Jugendliche zeigen häufig Symptome von Depersonalisation

Universitätsmedizin Mainz untersucht psychische Belastung und Entfremdungserleben rheinland-pfälzischer Schülerinnen und Schüler

01.12.2014

Viele Kinder und Jugendliche leiden unter einer eingeschränkten psychischen Gesundheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Befragung, die die Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) unter 3.809 Schülerinnen und Schülern im Alter von 12 bis 18 Jahren in Rheinland-Pfalz durchgeführt hat. Die Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology publiziert.

Insgesamt 47 Prozent der befragten Schüler gaben an, zumindest an einzelnen Tagen in den zwei Wochen vor der Befragung durch Symptome von Depersonalisation belastet gewesen zu sein. Symptome also wie das Empfinden, von sich selbst und der Umwelt abgetrennt zu sein, oder das Erleben der eigenen Person und der Umwelt als unwirklich. Dass 12 Prozent der Schüler eine starke Belastung durch solche Symptome bekundeten, überraschte die Mainzer Forscher. Die Schülergruppe wies damit deutlich häufiger starke Symptome von Depersonalisation auf als die Allgemeinbevölkerung, in der dies nur mit einer Häufigkeit von ein bis zwei Prozent vorkommt. Von einer sehr hohen allgemeinen psychischen Belastung berichteten darüber hinaus rund 32 Prozent der 12- bis 18-jährigen Schüler in Rheinland-Pfalz. Das Ausmaß an psychischer Belastung entspricht jener von Jugendlichen, die sich wegen seelischer Erkrankungen in stationärer Behandlung befinden.

Bei genauerer Untersuchung der betroffenen Befragten stellte sich heraus, dass Schüler, die Nikotin und Cannabis konsumierten, häufig unter Depersonalisation litten. Ganz besonders eng, so PD Dr. Matthias Michal, stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, hing starke Depersonalisation zusammen mit sozialen Ängsten, männlichem Geschlecht, geringerer Schulqualifikation, stark verminderter Selbstwirksamkeit und schlechteren Fertigkeiten, Probleme konstruktiv zu lösen.

Obgleich Depersonalisation kein neues und kein seltenes Phänomen ist, gibt es wenig Forschung dazu. Angesichts der Häufigkeit klinisch relevanter Depersonalisation sehen die Mainzer Forscher jedoch noch viel Forschungsbedarf. "Zum einen sind Längsschnittuntersuchungen wichtig, um zu überprüfen, wie sich die Depersonalisation im Verlauf entwickelt. Zum anderen bedarf es auch vermehrt klinischer Studien, um Betroffenen besser helfen zu können", so PD Dr. Matthias Michal.