Exzellenzcluster PRISMA+ setzt Spitzenforschung an eigenem Beschleuniger und in internationalen Großexperimenten mit Bund-Länder-Förderung fort

Vorreiterrolle in der Teilchen- und Hadronenphysik / 52 Millionen Euro für Mainzer Physikerinnen und Physiker aus dem Exzellenzstrategie-Wettbewerb

09.05.2019

An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) ist am Donnerstag der Exzellenzcluster PRISMA+ feierlich eröffnet worden. Der Forschungsverbund in der Teilchen- und Hadronenphysik war im September 2018 im Exzellenzstrategie-Förderprogramm als einer von bundesweit 57 Clustern von einer internationalen Expertenkommission sowie den Wissenschaftsministerinnen und -ministern von Bund und Ländern bewilligt worden. "Diese Auszeichnung bestätigt die internationale Spitzenposition der Mainzer Forschergruppen in der Teilchen- und Hadronenphysik", erklärt der Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), Prof. Dr. Georg Krausch. "Mainzer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden in den nächsten sieben Jahren innovative Präzisionsmessungen, insbesondere am neuen Beschleuniger MESA, dem Mainz Energy-recovering Superconducting Accelerator, auf dem Gutenberg-Campus durchführen können, ihre Vorreiterrolle beim experimentellen Design für internationale Experimente ausbauen und mit neuartigen theoretischen Berechnungen ein tieferes Verständnis physikalischer Phänomene zu erlangen helfen."

PRISMA+ ist der Folgeantrag für den Exzellenzcluster "Precision Physics, Fundamental Interactions, and Structure of Matter" (PRISMA), der bereits in der vorangegangenen Exzellenzinitiative erfolgreich war und seit 2012 gefördert wurde. Wissenschaftsstaatssekretär Dr. Denis Alt betont: "Dieser neuerliche Erfolg ist die verdiente Anerkennung für all diejenigen, die sich in den vergangenen Jahren mit großem Engagement, hoher Leistungsbereitschaft und vielen Ideen für eine Weiterentwicklung der Spitzenforschung nicht nur in ihrem Fachgebiet, sondern auch an ihrer Universität eingesetzt haben. Wir sind von PRISMA und PRISMA+ überzeugt und werden unsere langjährige Förderung fortsetzen. Über unsere 25-prozentige Kofinanzierung hinaus werden wir zusätzliche Mittel in bedeutender Höhe zur Verfügung stellen." Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat für PRISMA+ 52 Millionen Euro bewilligt, zuzüglich 7 Millionen Euro Universitätspauschale zur Stärkung der strategischen Ausrichtung der Universität.

"Wir haben dies zum Anlass genommen, die bisherigen Ergebnisse von PRISMA zu präsentieren und einen Ausblick auf unsere Vorhaben in PRISMA+ zu geben", so Prof. Dr. Matthias Neubert vom Institut für Physik der JGU, einer der beiden Sprecher des Exzellenzclusters. "Besonders freuen wir uns, dass es gelungen ist, den Gründungsvater des IceCube Neutrino-Observatoriums am antarktischen Südpol, Prof. Francis Halzen von der University of Wisconsin-Madison in den USA für den Keynote-Vortrag anlässlich der Eröffnung zu gewinnen", stellt Neubert heraus. Mehrere Forschergruppen bei PRISMA+ sind am IceCube-Experiment beteiligt. Hier und auch an anderen Großexperimenten im Bereich der fundamentalen Physik nehmen Physikerinnen und Physiker der JGU weltweit eine führende Rolle bei der Entwicklung der erforderlichen Forschungsgeräte und Experimente sowie bei der Analyse der Daten und bei theoretischen Präzisionsrechnungen ein.

Die Erforschung von Neutrinos, also besonders schwach wechselwirkender Teilchen, die den Schlüssel zum Verständnis der Asymmetrie zwischen Materie und Antimaterie halten, ist einer der Forschungsbereiche, die in PRISMA+ weiter ausgebaut werden sollen. "Auch die Experimente am Elektronenbeschleuniger MESA werden zentrale Ergebnisse zu den spannendsten und drängendsten Problemen der physikalischen Grundlagenforschung liefern", betont Prof. Dr. Hartmut Wittig, ebenfalls Sprecher des Clusters. "Die experimentellen Möglichkeiten des Beschleunigers, der derzeit am Institut für Kernphysik der JGU aufgebaut wird, werden durch die Förderung von PRISMA+ maßgeblich erweitert", erläutert er. Die geplanten Experimente werden mehrere Naturkonstanten, wie etwa den Protonradius oder den sogenannten Mischungswinkel der elektroschwachen Vereinheitlichung, mit bisher unerreichter Präzision vermessen. Beide Größen spielen eine wichtige Rolle bei der Beantwortung der Frage nach den Grenzen der Gültigkeit der etablierten Theorie der Elementarteilchen.                                                                                                                          

PRISMA+ ist einer von 57 bewilligten Exzellenzclustern

Insgesamt lagen der Deutschen Forschungsgemeinschaft 88 Anträge von 41 Universitäten auf Exzellenzcluster zur Begutachtung vor, von denen 57 bewilligt wurden – darunter der Exzellenzcluster PRISMA+ der JGU. Rund 350 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der JGU und am Helmholtz-Institut Mainz sind an dem Forschungsverbund beteiligt, mit dem die Universität ihre Position als eines der weltweit sichtbarsten Zentren in der Teilchen- und Hadronenphysik nachhaltig stärkt.