Thomas Metzinger wird Fellow des Gutenberg Forschungskollegs

International renommierter Philosoph wird Verknüpfung von analytischer Philosophie und neurowissenschaftlicher Forschung vorantreiben

02.04.2014

Prof. Dr. Thomas Metzinger, Professor für Theoretische Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), wird neuer Fellow des Gutenberg Forschungskollegs (GFK). Metzinger ist einer der führenden deutschen Philosophen der Gegenwart und ein international renommierter Wissenschaftler auf dem Gebiet der Philosophie des Geistes. Im Zentrum seiner Arbeiten stehen Fragen nach dem Bewusstsein und Selbstbewusstsein des Menschen, wobei er philosophische und neurowissenschaftliche Ansätze zusammenführt. Metzinger ist seit dem Jahr 2000 eine Professur an der JGU inne und leitet hier den Arbeitsbereich Theoretische Philosophie und die Forschungsstelle Neuroethik. "Dank seiner akademischen Brillanz und seiner interdisziplinären Forschungsaktivitäten gehört Thomas Metzinger zu den herausragenden Philosophen unserer Zeit. Seine Arbeiten werden weit über die Grenzen seines Fachs hinaus rezipiert. Wir freuen uns, ihn als neuen Fellow des Gutenberg Forschungskollegs begrüßen zu können", so GFK-Direktor Prof. Dr. Matthias Neubert.

In seinen Arbeiten versucht Metzinger, Erkenntnisse der Hirnforschung mit philosophischen Theorien zu verbinden, um sich den Fragen nach dem Bewusstsein und dem Selbst des Menschen zu nähern. Öffentliche Beachtung fand insbesondere seine Auffassung, dass ein "Selbst" überhaupt nicht existiert, sondern ein Konstrukt des menschlichen Geistes sei – eine Theorie, die er in seinem Buch "Der Ego-Tunnel. Eine neue Philosophie des Selbst" auch für ein breites Publikum dargestellt hat. Er stützt seine Aussagen u.a. auf Ganzkörper-Illusionen, die in Versuchen mit Mitteln der virtuellen Realität hervorgerufen werden konnten. Fachspezifische Veröffentlichungen hierzu wurden u.a. im renommierten Wissenschaftsjournal Science publiziert.

Metzinger hat 1985 an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main über "Neuere Beiträge zur Diskussion des Leib-Seele-Problems" promoviert und 1992 an der Justus-Liebig-Universität Gießen zum Thema "Subjekt und Selbstmodell" habilitiert. Er lehrte und forschte u.a. in Saarbrücken, Bremen, San Diego und Osnabrück, bevor er 2000 den Ruf auf eine Professur für Theoretische Philosophie am Philosophischen Seminar der JGU annahm. Für seine Forschungen wurde er in den letzten Jahren mit Fellowships renommierter Einrichtungen wie des Berliner Wissenschaftskollegs und des Bielefelder Zentrums für interdisziplinäre Forschung sowie mit einer Gastprofessur an der Turiner Scuola di Alta Formazione Filosofica ausgezeichnet. Er ist Gründer und Direktor der MIND-Group am Frankfurt Institute for Advanced Studies, einer Gruppe junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich mit Fragen des Geistes, des Bewusstseins und der Erkenntnis befassen. Im Rahmen des GFK-Fellowship wird Metzinger in den kommenden fünf Jahren die Verknüpfung von analytischer Philosophie und empirischer neurowissenschaftlicher Forschung vorantreiben, wobei Probleme des Bewusstseins und des Selbstbewusstseins weiterhin eine zentrale Stellung einnehmen.