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  27.11.2007

Der Wert der Familie in Deutschland im 20. Jahrhundert

DFG bewilligt 191.000 Euro für Forschungsprojekt am Historischen Seminar

Ein großbürgerliches Familienoberhaupt im Jahr 1921 hätte sich kaum vorstellen können, dass ein Dreivierteljahrhundert später unter demselben Dach eine WG, ein Doppelverdienerpaar ohne Kinder, eine Patchwork-Familie und ein homosexuelles Paar zusammenleben würden. Dass solches heute als bundesdeutsche Normalität weitgehend akzeptiert wird, verweist auf grundlegende sozialkulturelle Veränderungsprozesse im 20. Jahrhundert, die in der Geschichtsschreibung zunehmend thematisiert und diskutiert werden.

Die langfristige Entwicklung der Werte allerdings liegt – jenseits pauschaler Vermutungen – weitgehend im Dunkeln. Die sozialwissenschaftliche Wertewandelsforschung hat nur Aussagen über das letzte Drittel des 20. Jahrhunderts machen können, während sich die historische Erforschung bürgerlicher Werte auf die Zeit vor 1914 konzentriert hat. Dabei sind es gerade diese bürgerlichen Werte, die von den Sozialwissenschaften als zentraler Gegenstandsbereich des Wertewandels seit den 1960er Jahren identifiziert worden sind.

Das Projekt einer Historischen Wertewandelsforschung führt zentrale offene Fragen der sozialwissenschaftlichen Wertewandelsforschung und der historischen Forschung in einer eigenen historisch-diachronen Perspektive zusammen. Es sucht historische Antworten auf die zugleich höchst aktuelle Frage, ob die bürgerlichen Werte in Deutschland im 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart ihre Bedeutung verloren oder ihre Gestalt gewandelt haben. Untersucht werden phänomenologische Entwicklungen, die Mechanismen von Wertewandel sowie seine Ursachen und die Beziehung zu politisch-sozialen und sozialkulturellen Prozessen.

Das zunächst auf eine Laufzeit von drei Jahren angelegte Mainzer Projekt, für das die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 191.000,-- € bereitgestellt hat, wählt als exemplarischen Gegenstand zunächst die Familie, worunter nicht nur die „bürgerliche Familie“, sondern allgemein Formen intergenerationeller Lebensgemeinschaften verstanden werden. Konzeptionell schließt dieses Projekt an das sozialphilosophische Werteverständnis von Hans Joas an, der die Bedeutung der Werte in einem dreiseitigen, wechselseitig kausalen Wirkungsgefüge mit sozialen Praktiken und Institutionen verortet. Diesen Wirkungszusammenhang im Hinblick auf Familienwerte im Längsschnitt des 20. Jahrhunderts zu erkunden, ist das Erkenntnisziel des Projekts. Von diesem Kern aus eröffnen sich thematische und räumliche Erweiterungsperspektiven für eine breite historisch-empirische Wertewandelsforschung, die den Wertewandel in ein Verhältnis zu allgemeinen gesellschaftlichen, politischen, kulturellen sowie ökonomischen Wandlungsprozessen setzt.



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Prof. Dr. Andreas Rödder
Historisches Seminar Abt. IV
Tel +49 6131 39-25680
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