Univ.-Prof. Dr. MATTHIAS KRINGS
Professor für Ethnologie und Afrikastudien
Matthias Krings, 1967 in Darmstadt geboren, studierte Ethnologie, Afrikanische Philologie und deutsche Volkskunde an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Im Anschluss an seinen Magisterabschluss war er zunächst wissenschaftliche Hilfskraft mit Abschluss und folgend wissenschaftlicher Mitarbeiter am Sonderforschungsbereich 268 "Kulturentwicklung und Sprachgeschichte im Naturraum Westafrikanische Savanne" an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Dort arbeitete er am Projekt "Gemeinschaftsbildende Faktoren in Siedlungsneugründungen am Tschadsee". Gleichzeitig promovierte er an der Johann Wolfgang Goethe-Universität und erlangte 2002 seinen Doktortitel mit der Arbeit "Siedler am Tschadsee. Hausa-Migranten und die Aneignung lokaler Ressourcen im ländlichen Nigeria". Danach wechselte Krings an die Universität zu Köln, wo er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kulturwissenschaftlichen Forschungskolleg "Medien und Kulturelle Kommunikation" arbeitete. Im Jahr 2005 wurde Krings zum Juniorprofessor für Ethnologie und Populäre Kultur Afrikas am Institut für Ethnologie und Afrikastudien der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ernannt, bevor er dort zum Universitätsprofessor auf Lebenszeit berufen wurde.
Krings wissenschaftliche Arbeiten und Forschungen konzentrieren sich hauptsächlich auf die Gebiete Westafrika und Ostafrika. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören Film und Video in Afrika, Medienethnologie, Migrations- und Diasporaforschung sowie Religionsethnologie. Krings gilt international als einer der Experten im Bereich der populären Kultur und des Films in Afrika. Seine Arbeiten zeichnen sich durch gelungene Synthese von Theorie und Empirie aus. Er wirft neue theoretische Fragestellungen im Bereich der Medienforschung auf, die in der Ethnologie erst seit kurzer Zeit relevant ist, und verankert seine Analysen in umfassender Feldarbeit. Aktuell interessiert er sich v.a. für die Re-Mediatisierung von Filmen durch afrikanische Kinoerzähler und arbeitet an einer Buchpublikation zur Lokalisierung fremder Medienformate und deren Aneignung in Afrika ("Contact and Copy: Mediations of Cultural Difference in Africa"). Intensive Feldforschungserfahrungen hat er in Nigeria und in jüngerer Zeit auch in Tansania gesammelt.
An der JGU engagiert sich Krings im Forschungszentrum Sozial- und Kulturwissenschaften Mainz (SOCUM). Mit der AG 1 des Zentrums ist er zurzeit mit der Ausarbeitung eines Forschergruppenantrags zum Thema "Menschensorten: Praktiken sozialer Kategorisierung und das Spiel kultureller Unterscheidungen" befasst. Im Rahmen des Mainzer Forschungsschwerpunkts Medienkonvergenz hat er die stellvertretende Leitung der interdisziplinären AG "Transmediales Erzählen" übernommen und arbeitet in diesem Zusammenhang mit den Kollegen Univ.-Prof. Dr. Karl Renner (Institut Publizistik) und Univ-Prof. Dr. Dagmar von Hoff (Deutsches Institut) an der Herausgabe eines Sammelbandes mit ersten interdisziplinären Forschungsergebnissen. Mit Renner und Univ.-Prof. Dr. Anton Escher (Geographisches Institut) leitet Krings seit 2010 außerdem eine interdisziplinäre, von der Mainzer universitären Förderlinie I finanzierte Doktorandengruppe, in der 3 Doktoranden und ein Post-Doc zum Thema "Audiovisuelle Kommunikation als wissenschaftliche Methode sozial- und kulturwissenschaftlicher Disziplinen" arbeiten.
Innerhalb des Instituts für Ethnologie und Afrikastudien ist Krings auch für das "Archiv für die Musik Afrikas" (AMA) verantwortlich, das eine deutschlandweit einzigartige Sammlung moderner afrikanischer Musik auf über 10.000 Tonträgern beherbergt. Gemeinsam mit dem Leiter des Archivs, Dr. Hauke Dorsch, hat Krings sich zum Ziel gesetzt, die musikalischen Schätze durch ein umfassendes Katalogisierungs- und Digitalisierungsprojekt der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die bereits angelaufene Katalogisierungsmaßnahme wird durch die Universitätsbibliothek unterstützt. Als neu gewählter Studiengangbeauftragter für den BA-Studiengang "Ethnologie und Afrikastudien" und den Master-Studiengang "Ethnologie" freut sich Matthias Krings darauf, aktiv an der Organisation der universitären Lehre zu partizipieren und sieht seinen neuen Führungsaufgaben mit Begeisterung entgegen.
Wissenschaftlicher Werdegang
Oktober 2011Berufung zum Universitätsprofessor auf Lebenszeit für Ethnologie und Populäre Kultur Afrikas an die Johannes Gutenberg-Universität Mainz
2005-2011
Juniorprofessor für Ethnologie und Populäre Kultur Afrikas am Institut für Ethnologie und Afrikastudien an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
2003-2005
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kulturwissenschaftlichen Forschungskolleg "Medien und Kulturelle Kommunikation" SFB/FK 427 an der Universität zu Köln
Projekte: "Lokale Medienpraxen und -diskurse I und II: Kassettenkultur und Horrorfilme in Nigeria / Nigerianische Videofilmproduktion und Agency"
2002
Promotion an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Titel der Dissertation: "Siedler am Tschadsee. Hausa-Migranten und die Aneignung lokaler Ressourcen im ländlichen Nigeria" (publiziert 2004 im Köppe-Verlag, Köln)
1997-2002
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Sonderforschungsbereich 268 "Kulturentwicklung und Sprachgeschichte im Naturraum Westafrikanische Savanne" an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Projekt: "Gemeinschaftsbildende Faktoren in Siedlungsneugründungen am Tschadsee" (I u. II)
1996
Wissenschaftliche Hilfskraft mit Abschluss am Sonderforschungsbereich 268 "Kulturentwicklung und Sprachgeschichte im Naturraum Westafrikanische Savanne" an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
1996
Magister-Abschluss
Titel der Magisterarbeit: "Geister des Feuers. Zur Imagination des Fremden im Bori-Kult der Hausa" (publiziert 1997 im Lit-Verlag, Münster und Hamburg)
1989-1996
Studium der Ethnologie, Afrikanischen Philologie und deutschen Volkskunde an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Forschungsschwerpunkte
- Populäre Kultur in Afrika
- Medienethnologie
- Migrations- und Diasporaforschung
- Religionsethnologie
Publikationen (Auswahl)
- Nigerianische Emails, ethnologische Lektüren, in: Nikolaus Schareika, Eva Spies und Pierre‐Yves Le Meur (Hg.): Auf dem Boden der Tatsachen. Festschrift für Thomas Bierschenk. Köln: Köppe, 2011, S. 91-108.
- Mit Speer in der Stadt. Abenteuerliche Moderne im Fotoroman der 1960er Jahre, in: Kerstin Pinther, Larissa Förster u. Christian Hanussek (Hg.): Afropolis. Stadt, Medien, Kunst. Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König, 2010,S. 158-165.
- A prequel to Nollywood: South African photo novels and their pan-African consumption in the late 1960s, in: Journal of African Cultural Studies 22,1 (2010): 75-89.
- Nollywood goes East. The localization of Nigerian video films in Tanzania, in: Mahir Saul & Ralph A. Austen (Hg.): Viewing African Cinema in the Twenty-First Century: Art Films and the Nollywood Video Revolution. Athens OH: Ohio University Press, 2010, S. 74-91.
- Turning rice into pilau. The art of video narration in Tanzania, in: Intermédialités No. 4, 2009
- Black Titanic. African-American and African Appropriations of the White Star Liner, in: Carmen Birkle u. Nicole Waller (Hg.): "The Sea is History": Exploring the Atlantic. Heidelberg: Universitätsverlag Winter, 2009, S. 25-43.
- Marke "Osama". Über Kommunikation und Kommerz mit Bin-Laden-Bildern in Nigeria, in: Peripherie Nr. 113, 29. Jg. (2009): 31-55.
- Die Glieder der Gesellschaft. Bruchstücke ritueller Obszönität aus dem Hausaland, in: Volker Gottowik, Holger Jebens u. Editha Platte (Hg.): Zwischen Aneignung und Verfremdung. Ethnologische Gratwanderungen (Festschrift für Karl-Heinz Kohl). Frankfurt u. New York: Campus, 2009, S. 453-469.
- Conversion on Screen. A Glimpse at Popular Islamic Imaginations in Northern Nigeria, in: Africa Today 54,4 (2008): 44-68.
- Muslim Martyrs and Pagan Vampires: Popular Video Films and the Propagation of Religion in Northern Nigeria, in: Postscripts - The Journal of Sacred Texts and Contemporary Worlds 1,2-3 (2005): 183-205.
- Verführung oder Bekehrung? Zensur und Islam in nordnigerianischen Videodiskursen, in: Sociologus 55,1 (2005): 61-88.
