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27.06.2006
Römische Bauernhöfe unter GetreidefeldernStudenten der Vor- und Frühgeschichte machen LuftbilderDie zurzeit reifenden Getreidefelder zeigen an vielen Stellen Unterschiede in Wuchshöhe und Reifegrad. Nicht selten wird dies durch unter der Erdoberfläche verborgene archäologische Relikte verursacht: Sie beeinflussen die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens. Beispielsweise kann Mauerwerk oder verdichteter Boden weniger Wasser aufnehmen als das umgebende Erdreich. In der Folge können Getreidepflanzen auf solchen Plätzen weniger in ihr Höhenwachstum investieren und reifen schneller. Umgekehrt ist das Erdreich selbst nach Jahrtausenden noch ein besserer Wasserspeicher, wenn es, zum Beispiel mit Humus angereichert, in eine zuvor ausgehobene Grube gefüllt wurde. Hier dauert die Wachstumsphase des Getreides länger, so daß grüne Flecken in gelben Getreidefeldern entstehen. In der Luftbildarchäologie werden solche Wuchsunterschiede zur gezielten Prospektion vor- und frühgeschichtlicher Befunde genutzt. Durch die recht hohen Kosten, die vor allem das benötigte Flugzeug verursacht, bleibt die Vermittlung dieser wichtigen archäologischen Methode in der Lehre deutscher Universitäten allerdings meist in der Theorie stecken. Um so erfreulicher ist es, dass am Samstag, dem 24. Juni 2006, vom Institut für Vor- und Frühgeschichte der Johannes Gutenberg-Universität ein Workshop zur Luftbildarchäologie veranstaltet werden konnte. In Zusammenarbeit mit dem Hessischen Landesamt für Denkmalpflege und dem Aeroclub Gelnhausen e. V. wurden über den Tag verteilt neun Prospektionsflüge durchgeführt. Ort der Veranstaltung war der Finther Flugplatz, geflogen wurde vor allem über dem Gebiet zwischen Worms und Oppenheim. 36 Studenten der Vor- und Frühgeschichte beziehungsweise des B. A.-Studiengangs "Archäologie" war damit die Möglichkeit gegeben, an Bord einer Dornier 27 unter Anleitung selbst Luftbilder anzufertigen. Es entstanden zirka 1.100 Farbdias und 700 Digitalaufnahmen. Letztere wurden gleich vor Ort einer ersten Beurteilung unterzogen. Organisiert hatten den Workshop Claus Bergmann, Dr. Peter Haupt und Johanna Dreßler vom Institut für Vor- und Frühgeschichte sowie Dr. Paul-Michael Dreßler vom Aeroclub Gelnhausen. Bei dem Workshop gelang die Dokumentation römischer Bauernhöfe (villae rusticae), eisenzeitlicher Grabanlagen sowie zahlloser vorgeschichtlicher Siedlungsgruben. Jüngere Epochen trugen mit Sandgruben, Drainagegräben oder auch militärischen Anlagen vom 17. bis zum 20. Jahrhundert bei. Von Interesse war aber auch die Geomorphologie: Vor allem in den Rheinniederungen konnten zum Teil spektakuläre Aufnahmen längst verlandeter Rheinarme gemacht werden. Die Bilder stellen nun den Grundstock eines Luftbildarchivs dar, welches einerseits der Archäologischen Denkmalpflege nützen und andererseits ein wichtiger Bestandteil von Forschung und Lehre am Institut für Vor- und Frühgeschichte sein wird. Wiederholungen des Workshops sind vorgesehen. Ein Beispiel für das schnellere Reifen des Getreides über im Boden befindlichen Mauern ist übrigens aktuell an der römischen Wasserleitung von Mainz zu sehen: Entlang eines Feldweges, der gegenüber der Westpforte des Campus, südlich der Großbaustelle, auf einem leichten Erdwall Richtung Drais zieht, sind von der erhöhten Position des Weges in einigen Feldern die Pfeilerstümpfe des Aquädukts als negative Bewuchsmerkmale zu erkennen. Druckversion |
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| Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 27.06.2006 |
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