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  19.06.2007

Gravierende negative Folgen für Mainzer City und Umlandgemeinden zu erwarten

Mainzer Wirtschaftsgeograph warnt vor Ansiedlung von Globus in Hechtsheim

"Die Ansiedlung von Globus wäre ein schwerer Fehler. Der erwartete finanzielle Nutzen für den städtischen Haushalt wird bei weitem übertroffen durch den Schaden für die zukünftige Stadtentwicklung!" Zu diesem Ergebnis kommt Prof. Günter Meyer, Wirtschaftsgeograph an der Johannes Gutenberg-Universität, der seit vielen Jahren die Einzelhandelsentwicklung in Mainz und Umgebung wissenschaftlich untersucht.

Meyer warnt vor allem vor der Größe des cityrelevanten Angebots, das auf der "Grünen Wiese" geplant ist. "Wenn es zur Errichtung von Globus im Hechtsheimer Gewerbegebiet kommt, werden in diesem SB-Warenhaus mit einer Verkaufsfläche von rund 11.000 Quadratmetern keineswegs nur Lebensmittel angeboten. Zum Angebot der bisher 37 Globus-Märkte gehören auch modische Bekleidung, Elektrogeräte, Bücher, Freizeitartikel und andere Waren, die cityrelevant sind und damit eine Konkurrenz zum innerstädtischen Einzelhandel bilden."

Neben Globus ist die Ansiedlung von Möbel Martin geplant. Üblicherweise werden in solchen Betrieben etwa 10 Prozent der Fläche für Nebensortimente genehmigt. Bei wissenschaftlichen Studien in anderen Städten hat sich jedoch immer wieder gezeigt, dass die cityrelevanten Nebensortimente der Möbelfachmärkte - Textilien, Haushaltszubehör, Glas- und Keramikartikel, Spielwaren, Geschenkartikel etc. - erheblich ausgeweitet wurden. Diese Nebensortimente gelten mittlerweile deutschlandweit in der Stadtplanung als eines der größten Probleme für den innerstädtischen Einzelhandel. Der Wirtschaftsgeograph befürchtet deshalb, dass im Hechtsheimer Gewerbegebiet cityrelevante Waren auf insgesamt bis zu 8000 Quadratmetern Verkaufsfläche angeboten werden könnten: "Durch die Kombination dieser beiden Publikumsmagneten entsteht eine kritische Größenordnung auf der "Grünen Wiese", die in erheblichem Maße Kaufkraft aus der Innenstadt abziehen wird."

"Der City-Einzelhandel wird die neue Konkurrenz besonders an den Samstagen zu spüren bekommen", prophezeit Meyer: "Die Kunden aus den äußeren Stadtteilen und dem Umland werden es sich überlegen, warum sie noch zum Einkaufen in die Innenstadt fahren und Parkgebühren zahlen sollen, wenn sie die gewünschten Waren auch in Hechtsheim bekommen können. Dort sind die Parkplätze kostenlos. Viele werden dorthin auch schon allein wegen der niedrigen Benzinpreisen fahren, mit denen Globus an seinen Standorten erfolgreich wirbt. Und nach dem Einkauf kann man auch noch das sehr preisgünstige gastronomische Angebot nutzen. Es sind diese Kopplungsmöglichkeiten, wodurch die geplante Einzelhandelsballung zu einer gefährlichen Konkurrenz für die City wird".

Bisher ist es gelungen, mit Hilfe des "Zentrenkonzepts" die Ansiedlung von großflächigen Einzelhandelsbetrieben in den äußeren Stadtteilen zu steuern. In Übereinstimmung mit bewährten stadt- und raumplanerischen Grundprinzipien konnte so der Einzelhandel im Stadtzentrum und in den Stadtteilen vor einer ausufernden Konkurrenz auf der "Grünen Wiese" geschützt werden. Wird dieser Kurs aufgegeben, ist ein erheblicher Kaufkraftabfluss aus der Innenstadt zu erwarten mit gravierenden negativen Folgen besonders für die Läden in den Randlagen der City, wie zahllose Beispiele aus anderen Städten zeigen.

Die Verlierer werden aber nicht nur die innerstädtischen Einzelhändler sein, sondern vor allem die Geschäfte in den südlichen Stadtteilen von Mainz. Bisher hat die Stadtverwaltung die Politik verfolgt, dass sich großflächige Einzelhandelsbetriebe des täglichen Bedarfs möglichst nur innerhalb oder zumindest am Rande von Wohngebieten ansiedeln durften. Die Lebensmitteldiscounter und Supermärkte wurden quasi gezwungen, an diesen Standorten die relativ hohen Bodenpreise zu bezahlen, um so eine wohnartnahe Grundversorgung der Bevölkerung zu sichern. "Solange für alle die gleichen Bedingungen galten, wurde das akzeptiert", erläutert Meyer. "Und jetzt soll plötzlich der rote Teppich ausgerollt werden für einen Großbetrieb, der sich zu wesentlich günstigeren Bedingungen am äußersten Stadtrand weit weg von den Wohngebieten ansiedeln kann? Die Folgen für die wohnortnahe Versorgung wird vor allem die Bretzenheimer, Hechtsheimer, Weisenauer und Laubenheimer Bevölkerung zu spüren bekommen, wenn in den dortigen Ortskernen viele der kleineren Geschäfte schließen müssen, weil ihre Kunden lieber im billigeren Globus einkaufen".

Mit Sorge sieht der Wirtschaftsgeograph die zukünftige Entwicklung in Ebersheim, wo gerade die Grundversorgung der Einwohner durch zwei größere Einzelhandelsbetriebe im Ortszentrum gestärkt werden soll. "Welcher Unternehmer wäre bereit, dort ein Geschäft zu eröffnen, wenn er weiß, dass die meisten seiner potentiellen Kunden täglich auf dem Weg nach Mainz und zurück am Globus vorbeifahren?"

Mit ähnlich schwerwiegenden Problemen ist auch für andere Gemeinden zu rechnen, die im südlichen Pendler-Einzugsgebiet von Mainz liegen, insbesondere für Nieder-Olm und die Verbandsgemeinde Bodenheim. "Führt man sich vor Augen, dass die Stadtspitze alles daran gesetzt hat, um in den benachbarten Gemeinden die Ansiedlung wesentlich kleinerer Einzelhandelbetriebe zu verhindern, dann grenzt es schon an Zynismus, wenn jetzt die Stadt Mainz mit dem Globus das praktiziert, wogegen sie bei den Nachbarn gekämpft hat", kritisiert Meyer und weist nachdrücklich auf die Probleme für die weitere Stadtplanung hin: "Wenn die Stadt Mainz dem Hechtsheimer Projekt zustimmt, wird es nach diesem "Sündenfall" wesentlich schwerer, sich gegen zukünftige Ansiedlungspläne von Großbetrieben des Einzelhandels jenseits der Stadtgrenze zu wehren. Dem weiteren Kaufkraftabfluss auf die "Grüne Wiese" - besonders auf die Wiesbadener Rheinseite - wären damit Tür und Tor geöffnet."

Die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten repräsentativen Studie zum Einkaufsverhalten der Bevölkerung im Einzugsgebiet der Rhein Main Presse liefern einen wichtigen Hinweis für die Dimension des Kaufkraftabzugs, der durch die Ansiedlung von Globus in Hechtsheim droht. So hat die Globus-Filiale in Gensingen diesen kleinen Ort mit gerade einmal 3000 Einwohnern nach Mainz, Wiesbaden, Frankfurt und Worms zum fünftwichtigsten Einkaufsort in der Region Rhein-Main mit 1,1 Mio. Einwohnern gemacht. 17 Prozent der Konsumenten im gesamten Erhebungsgebiet kaufen dort ein.

Abschließend greift der Wirtschaftsgeograph das Argument auf, dass man nach der Übernahme der Filialen von Wal-Mart durch Real den Mainzer Verbrauchern eine Alternative bieten müsse, damit sie nicht von einem Monopolisten abhängig sind: "Für den Lebensmittelbereich kann ein solches Argument auf keinen Fall gelten, wie der massive Wettbewerb zwischen Real und den zahlreichen anderen Discountern und Supermärkten im Mainzer Stadtgebiet zeigt. Noch verfügen die Stadtteile über eine hervorragende Versorgungsstruktur, aber das wird sich ändern, wenn die durch Globus zu erwartenden Umsatzeinbußen etliche Betriebe zur Schließung zwingen".

Als Fazit bleibt aus der Sicht des Wirtschaftsgeographen die dringende Empfehlung, auf die Ansiedlung von Globus und Möbel Martin zu verzichten. Anderenfalls droht ein nicht wieder gut zu machender Schaden für die Mainzer City, die Stadtteilversorgung und die Einzelhandelsstruktur der Umlandgemeinden. Der durch das Hechtsheimer Projekt erwartete finanzielle Nutzen und die damit verbundene Schaffung von neuen Arbeitsplätzen würde um ein Mehrfaches übertroffen durch die negativen Folgen für die Stadtentwicklung und den Verlust an Arbeitsplätzen in jenen Einzelhandelsbetrieben, die der neuen Konkurrenz nicht gewachsen sind.

"Es gibt bereits zu viele Städte, die bewährte Konzepte der Stadtplanung ignorierten, weil sie sich durch die Ansiedlung des großflächigen Einzelhandels auf der "Grünen Wiese" hohe Einnahmen versprachen, und dann den Niedergang ihres Stadtzentrums und der Stadtteilversorgung beklagen mussten. Mainz sollte nicht den gleichen Fehler begehen und der finanziellen Versuchung widerstehen.



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Prof. Dr. Günter Meyer
Geographisches Institut
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