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  16.06.2007

60 Jahre Kinderheilkunde "Made in Mainz"

Die Uni-Kinderklinik feiert mit einem Symposium

Rückblick und Ausblick auf medizinische Innovationen in der Kinderheilkunde

Vor etwas mehr als 60 Jahren wurde die Universitätskinderklinik in Mainz gegründet. Seither haben sich in der Kinderheilkunde entscheidende Entwicklungen vollzogen, die ohne die Gründung der Mainzer Kinderklinik nicht denkbar gewesen wären: etwa auf dem Gebiet der Impfungen, der Kinderkrebsbehandlung, der Intensiv- und der Frühgeborenenmedizin, der Präventivpädiatrie und der Neuropädiatrie. Auch wurde in Mainz der erste Klinikkindergarten Europas und die erste Klinikschule Deutschlands für die kleinen Patienten eröffnet. Mit einem Jubiläumssymposium feiert das heutige „Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin“ des Klinikums der Johannes Gutenberg-Universität Mainz am Samstag, den 16. Juni 2007, seinen 60. Geburtstag.

Vor rund 60 Jahren begann mit der Wiedereröffnung der medizinischen Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im November 1946 die Geschichte der Universitätskinderklinik. Unter Prof. Dr. Alfred Nitschke wurden damals hauptsächlich Infektionen, Ernährungsstörungen, Tuberkulose und Diphtherie behandelt. 30 Schwestern, ein elfköpfiges Ärzteteam und ebenso viele Volontärärzte kümmerten sich um die kleinen Patienten. Die 210 Betten waren damals auf verschiedene Stationen und in unterschiedlichen Gebäuden der Uniklinik auf dem Campus in der Langenbeckstraße verteilt und immer belegt.

Sowohl die medizinische als auch die strukturelle Weiterentwicklung der Universitätskinderklinik schreiten seither bis heute konstant voran. In den fünfziger Jahren wurde aufgrund der langen Liegedauer und der eingeschränkten Besuchszeiten der erste Klinikkindergarten Europas und einige Monate später auch die erste Klinikschule Deutschlands ins Leben gerufen. Bereits Ende der fünfziger Jahre wurde der Schwerpunkt der Kinderkrebsforschung etabliert – was seither als Beginn der pädiatrischen Onkologie in Deutschland gilt. Heute ist die Universitätskinderklinik eines der größten deutschen Kinderkrebszentren hier werden derzeit rund 2.000 Patienten betreut.

Die Eröffnung der ersten Kinderintensivstation Deutschlands folgte 1965. Der ehemalige Oberarzt der Kinderintensivstation und leitende Oberarzt der Kinderklinik Prof. Dr. Dr. h.c. Bodo-Knut Jüngst hat die Anfänge miterlebt: „Damals, vor mehr als 40 Jahren, spielten Infektionskrankheiten, Unfälle und Vergiftungen eine große Rolle.“ Heute werden auf der interdisziplinären Intensivstation vor allem Notfälle im Säuglings- und Kindesalter, Kinder, die nach Unfällen Brand- und Kopfverletzungen erlitten haben sowie solche Patienten versorgt, die eine schwere Operation hinter sich haben. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Betreuung herzkranker Kinder und Patienten nach neurochirurgischen Eingriffen. Nur zwei Jahre später, 1967, wurde mit dem Beginn der Kinderkardiologie in Mainz ein weiterer Grundstein für die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendmedizin gelegt.

Auch weitere medizinische Innovationen sind „Made in Mainz“. So war Mainz einer der Standorte, die aktiv die Entwicklung neuer Keuchhusten-Impfstoffe vorangetrieben haben. Gegen diese Krankheit gab es bis in die neunziger Jahre keinen allgemein akzeptierten Impfstoff. Daneben haben Mainzer Kinderärzte Impfstoffe gegen Windpocken und Kombinationsimpfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln klinisch mitentwickelt. Ebenso konnte ein weltweit einzigartiger Test zum Nachweis aller Erreger von Atemwegsinfektionen konzipiert werden.

„Dies sind nur einige, aber entscheidende Ereignisse aus der Geschichte, welche die Kinder- und Jugendmedizin mit geprägt und zu dem gemacht haben, was sie heute ist“, erinnert sich der Zeitzeuge Jüngst.

Ein eigenes Gebäude erhielt die Universitätskinderklinik schließlich 1995. Unter dem Namen „Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin“ zeigt sich heute am Mainzer Uniklinikum eine moderne, vielseitige und leistungsfähige Einrichtung mit 150 Betten, an der praktisch alle Krankheiten des Kindesalters behandelt werden. Jährlich werden in der Klinik bis zu 20.000 junge Patienten stationär und ambulant versorgt.

Heute sieht der Leiter des Zentrums für Kinder und Jugendmedizin, Prof. Dr. Fred Zepp, die Zukunft seines Faches in einem tiefgreifenden Wandel: „Die aktuelle Gesundheitsgesetzgebung in Deutschland, insbesondere die Einführung der DRG-Fallpauschalen, hat die Krankenhäuser vor Finanzierungsprobleme gestellt. Gerade der hohe personelle Aufwand in der Betreuung von Kindern wird mit den DRGs zurzeit nur unzureichend refinanziert. Die dadurch ausbleibenden Erträge zwingen die Kinderkliniken zu Umstrukturierungen und Veränderungen ihres Leistungsangebotes.“ Andererseits liefert gerade die Kinder- und Jugendmedizin entscheidende Grundlagen für Gesundheit und Lebensqualität im Erwachsenenalter und damit einen wichtigen Beitrag zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen über das Kinder- und Jugendalter hinaus. „Über die kompetente Behandlung von Krankheiten im Kindes- und Jugendalter hinaus, ist die Prävention, also die Verhütung von Erkrankungen und Entwicklungsstörungen, die zentrale Aufgabe einer modernen Kinderheilkunde“, beschreibt Prof. Dr. Fred Zepp die Forschungsschwerpunkte seiner Klinik. „In der aktuellen gesundheitspolitischen Diskussion hat präventive Medizin einen herausragenden Stellenwert. In keiner anderen medizinischen Disziplin kann durch Prävention heute und in Zukunft so viel Gesundheitsvorsorge für alle Altersgruppen unserer Gesellschaft erzielt werden.“



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Caroline Hänsch
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Foto: Peter Pulkowski
Lupe
Foto: Peter Pulkowski
Prof. Jüngst (sitzend) und Prof. Zepp (Direktor der Kinderklinik)



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