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  06.03.2006

Einblick in die Lebenswelt der Zeit Davids

Erfolgreiche Grabungskampagne am See Genesaret

Seit 2002 untersucht ein internationales Team von Archäologen die Ortslage Tell Oreime/Kinneret am Nordwestufer des Sees Gennesaret, darunter Wissenschaftler und Studierende aus Mainz. Die Grabungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass dieser Ort eine herausragende Stellung für die Eisenzeit im ganzen Land innehat. Während an anderen Orten die Städte aufgegeben wurden und stattdessen kleine Siedlungen im Bergland gegründet wurden, entstand hier eine zirka zehn Hektar große Stadtanlage in prominenter Lage. Warum und wie sich die Bewohner der Stadt der allgemeinen Krisenlage mit einem Niedergang des Handels und großen Hungersnöten um 1200 v. Chr. erwehren konnten, wird weiterhin ein Schwerpunkt der Forschungen der nächsten Jahre sein. Für das Jahr 2005 blicken die Forscher erneut auf eine erfolgreiche Grabungskampagne zurück. "Wir haben zwar keine neuen Areale öffnen können, aber dank einer sehr genauen Arbeitsmethodik viele offene Fragen geklärt", sagt Stefan Münger, einer der Grabungsleiter des Teams. "Solch eine Detailarbeit ist sehr zeitaufwändig, aber sie führt auch zu genauen Ergebnissen."

So ist dem internationalen Archäologenteam 2005 der Nachweis gelungen, dass es in der Eisenzeit I (1200 bis 1000 v. Chr.) nicht mehr zwei klar voneinander abgegrenzte Siedlungsschichten gab, sondern einen einzigen Bauhorizont, wobei die Gebäude mehrfach um- oder neuerlich aufgebaut wurden. Besonders ertragreich waren die Ergebnisse in einem kleinen, nur zirka 3,5 mal 2,5 Meter messenden Raum. Hier wurde eine bisher unbekannte Installation, offenbar ein großer, freistehender Keramikcontainer, freigelegt. Im selben Raum fanden sich außerdem rund 20 vollständig restaurierbare Gefäße, aber auch sehr viele Kleinfunde, die einen einzigartigen Einblick in die Lebenswelt der Zeit Davids vermitteln.

Studierende der Fachhochschule Mainz führten Vermessung durch

Ein weiterer Schwerpunkt war der Abschluss der Vermessung des Siedlungshügels und einiger benachbarter Gebiete. Die Vermessung wurde von Studierenden der Fachhochschule Mainz (i3mainz) durchgeführt. Damit wurde auch die Oberflächenuntersuchung vorbereitet, die dieses Jahr einen Schwerpunkt der Untersuchung bilden wird. "Mit Hilfe dieser Untersuchungsmethodik soll geklärt werden, wie die Lebensmöglichkeiten der Menschen in der Antike in Kinneret waren", erläutert Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Zwickel vom Seminar für Altes Testament und Biblische Archäologie des Fachbereichs Evangelische Theologie der Johannes Gutenberg-Universität. "In diesem Zusammenhang sollen auch verstärkt archäobotanische und -zoologische Untersuchungen Berücksichtigung finden."

Die Grabung in Kinneret dient auch der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. 13 Studierende aus Mainz nahmen im vergangenen Jahr an der Grabung teil, wobei sie zu einem großen Teil selbst für die Kosten aufkommen mussten. Aus dem Grabungsetat wurden für Studierende lediglich 50 Prozent der Aufenthalts- und Übernachtungskosten bezahlt, um ihnen die Teilnahme an der Grabung leichter möglich zu machen. Einzelne Teilbereiche der Grabungspublikation sollen zukünftig auch im Rahmen von Abschlussarbeiten des BA-Studiengangs betziehungsweise eines noch zu gestaltenden MA-Studiengangs erarbeitet werden. Zudem liegen allmählich genügend Materialien für die Auswertung in Dissertationen vor. Hierfür sollen in Zukunft weitere Mittel eingeworben werden.

Film über die Grabung auf der Universitätshomepage

Ein Film über die Arbeit auf der Grabung, der 2004 erstellt wurde, kann nun in sechs Einzelstücken heruntergeladen werden. Der Film vermittelt allen Interessierten einen Einblick, wie sich das Leben auf einer Grabung abspielt. Erfreulich ist auch die Presseresonanz auf die Grabung. So wurde im Heft 1/2005 der Zeitschrift "National Geographic" in der Titelstory ausführlich von der Grabung berichtet. Auch in dem im November erschienenen Heft der Zeitschrift "GEOEpoche" wurde die Grabung an prominenter Stelle genannt.

Die Grabungsleitung haben, jeweils im Auftrag der beteiligten Universitäten, Stefan Münger, Dr. habil. Juha Pakka und Dr. habil. Jürgen Zangenberg inne. Unter der Schirmherrschaft der theologischen Fakultäten der Universitäten Bern (Prof. Dr. Walter Dietrich), Helsinki (Prof. Dr. Timo Veijola †) und Mainz (Prof. Dr. Wolfgang Zwickel) sind als weitere Kooperationspartner beteiligt: Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Restaurierung der Kleinfunde); Fachhochschule Mainz, Abteilung Architektur und i3Mainz (Vermessungstechnik); Institut für prähistorische und naturwissenschaftliche Archäologie, Universität Basel (Paläobotanik); Zinman Institute of Archaeology, Universität Haifa (Archäozoologie); Israel Nature and Parks Authority (Konservierung der Architektur). Weiterhin stehen Spezialisten der Universitäten Bochum (Metallurgie), Freiburg/Schweiz (Glyptik), Haifa, Jerusalem und des Weizman Institute (14C-Daterierung, Phönikiaka) sowie der Israel Antiquities Authority (Anthropologie, GPS-Technik) dem Projekt zur Verfügung. Zudem wird das Projekt von verschiedenen naturwissenschaftlichen Instituten der Universität Mainz, vor allem im Bereich der Archäometrie (Archaeoscience), unterstützt.



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Kontakt Kontakt

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Zwickel
Seminar für Altes Testament und Biblische Archäologie
Tel +49 6131 39-20753
E-Mail



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