Gutenberg Research Award 2016 geht an Zelltod-Forscher Vishva Dixit

Ehrung für Pionier auf dem Gebiet der biomedizinischen Grundlagenforschung

03.05.2016

Das Gutenberg Forschungskolleg (GFK) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) hat den US-amerikanischen Biomediziner Dr. Vishva Dixit mit dem Gutenberg Research Award ausgezeichnet. Er erhält den Preis für seine wegweisende Forschung zum programmierten Zelltod. Der Biomediziner konnte mit seinen Erkenntnissen maßgeblich zum Verständnis der genauen Mechanismen des lebensnotwendigen auch Apoptose genannten Programms beigetragen. Gleichzeitig arbeitet Dixit mit an der Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse in die klinische Anwendung.

"Mit Dr. Vishva Dixit zeichnet das Gutenberg Forschungskolleg einen international renommierten Spitzenforscher mit dem Gutenberg Research Award 2016 aus. Von seinen bahnbrechenden Erkenntnissen auf dem Gebiet der Zelltodforschung gingen wichtige Impulse aus, um zu einem weitreichenden Verständnis der Prozesse im Immunsystem zu gelangen", unterstreicht der Direktor des GFK, Prof. Dr. Matthias Neubert.

Der programmierte Zelltod ist ein genetisch angelegter Mechanismus, der bei fast allen multizellulären Lebewesen ähnlich funktioniert. Das als Apoptose bezeichnete "Tötungsprogramm" ist im Körper allgegenwärtig. Es ist die zentrale Voraussetzung, um beschädigte oder überflüssige Zellen loszuwerden, und somit entscheidend für die Entwicklung eines Organismus. Der programmierte Zelltod versetzt den Körper in die Lage, einen balancierten Funktionszustand, die zelluläre Homöostase, aufrechtzuerhalten.

Jeder Defekt innerhalb des genetisch kontrollierten Tötungsprogramms kann gravierende Konsequenzen nach sich ziehen. Die Entstehung von Tumorzellen kann ein solcher Defekt genauso begünstigen wie neurodegenerative Erkrankungen. "Vor diesem Hintergrund ist auch die besondere Bedeutung der Arbeiten von Dr. Dixit einzuordnen. Er legte mit seinem Forscherteam zu Beginn der 1990er-Jahre den Grundstein dafür, die genauen Mechanismen des Zelltods zu entschlüsseln. Damit ist er im Bereich der Grundlagenforschung einer der Wegbereiter für die Entwicklung neuer Therapien gegen Krebs oder neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer", führt der Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Ulrich Förstermann, aus.

Dr. Vishva Dixit konnte in den frühen 1990er-Jahren aber nicht nur molekulare Komponenten der Zelltodsignalwege identifizieren, wie die sogenannten 'Caspasen', Enzyme, die an der Initiation und Ausführung des Zelltods beteiligt sind, sondern ebenfalls aufzeigen, welche Mechanismen diesem grundlegenden zellulären Prozess zugrunde liegen. Wegweisende Forschungsbeiträge gelangen ihm auch auf dem Gebiet der Entzündungskrankheiten und des Immunsystems. So konnte er einen als Inflammasom bezeichneten Komplex von Eiweißen nachweisen, mit dem das körpereigene Immunsystem in der Lage ist, Infektionen zu bekämpfen.

Weitere wegweisende Entdeckungen gelangen Dixit zuletzt, indem er die Rolle von Ubiquitinierung und Deubiquitinierung von Proteinen bei der Entstehung von Krebs untersuchte. In diesem Zusammenhang konnte er zeigen, welche molekularen Abläufen der Ubiquitin-basierten Signaltransduktion in der Zelle zugrunde liegen und ihre Relevanz für krebserzeugende Prozesse, Entzündungsreaktionen, Autoimmunerkrankungen und Diabetes demonstrieren.

Neben seiner wissenschaftlichen Karriere bringt er seine umfassende Expertise als exzellenter Wissenschaftler im Bereich der Zelltod-Forschung beim US-amerikanischen Biotechnologieunternehmen Genentech ein. Dabei handelt es sich um das weltweit erste Biotechnologieunternehmen, das 1976 gegründet wurde. Auch als Vorstandsmitglied von Genentech ist er weiterhin als Forscher sehr aktiv und publiziert nach wie vor in den wichtigsten Zeitschriften seines Fachs. Seine Erkenntnisse werden viel von anderen Wissenschaftlern zitiert und finden sich auch in Lehrbüchern wieder.

Dr. Vishva Dixit arbeitet im gesamten Rhein-Main-Gebiet bereits mit Universitäten und Forschergruppen auf dem Gebiet der zellulären Signaltransduktion zusammen und ist bestrebt, diese Kooperationen in der Zukunft noch zu vertiefen und auszubauen.

Dixit studierte Medizin an der Universität von Nairobi in Kenia. Im Rahmen seiner wissenschaftlichen Karriere hatte er von 1986 bis 1997 eine Professur am Department für Pathologie der Medizinischen Fakultät der renommierten Universität von Michigan in den USA. Seit 1997 ist er in verschiedenen Funktionen beim Unternehmen Genentech mit Sitz in South San Francisco, USA – anfangs als Director beziehungsweise Senior Director für den Bereich Molekulare Onkologie, dann später und bis einschließlich heute im Vorstand des Biotechnologie-Unternehmens. Gegenwärtig ist er bei Genentech unter anderem Vice President des Bereichs Früherkennungsforschung und leitet das Postdoktorandenprogramm.