Tanztheaterprojekt für Jugendliche ermöglicht neuen Zugang zu kultureller Bildung

Institut für Sportwissenschaft initiiert Tanztheaterprojekt "Tanz!Tanz! Mainz" mit Schülerinnen und Schülern der Integrierten Gesamtschule Mainz-Bretzenheim

15.05.2014

Zweimal in der Woche proben, tanzen, sich körperlich ausdrücken: Interessierte Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren nehmen in Mainz an einem ungewöhnlichen Tanztheaterprojekt teil, das vom Staatstheater Mainz, der Integrierten Gesamtschule Mainz-Bretzenheim und dem Institut für Sportwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) auf die Beine gestellt worden ist. Sozial benachteiligte und begabte Jugendliche, die bisher an künstlerischen oder kulturellen Angeboten kaum teilgenommen haben, beschäftigen sich intensiv mit modernem Tanz, mit Tanzimprovisation, Action-Theater und Physiodrama. Unter der Leitung von erfahrenen Dozenten erarbeiten die Schülerinnen und Schüler ihr eigenes Tanzprojekt, das auf ihrer eigenen Biographie beruht, und bringen es auf die Bühne des Mainzer Staatstheaters.

Knapp 80 Stunden Arbeit investieren die Jugendlichen in das Projekt, bevor es zur Aufführung kommt. Zur Seite stehen ihnen dabei die Dozenten Ute Faust, Performerin, Choreographin und Theatermacherin aus Mainz, und Richard Weber, Choreograph, Tanzpädagoge und Regisseur. Inhaltlich setzen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projekts mit den Vorstellungen auseinander, was in ihrer Welt als stark, gut, schön, richtig, normal oder bedeutsam gilt. Dies soll in der szenischen Arbeit überprüft und vielleicht auf den Kopf gestellt werden. Die Szenen entwickeln die Jugendlichen selbst, sie werden sowohl aus Bewegungen, Sprache oder auch Gesang bestehen.

Unterstützt werden die Jugendlichen, die kooperierenden Lehrer und das Dozententeam zusätzlich vom Institut für Sportwissenschaft der JGU, das mit seinem Forschungs- und Lehrschwerpunkt in der zeitgenössischen Tanzpädagogik das Projekt insbesondere fachdidaktisch begleitet. "Bei unserem zeitgenössischen Tanzkunstprojekt kommt es auf eine kreative Arbeitsweise und den gesamten Entwicklungsprozess an, an dessen Ende vielleicht eine Collage stehen könnte", erklärt Projektleiterin Dr. Claudia Behrens vom Institut für Sportwissenschaft das Konzept. "Wir gehen nicht produktorientiert vor und legen auch keinen Wert auf klassischen Bühnentanz, sondern sehen die Arbeit als fortlaufenden Prozess, wobei wir uns ein wenig an unserem Vorbild, dem Kinofilm 'Rhythm Is It' orientieren. Ganz einfache Grundbewegungen haben hier genauso ihren Platz wie Hip-Hop oder zeitgenössischer Tanz."

Drei Studierende der Sportwissenschaft begleiten die Jugendlichen als Paten und vermitteln zwischen den Schülern und der Leitung, außerdem dokumentieren sie sozialdynamische Prozesse. Die wissenschaftliche Begleitung und Aufarbeitung wird in die Masterarbeiten der Studierenden eingehen, die später vielleicht als Sportlehrer an einer Schule in Rheinland-Pfalz ähnliche künstlerische Projekte initiieren können. "Wir möchten, dass unser Tanzprojekt auf Nachhaltigkeit angelegt ist und unsere jetzigen Studierenden später einmal als Multiplikatoren die Idee weitertragen. Aber wir hoffen auch, dass mit einer Anschlussförderung im kommenden Jahr eine Neuauflage hier in Mainz ermöglicht wird", so Behrens.

Gefördert wird das Tanztheaterprojekt von ChanceTanz, einem Projekt des Bundesverbands Tanz in Schulen e.V. im Rahmen des Programms "Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).