Forschungsbau Struktur, Symmetrie und Stabilität von Materie und Antimaterie eingeweiht

Helmholtz-Institut Mainz bezieht Neubau auf dem Gutenberg-Campus

27.01.2017

Im Beisein von knapp 200 Gästen wurde der neue Forschungsbau Struktur, Symmetrie und Stabilität von Materie und Antimaterie eingeweiht, der die Arbeitsgruppen des Helmholtz-Instituts Mainz (HIM) beheimatet. Das Gebäude bietet ein modernes, gut ausgestattetes Umfeld für längerfristige, herausragende Forschungsprojekte in der Physik und Chemie. Das HIM war 2009 als erstes Helmholtz-Institut in Deutschland gegründet worden, um die langjährige Kooperation zwischen dem GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) auszubauen. Die räumliche Nähe der beteiligten Forschergruppen in dem neuen Gebäude wird künftig neue Ideen und eine produktive Zusammenarbeit zusätzlich fördern.

Der Forschungsbau geht auf eine Empfehlung des Wissenschaftsrats aus dem Jahr 2011 zurück. Mit dem Bau beauftragt wurde der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB), der das neue Gebäude auf dem Campus der JGU in unmittelbarer Nähe der Institute für Physik, Kernphysik und Kernchemie errichtet hat. Begonnen wurde im Dezember 2013, die Fertigstellung erfolgte im Sommer 2016, sodass mittlerweile bereits ein großer Teil des Gebäudes bezogen werden konnte. Der Stahlbeton-Massivbau besteht aus einem viergeschossigen Bürotrakt, einem zweigeschossigen Labortrakt und einer eingeschossigen Experimentierhalle mit einer lichten Deckenhöhe von bis zu 10 Metern. Auf einer Hauptnutzfläche von 3.600 Quadratmetern befinden sich Forschungsräume, Büros und Werkstattarbeitsplätze für insgesamt bis zu 170 Mitarbeiter. Ihnen steht eine wissenschaftlich-technische Ausrüstung inklusive Großgeräten, wie etwa ein Hochleistungsrechner, zur Verfügung. Die Gesamtkosten des Neubaus einschließlich der technischen Ausrüstung in Höhe von 35 Millionen Euro wurden vom Bund und vom Land Rheinland-Pfalz übernommen.

"Für Rheinland-Pfalz war und ist die Gründung des Helmholtz-Instituts als erste Helmholtz-Förderung ein schöner Erfolg in der überregionalen Forschungsförderung. Durch die konsequente Ausrichtung der Forschungspolitik auf die Förderung profilbildender Forschungsschwerpunkte an den Hochschulen wurden zwischen 2008 und 2016 in der Forschungsinitiative des Landes die Rahmenbedingungen für exzellente Spitzenforschung und Nachwuchsförderung mit 160 Millionen Euro nachhaltig verbessert. Weitere Landesmittel sind vorgesehen, um die Exzellenzstrategie-Vorbereitungen in Rheinland-Pfalz zu unterstützen", so der Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, Prof. Dr. Salvatore Barbaro.

"Helmholtz-Institute sind für uns ein hervorragendes Instrument, um gemeinsam mit Universitäten starke Partnerschaften für spezifische Zukunftsthemen aufzubauen. Sie bilden die Grundlage für eine intensive und dauerhafte Zusammenarbeit", sagt Prof. Dr. Otmar D. Wiestler, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. "Das HIM auf dem Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist ein gelungenes Beispiel dafür. Mit seinen herausragenden Forschungsleistungen beweist es zudem, dass Helmholtz-Institute ein sehr erfolgreicher Weg hin zu einer nachhaltigen Stärkung unseres Wissenschaftsstandortes sind."

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am HIM arbeiten auf den Gebieten der Kern-, Teilchen-, Atom- und Beschleunigerphysik. Sie beschäftigen sich mit grundlegenden Fragen zur Struktur, Symmetrie und Stabilität von Materie und Antimaterie. Insbesondere geht es ihnen darum, die starke Wechselwirkung besser zu verstehen, eine der vier fundamentalen Kräfte der Physik. Ein wichtiger Bereich ist außerdem die Entwicklung von Beschleunigersystemen und Detektoren für Experimente am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt und der dort entstehenden Beschleunigeranlage FAIR. FAIR, eines der größten Forschungsvorhaben für die Grundlagenforschung weltweit, soll neue Einblicke in den Aufbau der Materie und die Entwicklung des Universums ermöglichen.

"Das HIM verbindet die spezifischen Kompetenzen der Universität und der GSI in optimaler Weise. Die am HIM verfolgten Forschungs- und technischen Entwicklungsarbeiten sind von höchstem Wert für die wissenschaftlichen Programme an der GSI sowie an der internationalen Beschleunigeranlage FAIR. Durch den Neubau und seine innovative Forschungsinfrastruktur wird diese fruchtbare Zusammenarbeit erheblich gestärkt", so Prof. Dr. Paolo Giubellino, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung.

"Der Mainzer Universitätscampus bietet hervorragende Voraussetzungen für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am HIM, die hier in der Physik und Chemie ein ausgezeichnetes Forschungsumfeld vorfinden. Dazu gehören auch der Elektronenbeschleuniger MAMI, der Forschungsreaktor TRIGA und der geplante neue Linearbeschleuniger MESA", merkt der Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Dr. Georg Krausch, an. Die JGU beteiligt sich mit technischer Infrastruktur, wissenschaftlichem und technischem Personal sowie Overheadmitteln am Betrieb des HIM.

"Nach der arbeitsreichen Phase der Planung, des Baus und der Inbetriebnahme freuen wir uns sehr, den im nationalen Wettbewerb eingeworbenen Forschungsbau jetzt zu beziehen und vor allem für unsere Forschung nutzen zu können. Die räumliche Nähe, die technischen Installationen und die verschiedenen Laboratorien versetzen uns umso mehr in die Lage, weiterhin sichtbare Spitzenforschung in einem internationalen Umfeld zu betreiben um damit auch den Nachwuchs auszubilden. Für diese Möglichkeiten sind wir dankbar und werden dies als Ansporn nehmen, weiterhin unser Bestes zu leisten", sagt der Direktor des Helmholtz-Instituts Mainz, Prof. Dr. Frank Maas.

Markus Rank, Leiter der Mainzer Niederlassung des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB), dankte den Baubeauftragten des Helmholtz-Instituts und der Universität für die vertrauensvolle Zusammenarbeit: "Im Ergebnis ist ein Bau entstanden, von dem wir hoffen, dass er wie ein Maßanzug für die Wissenschaft ist, der den Anforderungen der Spitzenforschung auf viele Jahre hinaus entspricht."

Für die Kunst am Bau im Foyer zeichnet der Künstler Mario Hergueta aus Nauheim verantwortlich. Er hat die Wände der bis ins Obergeschoss hinaufreichenden Eingangshalle mit geometrischen Formen in Schwarz, Grau, Weiß und der reflektierenden Metallfarbe Silber gestaltet. In dem vom rheinland-pfälzischen Finanzministerium ausgelobten beschränkten Wettbewerb mit vorgeschaltetem offenem Bewerberverfahren hatte sich Hergueta gegen sechs Mitbewerber durchgesetzt.