Neue Therapien zur Behandlung der Fettleber gesucht

Gemeinsame Forschungsinitiative von Universitätsmedizin Mainz, Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Goethe-Universität Frankfurt am Main

05.07.2017

Sie zählt zu den weltweit häufigsten Lebererkrankungen: Die nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD). In Deutschland sind rund 20 Millionen Menschen betroffen. Als Hauptursachen gelten Übergewicht und zu wenig Bewegung. Damit leiden viele NAFLD-Patienten auch an Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Medikamentös lässt sich die NAFLD bisher nicht adäquat behandeln. Vor diesem Hintergrund lautet die zentrale Frage einer gemeinsamen Forschungsinitiative der Universitätsmedizin Mainz mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und der Goethe-Universität Frankfurt am Main: Inwieweit kann ein veränderter Lebensstil den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen? Die Antworten auf diese Frage sollen zur Entwicklung neuer Behandlungsansätze beitragen. Zusätzlich wollen die Wissenschaftler neue Biomarker im Blut entwickeln, mit denen sich die Erkrankung zuverlässig und sicher diagnostizieren und ein Behandlungserfolg feststellen lässt. Der Verbund der Rhein-Main Universitäten (RMU) fördert dieses auf ein Jahr angelegte Projekt mit 100.000 Euro, als Basis für eine grössere Forschungsinitiative.

Ursächlich für die nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD) sind die Menge und die Zusammensetzung der Ernährung und ein inaktiver Lebensstil der betroffenen Patienten. Auch die genetische Veranlagung spielt eine wichtige Rolle. Bei einem Teil der Patienten kommt es zusätzlich zu einer Entzündung der Leber mit der möglichen Folge einer Leberzirrhose. Da die Entzündung der Leber zunächst kaum oder nur unspezifische Beschwerden hervorruft, werden viele Patienten von der Diagnose überrascht. Insbesondere Patienten mit einem "Zivilisations-Diabetes" (Diabetes Typ 2) sind überdurchschnittlich häufig von der entzündlichen Form – der nicht-alkoholischen Steatohepatitis (NASH) – betroffen.

"Diese vom Lebensstil abhängige Erkrankung zu behandeln, fällt schwer. Es ist nicht einfach, patientenindividuelle Empfehlungen zur Verbesserung des Gesundheitszustands auszusprechen. Auch gibt es bisher keine gut erprobten Medikamente zur Behandlung von NAFLD und NASH. Deshalb wollen wir unter anderem herausfinden, wie sich der Lebensstil der Betroffenen am besten beeinflussen lässt, damit sich der Verlauf der Erkrankung bessern lässt", erklärt PD Dr. Jörn Schattenberg von der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz. Gemeinsam mit dem Direktor des Instituts für Translationale Immunologie, Prof. Dr. Dr. Detlef Schuppan, leitet Schattenberg die neue Forschungsinitiative mit dem Namen "LIFT-off" (Lifestyle Intervention to prevent and improve hepatic fibrosis in non-alcoholic fatty liver disease).

Die "LIFT-off"-Forschungsinitiative setzt zum einen sporttherapeutische Konzepte ein, um die körperliche Gesundheit der Betroffenen zu verbessern. Zum anderen sollen ernährungsmedizinische Ansätze dazu beitragen, einer fortschreitenden Entzündung und Verfettung der Leber entgegenzuwirken. "Das Ziel der Forschungsinitiative ist es, leicht umsetzbare und nachhaltige Veränderungen des Lebensstils zu vermitteln, die den Verlauf der Erkrankung nachhaltig positiv beeinflussen. Darüber hinaus entwickeln wir neue Serum-Biomarker, mit denen sich die Aktivität der Erkrankung zuverlässig und sicher feststellen lässt", unterstreicht Schuppan. Er leitet bereits die Biomarker-Entwicklung im EU-Konsortium EPoS (European Project on Steatohepatitis). Dabei handelt es sich um ein internationales Forschungsprojekt, an dem Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz beteiligt sind. Das Ziel von EPoS ist es, die Entstehung der nichtalkoholischen Fettlebererkrankung zu verstehen.

Weitere Wissenschaftler und Ärzte der JGU und GU sind an der "LIFT-off"-Forschungsinitiative beteiligt. So unterstützen der Leiter der Abteilung Sportmedizin, Prävention und Rehabilitation am Institut für Sportwissenschaft der JGU, Prof. Dr. Dr. Perikles Simon, und der Direktor der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Frankfurt am Main, Prof. Dr. Stefan Zeuzem, das Projekt im Hinblick auf die Durchführung und Entwicklung. Auch kann die Initiative auf die Erfahrungen der Mainzer Gutenberg Gesundheitsstudie, eine der weltweit größten bevölkerungsbasierten Studien, zurückgreifen. "Gemeinsam mit unseren Projektpartnern schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass im Rhein-Main-Gebiet ein Schwerpunkt zur Erforschung und Behandlung der nicht-alkoholischen Fettleber entsteht", zeigen sich Schattenberg und Schuppan überzeugt.

 

Die Allianz der Rhein-Main-Universitäten

Die Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Johannes Gutenberg-Universität Mainz und die Technische Universität Darmstadt bilden als renommierte Forschungsuniversitäten der Wissenschaftsregion Rhein-Main die strategische Allianz der RHEIN-MAIN-UNIVERSITÄTEN. Dazu haben sie im Dezember 2015 eine länderübergreifende Rahmenvereinbarung für eine noch intensivere Zusammenarbeit unterzeichnet. Die Partner der Allianz mit knapp 107.400 Studierenden und 1.440 Professuren wollen ihre bereits bestehenden Kooperationen in Forschung, Lehre, wissenschaftlicher Weiterbildung und der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses weiter ausbauen und nachhaltig etablieren.

Mit dem trilateralen Abkommen bündeln sie ihre Stärken, bauen ihre komplementären Profile gemeinsam aus und erweitern sowie verbessern ihre Studienangebote. Untereinander verknüpft durch derzeit bereits mehr als 70 Kooperationsprojekte und fächerspezifische Verbünde, stehen sie gemeinsam für eine zukunftsorientierte Entwicklung der Wissenschaftsregion Rhein-Main und stärken deren internationale Sichtbarkeit und Attraktivität in einem breiten Spektrum der Disziplinen – von der Medizin über die Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften bis hin zu den Ingenieurwissenschaften.