Universitätsmedizin Mainz startet Studie zur Krebsberatung

Ergebnisse dienen bedarfsgerechter und niedrigschwelliger Gestaltung ambulanter psychosozialer Angebote

26.09.2014

Auch wenn die Diagnose Krebs heutzutage kein Todesurteil mehr ist, bringt sie dennoch häufig erhebliche psychische Probleme mit sich. Hilfe bieten Krebsberatungsstellen. Männer, selbst wenn sie psychisch stark belastet sind, nehmen dieses Angebot allerdings seltener in Anspruch als Frauen. Das Verhältnis der Inanspruchnahme liegt bei etwa eins zu drei. Das Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI) der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) möchte daher nun mit einer Studie herausfinden, welche Barrieren der Inanspruchnahme entgegenstehen und wie ein Beratungsangebot aussehen müsste, um den Wünschen und Bedürfnissen auch von männlichen Patienten und Angehörigen besser zu entsprechen. Die Ergebnisse dieser Studie sollen dazu beitragen, ambulante psychosoziale Angebote bedarfsgerecht und niedrigschwellig zu gestalten.

Die Diagnose Krebs ist für Betroffene und Angehörige ein einschneidendes Erlebnis. Auch der Krankheitsverlauf stellt Erkrankte und ihre Familien vor besondere Herausforderungen. Die gute Nachricht lautet: Krebserkrankungen enden heute in sehr vielen Fällen nicht mehr tödlich. Folglich leben immer mehr Menschen länger mit der Diagnose Krebs. Dies bedeutet auch, dass onkologische Erkrankungen und deren langfristige Folgen zukünftig in der Bevölkerung stärker verbreitet sein werden. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts erkranken deutschlandweit jedes Jahr rund 500.000 Menschen neu an Krebs. Zwischen 2010 und 2030 ist mit einem Anstieg der Krebsneuerkrankungen um gut 20 Prozent zu rechnen.

Umso mehr rücken Fragen zum Umgang der Betroffenen und deren Angehörigen mit der Erkrankung in den Vordergrund: Welcher Beratungs- und Betreuungsangebote bedarf es, damit die psychischen und sozialen Ängste und Probleme besser bewältigt werden können? Wie lässt sich für und mit den Patienten und ihren Angehörigen eine möglichst hohe Lebensqualität erreichen? Studien haben gezeigt, dass professionelle Unterstützung bei der Verarbeitung einer Krebserkrankung sehr hilfreich ist und die Psychoonkologie in diesem Prozess eine wichtige Rolle spielt.

Daher ist es der Universitätsmedizin Mainz wichtig, dass Männer und Frauen die entsprechenden Hilfsangebote kennen und in Anspruch nehmen. Um dieses Ziel zu erreichen, will das IMBEI in seiner Studie zum bedarfsgerechten Zugang zu ambulanter psychosozialer Versorgung, kurz BEZUG, von den Betroffenen erfahren, was sie dazu bewegt, eine Krebsberatung in Anspruch zu nehmen oder warum sie dies eben nicht tun möchten. Dazu führen die Wissenschaftler des IMBEI unter der Leitung von Prof. Dr. Susanne Singer sowohl mit männlichen als auch mit weiblichen Patienten und Angehörigen zu zwei Zeitpunkten jeweils zwanzig- bis dreißigminütige Befragungen durch. Die erste Befragung erfolgt anhand eines persönlichen Gesprächs und eines kurzen schriftlichen Fragebogens. Inhaltlich geht es darum zu erforschen, was die Studienteilnehmer von einer Krebsberatung erwarten und warum sie eine Beratung wahrnehmen oder dies nicht beabsichtigen. Ebenfalls von Interesse sind der jeweilige aktuelle Gesundheitszustand und die Einstellung zu psychosozialen Versorgungsangeboten des Patienten oder des Angehörigen. Die zweite Befragung dient dazu herauszufinden, ob sich das persönliche Befinden der Studienteilnehmer im Laufe der Zeit geändert hat, wie sie die Beratung erlebt haben bzw. wie sie mit zeitlichem Abstand zu den Beratungsangeboten stehen.

BEZUG ist ein Kooperationsprojekt des IMBEI mit dem Südwestdeutschen Tumorzentrum – Comprehensive Cancer Center (CCC) Tübingen am Universitätsklinikum Tübingen, dem Tumorzentrum Rheinland-Pfalz e. V. sowie seitens der Universitätsmedizin Mainz mit dem Universitären Centrum für Tumorerkrankungen (UCT), der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik und der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Die Studie hat eine Laufzeit von drei Jahren und wird von der Deutschen Krebshilfe e.V. finanziert.