort die Verbesserungswünsche im Einzelhandel während der letzten vier Jahre um mehr als die Hälfte zurückgegangen sind (Abnahme von 31,9 Prozent auf 15,5 Prozent). Dies ist ein klarer Beleg dafür, dass die Innenstadtbesucher positiv auf die beträchtliche Ausweitung der Verkaufsflächen durch das Einkaufszentrum Luisenforum und seit 2011 durch die Dernschen Höfe reagiert haben. Der um fast 5 Prozentpunkte niedrigere Anteil der Wünsche zur Verbesserung des Einzelhandelsangebots weist auch auf eine größere Zufriedenheit der Innenstadtbesucher mit dem dortigen Warenangebot hin als dies in Mainz der Fall ist.

Für Wiesbaden schlägt ebenfalls positiv zu Buche, dass die Verbesserung der Platzplatzsituation (4,8 Prozent) nur halb so häufig gewünscht wird wie in der Nachbarstadt. Auch Wünsche nach einer attraktiveren baulichen Gestaltung der Innenstadt (2,6 Prozent) äußern die City-Besucher in Wiesbaden wesentlich seltener. Vergleichsweise starker Handlungsbedarf besteht dagegen nach Meinung der dort befragten Passanten hinsichtlich der Erhöhung der Sauberkeit in den Hauptgeschäftsstraßen. Diese Forderung wird in Wiesbaden fast doppelt so oft gestellt (7,2 Prozent) wie in Mainz. Auch die Verbesserung der Gastronomie (5,6 Prozent), insbesondere die Eröffnung weiterer Straßen- und Eis-Cafés (3,3 Prozent), wünschen sich in Wiesbaden wesentlich mehr Innenstadtbesucher als in Mainz.