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  23.07.2007

Globus keine Bedrohung für Mainzer Metzgereien und Innenstadt?

Wirtschaftsgeograph der Johannes Gutenberg-Universität Mainz widerspricht Behauptungen der SB-Warenhauskette

In ihrer jüngsten Presseerklärung behauptet die SB-Warenhauskette Globus, das in Hechtsheim geplante SB-Warenhaus stelle keine Gefahr für die Metzgereien in Mainz dar. Belegt wird dies mit der Feststellung, dass Metzgereien selbst in unmittelbarer Nähe anderer Globus-Standorte ein Auskommen hätten. Nach Ansicht des Mainzer Wirtschaftsgeographen Prof. Günter Meyer verschweigt das Unternehmen dabei, dass sich das Angebot jener Metzgereien massiv unterscheidet von den Fleisch- und Wurstwaren der vielen kleinen Handwerksbetriebe in den Mainzer Stadtteilen. Die Metzgereifilialen in den Ladenzeilen, die den Kassenzonen der Globus-Märkte vorgelagert sind, bieten zu einem großen Teil Fleischspeisen an, die für den sofortigen Verzehr bestimmt sind; solche Betriebe haben also vor allem einen Imbiss-Charakter und profitieren unmittelbar von der hohen Kundenzahl des SB-Warenhauses.

Ganz anders dagegen die Situation der kleinen Metzgereien, die mit einer durchschnittlichen Verkaufsfläche von 31 Quadratmetern einen wichtigen Beitrag für die wohnungsnahe Grundversorgung in den Mainzer Stadtteilen leisten. Das Überleben dieser Betriebe hängt entscheidend von der Treue ihrer Stammkunden ab, die in der näheren Umgebung wohnen. Genau diese Kundentreue ist in höchstem Maße gefährdet, wenn Globus wie angekündigt eine Fleischabteilung von mehr als 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche eröffnet. Wie sollen sich die 49 kleinen Metzgereibetriebe im Mainzer Stadtgebiet, die alle zusammengenommen eine Verkaufsfläche von nur 1514 Quadratmetern aufweisen, gegenüber dem Giganten auf der Grünen Wiese behaupten?

Wie sich in anderen Städten gezeigt hat, werden die motorisierten Stammkunden der Metzgereien scharenweise ihre Großeinkäufe an Lebensmittel bei Globus tätigen und dort auch die besonders preisgünstigen Wurst- und Fleischwaren einkaufen. Aufgrund des Massenabsatzes kann Globus konkurrenzlos niedrige Preise anbieten. Bei diesen Waren ist an dem geplanten Standort im Hechtsheimer Gewerbegebiet ein Umsatz von mindestens fünf Millionen Euro zu erwarten, die zu einem großen Teil in den Kassen der jetzt schon vielfach ums Überleben kämpfenden kleinen Metzgereibetriebe fehlen und letztlich in vielen Fällen deren Schließung zur Folge haben werden. Die Verlierer werden nicht nur die dann arbeitslosen ehemaligen Beschäftigten in den Metzgereien, sondern ebenso die nicht motorisieren Einwohner der Stadtteile sein, die einen Teil ihrer Grundversorgung in fußläufiger Entfernung verlieren – vor allem ältere Menschen werden davon betroffen sein. Schon jetzt weisen viele Stadtteilzentren in Mainz eine hohe Leerstandsrate auf. Kommen neue Leerstände durch die Schließung der Metzgereien hinzu, so verlieren die Stadtteilzentren weiter an Attraktivität und weniger Kunden kommen dorthin, weil die Koppelungsmöglichkeiten beim Einkaufen fehlen. Das Ergebnis ist eine negative Spirale der Einzelhandelsentwicklung, der nach und nach immer mehr Stadtteilgeschäfte zum Opfer fallen werden.

Der Globus-Sprecher Thomas Wiener trat außerdem vehement Befürchtungen entgegen, "dass der Handel speziell in der Innenstadt nicht überlebt, wenn Globus kommt". An allen Globus-Standorten in Rheinland-Pfalz befinde sich schließlich "ausreichender Handel in der Innenstadt". Diese Feststellung relativiert Prof. Meyer: "Selbstverständlich wird der Einzelhandel in der Mainzer Innenstadt überleben – aber viele der kleineren Inhaber geführten Geschäfte werden auf der Strecke bleiben". Angesichts der fortschreitenden Ausbreitung der Kettenläden in allen Stadtzentren Deutschlands sind es gerade die kleinen selbständigen Einzelhandelsbetriebe, die in erheblichem Maße den Charme und die Attraktivität der Innenstädte ausmachen. Einen Umsatzrückgang von mehr zehn Prozent können die meisten dieser Betriebe nicht verkraften. Genau das droht ihnen jedoch, wenn Globus mit seinem innenstadtrelevanten Angebot einen erheblichen Teil der Kaufkraft aus dem Stadtzentrum auf die Grüne Wiese umleitet.

Besonders gravierend wird sich dies an den Wochenenden bemerkbar machen. An den Samstagen werden im Durchschnitt etwa 25 Prozent des gesamten Wochenumsatzes im innerstädtischen Einzelhandel getätigt. Die Kunden aus den äußeren Stadtteilen und dem Umland werden es sich überlegen, warum sie noch zum Einkaufen in die Innenstadt fahren und Parkgebühren zahlen sollen, wenn sie die gewünschten Waren auch in Hechtsheim bekommen können. Dort sind die Parkplätze kostenlos. Viele werden dorthin auch schon allein wegen der niedrigen Benzinpreisen fahren, mit denen Globus an seinen Standorten erfolgreich wirbt. Und nach dem Einkauf kann man auch noch das sehr preisgünstige gastronomische Angebot nutzen. Es sind diese Kopplungsmöglichkeiten, wodurch die geplante Einzelhandelsballung zu einer gefährlichen Konkurrenz für die City wird.

"Mittelfristig wird der mit der Globus-Ansiedlung verbundene Kaufkraftabfluss zur Schließung zahlreicher kleiner Geschäfte in der Mainzer Innenstadt führen. Die Leerstandsrate wird steigen und ebenso die Zahl der Ramschläden. Alle diejenigen Konsumenten, die erwarten, dass sie bei einem Einkauf im geplanten Globus auf der Grünen Wiese ein paar Euro sparen können, sollten die Konsequenzen des Niedergangs der Stadtteilversorgung und des Attraktivitätsverlusts des Mainzer Stadtzentrums bedenken", warnt Meyer.



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Prof. Dr. Günter Meyer
Geographisches Institut
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
D 55099 Mainz
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