Gutenberg Teaching Award 2017 für Musa Dube

Theologin für Engagement zur Thematisierung von HIV/AIDS in Lehrplänen, für afrikanische Bibelwissenschaft und Nachwuchsförderung geehrt

04.08.2017

Prof. Dr. Musa Dube von der Universität von Botswana erhält den Gutenberg Teaching Award 2017. Die Theologin wird damit für ihre Verdienste zur Weiterentwicklung der akademischen Lehre ausgezeichnet. Insbesondere hat sich die Preisträgerin dafür eingesetzt, das Thema HIV und AIDS in den Lehrplan der theologischen Ausbildung aufzunehmen – ein Thema, das in Afrika noch immer tabuisiert wird. Sie hat außerdem durch ihre Buchveröffentlichungen dazu beigetragen, dass eine eigene afrikanische Bibelwissenschaft entstehen konnte. Schließlich wird sie auch für ihr Engagement zur Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen geehrt. "Prof. Dr. Musa Dube ist eine der führenden Expertinnen Afrikas auf dem Gebiet des Neuen Testaments und wir freuen uns, dass sie zur Auszeichnung mit dem Gutenberg Teaching Award nach Mainz kommt und hier zusammen mit Theologen unserer Universität zwei Lehrveranstaltungen abhalten wird", teilte der Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), Prof. Dr. Georg Krausch, mit. Die Auszeichnung erfolgt durch das Gutenberg Lehrkolleg (GLK) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Rahmen des DIES LEGENDI 2017. Der Gutenberg Teaching Award ist mit 10.000 Euro dotiert und wurde im Jahr 2014 erstmals vergeben.

Musa Dube, geboren 1964 in Botswana, hat an der Universität von Botswana und der University of Durham, Großbritannien, Theologie studiert und später an der Vanderbilt University, USA, promoviert. Seit 1997 ist sie als Dozentin und seit 2003 als Professorin an der Universität von Botswana tätig, unterbrochen von Tätigkeiten als theologische Beraterin des Weltkirchenrats und als Assistant Professor am Scripps College, USA.

Als Beauftragte für HIV/AIDS des Weltkirchenrats hat sie sich für ein HIV/AIDS-sensitives Curriculum in der theologischen Ausbildung eingesetzt. Dazu publizierte Dube mehrere Bücher und veröffentlichte Aufsätze in Fachzeitschriften und Anthologien. Zudem stellte sie Materialien zum Thema HIV/AIDS für den Gottesdienst und die Gemeindearbeit zusammen. Die Wissenschaftlerin gilt heute als eine der führenden Neutestamentlerinnen Afrikas. Mit ihren Büchern hat sie wesentlich dazu beigetragen, dass die afrikanische Bibelwissenschaft prominent publiziert und zur Kenntnis genommen wurde. "Prof. Dr. Musa Dube hat damit auch einen entscheidenden Beitrag zum Selbstbewusstsein afrikanischer Dozentinnen und Dozenten und der Studierenden geleistet", erklärt der Dekan des Fachbereichs Katholische Theologie und Evangelische Theologie der JGU, Prof. Dr. Matthias Pulte. "Ihr postkolonialer hermeneutischer Ansatz hat die afrikanische Exegese ein für alle Mal emanzipiert."

Prof. Dr. Musa Dube ist außerdem eine der führenden Repräsentantinnen des "Circle of Concerned African Women Theologians". Das Netzwerk afrikanischer Theologinnen wird als eine der größten Erfolgsgeschichten theologischer Selbstorganisation und Nachwuchsförderung auf dem Kontinent betrachtet.

Dube wurde für Engagement hinsichtlich HIV/AIDS mit verschiedenen Preisen geehrt und außerdem mit dem Friedrich Wilhelm Bessel Research Award der Alexander von Humboldt-Stiftung und dem Mentor Award der Society of Biblical Literature ausgezeichnet. Mit dem Gutenberg Teaching Award werden ihre Verdienste um die Förderung eines HIV/AIDS-sensitiven Curriculums, einer afrikanischen Bibelwissenschaft und der Nachwuchsförderung gleichermaßen gewürdigt. "Prof. Dr. Musa Dube ist eine ökumenisch aufgestellte Theologin, die in evangelischen und katholischen Kreisen geachtet ist. Wir freuen uns, dass der Fachbereich Katholische Theologie und Evangelische Theologie mit dem Gastaufenthalt den Kontakt zu einer der führenden Theologinnen Afrikas aufnehmen und die Zusammenarbeit auf interkulturellem, exegetischem und praktisch-theologischem Gebiet eröffnen kann", so GLK-Direktor Prof. Dr. Andreas Hildebrandt. "Der kontextuelle Ansatz der Bibellektüre, wie Dube ihn vertritt, wird unseren Studierenden radikal neue Zugänge zum christlichen Traditionsbestand eröffnen und sie lehren, mit den Augen der anderen zu lesen", ergänzt der Dekan des Fachbereichs.

Der Gutenberg Teaching Award wird bereits zum vierten Mal in Folge vergeben. Der erste Gutenberg Teaching Award wurde 2014 an den Germanisten Prof. Dr. John Greenfield von der Universität Porto für die Entwicklung internationaler Masterprogramme vergeben. 2015 wurde Prof. Masaaki Suzuki als Gründer und Leiter des Bach Collegiums Japan für seine pädagogische Arbeit über Fach- und Kulturgrenzen hinweg ausgezeichnet. 2016 erhielt der Nobelpreisträger Prof. Dr. Carl Edwin Wieman den Award für seinen Ansatz zur fachwissenschaftlich und fachdidaktisch fundierten Wissensvermittlung in der Ausbildung von Bachelor- und Lehramtsstudierenden.