Archäologen der Universitäten Frankfurt und Mainz erforschen gemeinsam mit russischen Wissenschaftlern bronzezeitliche Prozesse in der Steppe zwischen Europa und Asien

Projektförderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit 600.000 Euro für zunächst zwei Jahre

16.01.2019

Archäologen der Goethe-Universität Frankfurt am Main um Prof. Dr. Rüdiger Krause werden gemeinsam mit Wissenschaftlern der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und russischen Kollegen im Ural forschen um herauszufinden, was im 2. Jahrtausend v. Chr. zu großen Veränderungen in der dortigen Lebensweise geführt haben könnte. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zunächst bis Ende 2020 mit 600.000 Euro gefördert. Die Forschungen knüpfen an ein früheres Projekt an, das von 2009 bis 2014 stattfand.

Ziel ist es, demografische Prozesse und Siedlungsstrukturen der Übergangszeit von der Bronze- zur Eisenzeit rekonstruieren zu können, die sogenannte Post-Sintaschta-Petrovka-Periode. Bisherige Funde haben gezeigt, dass der südliche Trans-Ural an der Trennlinie zwischen Europa und Asien am nördlichen Rand der Eurasischen Steppe eine einzigartige Kulturlandschaft darstellt. Herausragende Denkmäler der Bronze- und Eisenzeit wie Grabhügel, Kurgane genannt, und Siedlungen zeigen, dass sich hier ein Zentrum wirtschaftlicher Entwicklung und soziokultureller Prozesse befand, die bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. einsetzten. Nach dem Niedergang der befestigten Siedlungen veränderte sich die Wohnstruktur, es entstanden "offene" Siedlungen mit Reihenhausbauten ohne Befestigungsanlagen. Russische Forschungen datieren diese Siedlungen in die Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr., also in die späte Bronzezeit.

In der von 2009 bis 2014 andauernden Forschungsphase hatte sich Prof. Dr. Rüdiger Krause vom Institut für Archäologische Wissenschaften der Goethe-Universität vor allem den befestigten Siedlungen der Sintaschta-Petrovka-Phase gewidmet. Diese Kultur zeichnete sich durch frühe Streitwagen aus, durch intensiven Kupferbergbau und eine hoch entwickelte Bronzeherstellung. Nun rücken verschiedene andere archäologische Stätten der Bronze- und Eisenzeit in der Mikroregion des Flusses Yandyrka-Akmulla und am oberen Karagaily-Ayat in den Fokus: Wie haben sich die Siedlungsstrukturen verändert? Wie wurde die Landschaft als ökonomische Basis für Tierhaltung genutzt? Und wie haben sich die Bestattungsformen gewandelt? Die demografischen Prozesse, die alldem zugrunde liegen, sollen im Lauf des interdisziplinären Projekts erforscht werden. Dabei kommen Methoden der Paläogenetik zum Tragen, aber auch archäologische Ausgrabungen, geophysikalische Prospektionen und die Interpretation der materiellen Kultur und die Archäobotanik.

Wer waren die Menschen, die den damaligen Wandel von einer sesshaften Lebensform zum Nomadismus vollzogen haben? Woher stammten sie und wie sind sie in den Ural gekommen? Auf der Suche nach Antworten werden Archäologie und Paläogenetik eng zusammenarbeiten. Ein Ziel der Kollaboration ist es, mit modernsten Genomanalysen populationsgenetische Analysen durchzuführen.

Das Team von Prof. Dr. Joachim Burger am Institut für Organismische und Molekulare Evolutionsbiologie (iOME) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist auf die Analyse von Genomen aus archäologischen Skeletten spezialisiert. In diesem Projekt werden die Mainzer Paläogenetiker der Frage nachgehen, inwiefern genetische Einflüsse aus Europa oder der zentralasiatischen Steppe einhergehen mit dem kulturellen Wandel, der im Transural zu beobachten ist. Waren es Fremde, die den Wandel einleiteten? Oder haben hier regionale kulturelle Entwicklungen stattgefunden? Wie hat sich die Bevölkerungsstruktur und Demografie über die Jahrtausende verändert? Um Antworten zu finden, werden die Mainzer Forscher die Genome aus den archäologischen Fundstellen des Projekts hochauflösend sequenzieren und sie mit eigens entwickelten statistischen Methoden analysieren, um möglichst viele Details über die Menschen der Bronze- und Eisenzeit herauszufinden.