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  23.10.2006

Glenn T. Seaborg Award for Nuclear Chemistry für Norbert Trautmann

Betriebsleiter des Mainzer Forschungsreaktors erhält Auszeichnung der American Chemical Society

Dr. Norbert Trautmann, Leitender Akademischer Direktor am Institut für Kernchemie der Johannes Gutenberg-Universität, wird von der American Chemical Society (ACS) mit dem Glenn T. Seaborg Award for Nuclear Chemistry ausgezeichnet. Wie die ACS, die größte berufsständische Organisation für Chemiker in den USA, dazu mitteilte, erhält Dr. Trautmann den Preis für seine Leistungen auf den Gebieten der schnellen chemischen Trennungen und der Lasermassenspektrometrie. Der Präsident der Johannes Gutenberg-Universität, Prof. Dr. Jörg Michaelis, gratulierte zu der Auszeichnung mit dem Hinweis, dass die traditionell starke Mainzer Kernchemie mit dieser Ehrung erneut eine international sichtbare Würdigung erfahre. Dr. Trautmann wird den Glenn T. Seaborg Award for Nuclear Chemistry bei der offiziellen Preisverleihung am 27. März 2007 in Chicago entgegennehmen.

Der Preis ist nach dem amerikanischen Nobelpreisträger Glenn T. Seaborg benannt, der über viele Jahre an der University of California in Berkeley und am Lawrence Berkeley National Laboratory in führenden Positionen tätig war sowie unter zehn amerikanischen Präsidenten als Minister beziehungsweise Berater gedient hat. Die seit 1955 vergebene Auszeichnung ging unter anderem an vier Nobelpreisträger und ist bislang erst an drei Nicht-Amerikaner verliehen worden: 1988 an Günter Herrmann vom Institut für Kernchemie der Universität Mainz, 1997 an Peter Armbruster von der GSI Darmstadt und 1999 an Karl-Ludwig Kratz, wiederum vom Institut für Kernchemie der Universität Mainz.

Norbert Trautmann, geboren 1939 in Straubing, hat an der Johannes Gutenberg-Universität Chemie studiert und anschließend auf dem Gebiet der Kernchemie promoviert. Nach einer Assistenz am damaligen Institut für Anorganische Chemie und Kernchemie der Uni Mainz und einem Postdoc-Aufenthalt bei Glenn Seaborg und Albert Ghiorso am Lawrence Berkeley Laboratory war Trautmann zunächst stellvertretender Betriebsleiter des Forschungsreaktors TRIGA Mainz und ab 1991 für 15 Jahre der Betriebsleiter des Mainzer Reaktors, der als einer von nur zwei Kernreaktoren an einer deutschen Hochschule maßgeblich zur Forschungsleistung und zum Kompetenzerhalt auf dem Gebiet der Kern- und Radiochemie in Deutschland beiträgt.

Markenzeichen der Mainzer Kernchemie ist die Erzeugung kurzlebiger Spalt- und Kernreaktionsprodukte und ihre Untersuchung mit schnellen chemischen Trennverfahren. Bei diesen Verfahren kann ein chemisches Element innerhalb weniger Sekunden aus einem komplexen Gemisch vollautomatisch abgetrennt werden. Trautmann hat zu der Entwicklung dieser Verfahren und ihrer Anwendung bei zahlreichen verschiedenen Elementen wesentlich beigetragen. Im Weiteren war er entscheidend daran beteiligt, die Resonanzionisationsmassenspektrometrie, auch Lasermassenspektrometrie genannt, für Untersuchungen bei den schwersten Elementen zu nutzen. Mit dieser höchst empfindlichen Methode ist eine Ultraspurenanalyse, das heißt der Nachweis auch von kleinsten Mengen bestimmter Elemente, möglich. So kann beispielsweise Plutonium in Umweltproben auch bei äußerst geringem Vorkommen bestimmt werden.

Prof. Dr. Frank Rösch, seit Anfang des Jahres Geschäftsführender Leiter des Instituts für Kernchemie, würdigte die Verdienste Trautmanns als langjähriger TRIGA-Betriebsleiter und Wissenschaftler des Instituts, das auf dem Gebiet der modernen Kern- und Radiochemie zu den besten Einrichtungen weltweit zähle. "Es ist eine besondere Auszeichnung, wenn eine so bedeutende amerikanische Organisation wie die ACS ihre Wertschätzung durch die Vergabe dieses Preises dokumentiert", sagte Rösch. Trautmann ist der erste Wissenschaftler, der die drei sehr angesehenen Preise auf dem Gebiet der Kern- und Radiochemie erhalten hat beziehungsweise erhalten wird: den Fritz-Straßmann-Preis der Fachgruppe Nuklearchemie in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (1984), den Otto-Hahn-Preis der Stadt Frankfurt am Main (1998) und nun im kommenden Jahr den Glenn T. Seaborg Award for Nuclear Chemistry.

Das Institut für Kernchemie an der Universität Mainz besteht seit 1946, der Forschungsreaktor TRIGA Mainz wurde 1965 in Betrieb genommen. Das Institut beschäftigt zwischen 70 und 80 Mitarbeiter, darunter immer auch eine große Zahl von Diplomanden und Doktoranden: So wird derzeit an 25 Diplom- und Doktorarbeiten gearbeitet. Im Mai 2006 wurde mit dem Bau eines neuen Laborgebäudes begonnen, das bis Ende 2007 bezugsbereit sein soll. Dieser Erweiterungsbau wird mit einer hohen technischen Ausstattung und modernsten Sicherheitsstandards versehen. Bei einer Hauptnutzfläche von 570 Quadratmetern betragen die Gesamtbaukosten für das neue Institutsgebäude rund 11,2 Millionen Euro.



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