Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert Mainzer Forschungen am CERN

Physiker erhalten Unterstützung für Arbeiten an Experimenten ATLAS und NA62 zur Erforschung neuer Teilchen

23.07.2015

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt die Arbeiten der Mainzer Wissenschaftler am europäischen Forschungszentrum CERN mit einem signifikanten Beitrag. In den kommenden drei Jahren werden fünf Millionen Euro bereitgestellt, die in Experimente der Hochenergiephysik zur Erforschung der kleinsten Bausteine unserer Materie fließen. An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) sind experimentelle und theoretische Gruppen mit Forschungsarbeiten am CERN befasst, wobei ein Schwerpunkt auf der Untersuchung von Teilchenkollisionen am Large Hadron Collider (LHC) liegt. "Wir freuen uns sehr über das große Engagement des Bundesforschungsministeriums. Es ist eine Anerkennung für die herausragenden Leistungen der Mainzer Physik und eine bedeutende Unterstützung für die bevorstehenden Arbeiten unserer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die gerade jetzt mit dem Neustart des LHC in eine spannende Zukunft blicken", so Universitätspräsident Prof. Dr. Georg Krausch zur Bewilligung.

Das BMBF stellt einen Großteil der Fördermittel im Rahmen des Forschungsschwerpunkts FSP-103 "Physik bei höchsten Energien mit dem ATLAS-Experiment am LHC" bereit, einem deutschen Forschungsnetzwerk aus 16 Institutionen, darunter die Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Insgesamt stehen in der neuen Förderperiode, die im Juli 2015 für weitere drei Jahre gestartet ist, rund 39 Millionen Euro für Forschung mit dem ATLAS-Experiment zur Verfügung. Das BMBF finanziert über Projektmittel insbesondere den Bau und die Entwicklung von Detektorkomponenten für die Experimente am CERN.

Mainzer Physiker sind insbesondere am ATLAS-Experiment beteiligt. Dies ist eines von vier großen Nachweisgeräten am LHC, dem zusammen mit dem CMS-Experiment im Sommer 2012 die Entdeckung des lange gesuchten Higgs-Teilchens gelungen ist. Nun begann am LHC vor wenigen Wochen eine neue Phase, bei der Protonen mit außerordentlich hohen Energien aufeinanderprallen. Diese Hochenergie-Kollisionen bei 13 Tera-Elektronenvolt (TeV) stellen auch die Detektoren vor neue Herausforderungen. Zudem werden in Zukunft mehr Protonenbündel transportiert und es werden mehr Zusammenstöße erfolgen. Derzeit kreisen 152 Protonenbündel in dem 27 Kilometer langen Ring. Es wird allerdings angestrebt, die Anzahl demnächst auf nahezu 1.000 Bündel pro Strahl zu erhöhen – und die Intensität später noch weiter zu steigern.

"Wir brauchen für die Forschungen und die Weiterentwicklung von ATLAS einen langen Atem – die Forschungsprogramme laufen bis in die 2030er-Jahre. Wir sind daher außerordentlich dankbar, dass das BMBF unsere Arbeiten schon seit vielen Jahren fördert und auch in Zukunft finanziell mitträgt", erklärt Prof. Dr. Volker Büscher vom Institut für Physik der JGU. Neben den experimentellen und theoretischen Arbeiten am LHC werden die BMBF-Gelder auch dem NA62-Experiment zugutekommen. Für dieses Experiment hat die Mainzer Physik im Mai 2015 einen neuen Teilchendetektor ans CERN geliefert. NA62 startet noch im Juli 2015 und wird einen sehr selten vorkommenden Zerfall von Kaonen messen.

"Die Forschungen am CERN versprechen, in den nächsten Jahren sehr spannend zu werden. Dank der Unterstützung des Bundes sind wir maßgeblich an einem breiten Spektrum von Forschungs- und Entwicklungsarbeiten beteiligt", so Büscher. Diese Arbeiten fügen sich hervorragend in das Exzellenzcluster "Precision Physics, Fundamental Interactions and Structure of Matter" (PRISMA) der JGU ein.