Transfusionszentrale der Universitätsmedizin Mainz untersucht Blutspenden auch auf West-Nil-Virus

Reaktion auf vermehrtes Auftreten von Infektionen in Europa

08.09.2014

Um den Empfängern von Blutspenden größtmögliche Sicherheit zu bieten, untersucht die Transfusionszentrale der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) alle Blutspenden zusätzlich auf das West-Nil-Virus. Damit reagiert die Transfusionszentrale auf ein zuletzt vermehrtes Auftreten von West-Nil-Virus-Infektionen in Europa. Im schlimmsten Fall kann das Virus zu einer Entzündung des Gehirns, einer sogenannten Enzephalitis, führen, wobei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem potentiell am stärksten gefährdet sind.

"Es ist nicht grundsätzlich auszuschließen, dass sich aufgrund des Klimawandels auch in Deutschland Mücken vermehren können, die das West-Nil-Virus übertragen", so der Direktor der Transfusionszentrale der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Walter Hitzler. In den vergangenen Jahren wurde eine zunehmende Anzahl von West-Nil-Virus-Infektionen beim Menschen im Mittelmeerraum – Israel, Italien, Griechenland und Nordafrika – sowie in Rumänien, Ungarn, Österreich, Russland und einigen zentralasiatischen Staaten gemeldet. Vor diesem Hintergrund testet die Transfusionszentrale alle Blutspender auf die Erbsubstanz des West-Nil-Virus.

Dabei kommt eine Methode der modernen Molekulargenetik, die sogenannte Polymerasekettenreaktion (PCR), zur Anwendung, mit der es möglich ist, die Erbsubstanz (RNA) zu vervielfältigen. Selbst bei geringen Viruskonzentrationen kann dieses Verfahren durch starke Vervielfältigung der RNA eine Infektion nachweisen.

Bis zur Einführung des Tests auf das West-Nil-Virus hatte die Transfusionszentrale im Rahmen der Blutspenderbefragung die Spender nach einem Aufenthalt in einem Risikogebiet befragt. "So ist es allgemein üblich und vom Gesetzgeber vorgeschrieben", erklärt Hitzler. Als Risikogebiet zählt unter anderem Nordamerika. In Europa gab es bislang noch keinen Todesfall infolge einer Infektion mit dem West-Nil-Virus. "Bei Spendern, die sich nach eigenen Angaben kurz vor der Blutspende in einem Risikogebiet auch in Europa aufgehalten haben, hätte das in jedem Fall aber eine Rückstellung nach sich gezogen. Das bedeutet, dieser Personenkreis durfte erst vier Wochen nach der Rückkehr nach Deutschland wieder Blut spenden", bemerkt Hitzler. Durch die Testung ist eine Rückstellung von Spendern nicht erforderlich. Demzufolge bedeutet die Testung auch eine Versorgungssicherheit bei Blutprodukten, denn Spenderblut ist keine unbegrenzte Ressource. "In erster Linie leistet der Test aber einen wichtigen Beitrag zu größtmöglicher Sicherheit bei einer Bluttransfusion", so der Direktor der Transfusionszentrale.

Die Infektion mit dem West-Nil-Virus verläuft bei ca. 80 Prozent der Patienten symptomlos. "Wer über ein intaktes Immunsystem verfügt, für den ist die Infektion, in der Regel harmlos. Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem hingegen, beispielsweise Leukämiepatienten, kann eine Ansteckung schwere gesundheitliche Komplikationen nach sich ziehen. Das reicht von neurologischen Beeinträchtigungen wie Lähmungen bis hin zum Tod", erläutert Prof. Dr. Walter Hitzler. Neben Menschen mit angegriffenem Immunsystem können zudem insbesondere Kinder, Senioren und Schwangere ernsthaft erkranken.

Der Erreger des West-Nil-Virus hatte erstmals im Jahr 1999 Menschen in der westlichen Hemisphäre befallen und war in New York aufgetaucht. Das Virus wurde mutmaßlich durch Zugvögel aus Afrika eingeschleppt. Damals starben in New York sieben Menschen. Die bislang höchste Todesrate in den USA forderte das schwer zu bekämpfende Virus 2012. In jenem Jahr starben 286 Menschen. Hauptwirt des West-Nil-Virus sind Vögel. Es wird durch Stechmücken aber auch auf Säugetiere und den Menschen übertragen.

Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) dokumentiert mittlerweile alle von europäischen Staaten gemeldeten Fälle von einheimischen Infektionen mit dem West-Nil-Virus auf seiner Internetseite. Dort sind einzelne europäische Regionen – unter anderem in Griechenland, Rumänien, Österreich und Italien – benannt, in denen es zu einer Häufung von Neuinfektionen mit dem Virus gekommen ist.