Univ.-Prof. Dr. CHRISTOF NIEHRS
Professor für Zell- und Entwicklungsbiologie
Direktor des Instituts für Molekulare Biologie (IMB)
Christof Niehrs, 1962 in Berlin-West geboren, studierte von 1981-1985 Biochemie an der Freien Universität Berlin. Nach erfolgreichem Diplomabschluss wechselte er für sein Promotionsstudium ans European Molecular Biology Laboratory der Universität Heidelberg. Hier arbeitete er bis 1990 an seiner erfolgreich abgeschlossenen Dissertation "Charakterisierung und Reinigung von Tyrosylprotein Sulfotransferase", aus der bereits einige weitere Publikationen in renommierten Fachzeitschriften resultierten, bevor er als Postdoktorand an die University of California Los Angeles wechselte, um an entwicklungsspezifischen Genen von Xenopus zu forschen. Auch hier arbeitete Niehrs an mehreren Publikationen, die in Journalen mit den höchsten in der Biologie verfügbaren Impact-Faktoren veröffentlicht wurden, wie z.B. Science, Cell oder The EMBO Journal.
Im Jahr 1993 kehrte Niehrs nach Heidelberg zurück und übernahm 1994 die Leitung der Abteilung für Molekulare Embryologie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Seine Habilitation im Fach Zoologie im Fachbereich Biologie der Universität Heidelberg erfolgte 1997. Nur drei Jahre später wurde Niehrs auf eine C4-Professur für Molekulare Embryologie an die Universität Heidelberg und das DKFZ berufen. Hier wurde ihm 2004 die Koordination des DKFZ-Forschungsprogramms Zell- und Tumorbiologie mit Verantwortung für 16 Abteilungen mit rund 300 Angestellten übertragen. Im Jahr 2006 übernahm er zudem den Vorsitz des Wissenschaftlichen Rats am Deutschen Krebsforschungszentrum.
Mit seinen bisherigen Forschungsarbeiten hat Niehrs sich insbesondere auf molekulare Mechanismen der frühen Entwicklung in Amphibien und Säugern konzentriert und u.a. maßgeblich zur Aufklärung der molekularen Natur des Spemannschen-Organisators beigetragen. In seinen neueren Arbeiten widmet sich der renommierte Zell- und Entwicklungsbiologe dem hoch aktuellen Forschungsgebiet der Epigenetik und den Mechanismen der DNA-Methylierung bzw. Demethylierung. Es war lange unklar, wie DNA-Demethylierung erzielt wird und welche Rolle sie für Differenzierungsprozesse spielt. Die Arbeiten in Niehrs‘ Labor haben mittlerweile gezeigt, dass die Demethylierung mittels eines DNA-Reparatur-Mechanismus erfolgt, der methyliertes Cytosin ausscheidet und durch unmethylisiertes Cytosin ersetzt, was zur Aktivierung vorher genetisch inaktivierter Gene führen kann. Dieser Befund eröffnet einen neuen wissenschaftlichen Zugang zur Frage der Regulation von epigenetischen Effekten.
Niehrs herausragende wissenschaftliche Arbeiten wurden u.a. im Jahr 2003 mit dem in Deutschland höchst dotierten Wissenschaftspreis, dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ausgezeichnet. Darüber hinaus ist Niehrs Träger des Otto Mangold Preises der Deutschen Gesellschaft für Entwicklungsbiologie, des EMBO Gold Medal Award, des Forschungspreises des Landes Baden-Württemberg, des Karl Freudenberg-Preises der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und des Biologiepreises der Universität Göttingen. Sein wissenschaftliches Werk wurde zudem durch seine Aufnahme als gewähltes Mitglied in die European Molecular Organisation (EMBO), in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina Halle und die Heidelberger Akademie der Wissenschaften gewürdigt.
Im Rahmen der Berufung zum Universitätsprofessor auf Lebenszeit an die Johannes Gutenberg-Universität Mainz zum 1. Juli 2010 übernimmt Christof Niehrs die Position des Gründungsdirektors des neuen Instituts für Molekulare Biologie (IMB). Zu seinen Aufgaben im IMB zählt insbesondere die Zusammenführung verschiedener biomedizinischer Schwerpunkte wie Entwicklungsbiologie, Epigenetik und DNA-Reparatur unter dem Dach des IMB, das eine Brückenfunktion zwischen den Wirkstoff-orientierten Materialwissenschaften und der Medizin einnehmen sowie wissenschaftliche Synergien zwischen den beteiligten Disziplinen ergänzen und verstärken soll.
Die finanzielle Grundlage für die hochmoderne Ausstattung des Instituts für Molekulare Biologie auf dem Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und somit für zukünftige Spitzenforschung nach internationalen Standards legte die Boehringer Ingelheim Stiftung mit einer großzügigen Spende anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Unternehmens. Die Boehringer Ingelheim Stiftung wird den Betrieb des IMB mit 100 Millionen Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren fördern. Als Direktor des IMB möchte Niehrs nicht nur die Grundlagenforschung am IMB vorantreiben, sondern insbesondere auch Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler fördern sowie die Kooperation mit anwendungsorientierten Forscherinnen und Forschern verwandter Disziplinen pflegen.
Wissenschaftlicher Werdegang
Juli 2010Berufung zum Universitätsprofessor auf Lebenszeit für Zell- und Entwicklungsbiologie an die Johannes Gutenberg-Universität Mainz; Gründungsdirektor des Instituts für Molekulare Biologie (IMB)
2006-2008
Direktor der DKFZ-ZMBH-Allianz
2004
Sprecher des Forschungsschwerpunkts "Zell- und Tumorbiologie" am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg
2000
Berufung auf den Lehrstuhl für Molekulare Embryologie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg und an der Universität Heidelberg
1997
Habilitation in Zoologie im Fachbereich Biologie der Universität Heidelberg
Erteilung der Venia legendi
1994
Ernennung zum Leiter der Abteilung "Molekulare Embryologie" am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg
1990-1993
Postdoktorand an der University of California Los Angeles, Kalifornien, USA
1990
Promotion am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie an der Universität Heidelberg
Titel der Dissertation: "Charakterisierung und Reinigung von Tyrosylprotein Sulfotransferase"
1986-1990
Promotionsstudium am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie an der Universität Heidelberg
1985
Diplom-Abschluss im Fach Biochemie, Freie Universität Berlin
1981-1985
Studium der Biochemie an der Freien Universität Berlin
Lehr- und Forschungsschwerpunkte
- Zellstruktur
- DNA-Reparatur
- DNA-Demethylierung
Preise und Auszeichnungen (Auswahl)
2007Ernennung zum Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
2003
Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft
2003
Ernennung zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina - Nationale Akademie der Wissenschaften
2002
Landesforschungspreis Baden-Württemberg
2000
EMBO Gold Medal Award
Otto-Mangold-Preis der Gesellschaft für Entwicklungsbiologie
1999
Preisträger Biologie der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
Ernennung zum Mitglied der European Molecular Organisation (EMBO)
1998
Karl Freudenberg-Preis der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Publikationen (Auswahl)
- Wang Y, Fu Y, Gao L, Zhu GX, Liang J, Gao C, Huang BL, Fenger U, Niehrs C, Chen YG and Wu W (2010). Xenopus Skip Modulates Wnt/beta-Catenin Signaling and Functions in Neural Crest Induction. Journal of Biological Chemistry, 285, 10890-10901.
- Schulze J, Seitz S, Saito H, Schneebauer M, Marshall RP, Baranowsky A, Busse B, Schilling AF, Friedrich FW, Albers J, Spiro AS, Zustin J, Streichert T, Ellwanger K, Niehrs C, Amling M, Baron R and Schinke T (2010). Negative Regulation of Bone Formation by the Transmembrane Wnt Antagonist Kremen-2. PLoS One, 5, e10309.
- Niehrs C and Shen JL (2010). Regulation of Lrp6 phosphorylation. Cellular and Molecular Life Sciences, 67, 2551-2562.
- Niehrs C and Boutros M (2010). Trafficking, Acidification, and Growth Factor Signaling. Science Signaling, 3, 26.
- Niehrs C (2010). On growth and form: a Cartesian coordinate system of Wnt and BMP signaling specifies bilaterian body axes. Development, 137, 845-857.
- Davidson G and Niehrs C (2010). Emerging links between CDK cell cycle regulators and Wnt signaling. Trends in Cell Biology, 20, 453-460.
- Cruciat CM, Ohkawara B, Acebron SP, Karaulanov E, Reinhard C, Ingelfinger D, Boutros M and Niehrs C (2010). Requirement of Prorenin Receptor and Vacuolar H+-ATPase-Mediated Acidification for Wnt Signaling. Science, 327, 459-463.
- Buechling T, Bartscherer K, Ohkawara B, Chaudhary V, Spirohn K, Niehrs C and Boutros M (2010). Wnt/Frizzled Signaling Requires dPRR, the Drosophila Homolog of the Prorenin Receptor. Current Biology, 20, 1263-1268.
- Niehrs C (2009). Dialektik der embryonalen Induktion. Jahrbuch Heidelb. Akad. Wiss., 42-61.
- Niehrs C (2009). Active DNA demethylation and DNA repair. Differentiation, 77, 1-11.
- Karaulanov E, Bottcher RT, Stannek P, Wu W, Rau M, Ogata S, Cho KWY and Niehrs C (2009). Unc5B Interacts with FLRT3 and Rnd1 to Modulate Cell Adhesion in Xenopus Embryos. PLoS One, 4, e5742.
- Davidson G, Shen JL, Huang YL, Su Y, Karaulanov E, Bartscherer K, Hassler C, Stannek P, Boutros M and Niehrs C (2009). Cell Cycle Control of Wnt Receptor Activation. Developmental Cell, 17, 788-799.





