Univ.-Prof. Dr. DÖRTE ANDRES
Professorin für Dolmetschwissenschaft
Dörte Andres, Jahrgang 1952, studierte Dolmetschen für die Sprachen Französisch und Englisch an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie als Diplom-Dolmetscherin für Französisch und Englisch beim Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung in Bonn und als freiberufliche Konferenzdolmetscherin sowie allgemein beeidigte Dolmetscherin für die Gerichte des Landes Baden-Württemberg. Gleichzeitig lehrte sie als Dozentin am Fachbereich 06 - Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft (FTSK) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Germersheim und promovierte an der Universität Wien zum Thema "Konsekutivdolmetschen und Notation – Empirische Untersuchung mentaler Prozesse bei Anfängern in der Dolmetscherausbildung und professionellen Dolmetschern". An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz habilitierte sie sich 2007 mit der Arbeit "Dolmetscher als literarische Figuren".
Andres' Spektrum im Bereich Lehre reicht von Dolmetschübungen, Notizentechnik und Vorlesungen bis hin zu Dolmetschseminaren und Betreuung von Abschlussarbeiten und Dissertationen. Dörte Andres war bis Mai 2011 Leiterin der Fachgruppe Dolmetschen am FTSK und leitete in dieser Funktion die wöchentlich stattfindende "Freitagskonferenz", eine sprach- und institutsübergreifende mehrsprachige Lehrveranstaltung, die von den Dolmetsch-DozentInnen des FTSK organisiert und von den ExamenskandidatInnen gedolmescht wird. Die Freitagskonferenz wurde 2008 mit dem Exzellenzpreis des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. Ihr reges Engagement für den Fachbereich spiegelt sich u.a. in Auszeichnungen wie dem "Lehrpreis Rheinland-Pfalz 2007" zur Würdigung herausragender persönlicher Leistungen in der Lehre sowie dem ihr 2010 verliehenen Lehrpreis der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wider.
Andres war zudem Koordinatorin des European Master in Conference Interpreting (EMCI). Daneben war sie im "Lifelong Learning Programme" der EU zur Entwicklung eines Curriculums für Dolmetschen im medizinischen Bereich tätig.
Ihren Schwerpunkt in Lehre und Forschung hat Dörte Andres im Konferenzdolmetschen, aber auch das Fachdolmetschen nimmt sie in ihren wissenschaftlichen Publikationen und Projekten ins Blickfeld. Zu ihren Forschungsthemen gehören die Notizentechnik beim Konsekutivdolmetschen, Dolmetscher als literarische Figuren, Dolmetschgeschichte, -ethtik und -didaktik, Fachdolmetschen im medizinischen, sozialen und juristischen Bereich bzw. in Krisengebieten (Schwerpunkt Afghanistan, Irak und ehemaliges Jugoslawien) und Video- bzw. Tele- und TV-Dolmetschen. In jüngerer Zeit spielen in ihren Forschungen zunehmend interdisziplinäre, interkulturelle, neurolinguistische und kognitionspsychologische Fragestellungen eine Rolle.
Mit ihren Projekten ist Dörte Andres in die internationale Kooperation eingebunden; sie ist eine gefragte Partnerin in der internationalen Scientific Community. Zahlreiche Gastdozenturen und -professuren, bspw. in China an der Foreign Studies University in Peking sowie der Beijing International Studies University und an der Karl-Franzens-Universität im österreichischen Graz unterstreichen Dörte Andres international anerkannte Position. Als Herausgeberin von "InterPartes", der ersten deutschsprachigen Reihe, die ausschließlich der Dolmetschwissenschaft gewidmet ist, hat sie bewirkt, dass eine junge, faszinierende und vielfältige Disziplin ein offenes Diskussionsforum gefunden hat.
Ihre aktuellen Forschungsvorhaben an der JGU beziehen sich auf die Modellierung des Dolmetschprozesses auf der Grundlage von Erkenntnissen der kognitiven Psychologie und die Entwicklung eines Kompetenzmodells, auf die Bedeutung neuer Technologien für das Dolmetschen sowie auf das Dolmetschen im therapeutischen Setting, in Notrufzentralen, in Katastrophenfällen. Ein großes Anliegen ist Dörte Andres das kreative Zusammenspiel von Praxis und Lehre, z.B. durch regelmäßige Round-Table-Gespräche mit Vertretern aus Wissenschaft und Praxis – das erste fand im Juni 2011 mit großem internationalen Anklang statt. Das internationale Interesse an dieser Veranstaltung in Germersheim ist für Andres auch auf die Einrichtung der dolmetschwissenschaftlichen Professur zurückzuführen, die die Möglichkeit bietet, das (Selbst)Verständnis der Disziplin weiter zu festigen und neue Wege in Forschung und Lehre zu gehen.
Wissenschaftlicher Werdegang
2010Berufung zur Universitätsprofessorin auf Lebenszeit für Dolmetschwissenschaft an die Johannes Gutenberg-Universität Mainz
2004-2011
Leiterin der Fachgruppe Dolmetschen am Fachbereich 06 - Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Leiterin der Lehrveranstaltung "Freitagskonferenz"
Koordinatorin des European Masters in Conference Interpreting (EMCI)
1986-2010
Dozentin am Fachbereich 06 - Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
1998-2000
Promotion (summa cum laude) im Fach Dolmetschen an der Universität Wien
Titel der Dissertation: "Konsekutivdolmetschen und Notation – Empirische Untersuchung mentaler Prozesse bei Anfängern in der Dolmetscherausbildung und professionellen Dolmetschern"
1986-2002
Freiberufliche Konferenzdolmetscherin
Allgemein beeidigte Dolmetscherin für die Gerichte des Landes Baden-Württemberg
1976-1984
Diplom-Dolmetscherin für Französisch und Englisch beim Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung, Bonn
1971-1976
Studium des Dolmetschens an der Universität des Saarlandes
Forschungsschwerpunkte
Forschungsinteressen- Dolmetschen in Krisengebieten
- Dolmetschgeschichte (Schwerpunkt Nationalsozialismus)
- Dolmetschethik
- Dolmetschdidaktik / Modellierung des Dolmetschprozesses
- TV-Dolmetschen
- Dolmetschen vor internationalen (Straf-)Gerichtshöfen
- Kompetenzorientiertes Lehren
- Expertiseentwicklung
- Didaktik: Modellierung des Dolmetschprozesses. Wird Dolmetschkompetenz leichter im Simultandolmetschen erworben/trainiert? Führen Erkenntnisse der kognitiven Psychologie zu einer neuen Form der Ausbildung?
- Dolmetschen in der Zeit des Nationalsozialismus
- Dolmetschwissenschaftliche Projektarbeit
Publikationen
Monografien- Andres, Dörte. 2008. Dolmetscher als literarische Figuren. München: Martin Meidenbauer.
- Andres, Dörte. 2002. Konsekutivdolmetschen und Notation. Frankfurt: Peter Lang.
- Andres, Dörte. 2011. Das Konzept Freitagskonferenz: Expertiseentwicklung durch berufsorientierte Lehre, im Druck.
- Andres, Dörte. 2011. Dolmetschen vor internationalen Strafgerichtshöfen – Kommunizieren von Quasi-Unsagbarem am Beispiel der Nürnberger Prozesse und des Strafgerichtshofs für das Ehemalige Jugoslawien, in: Holzer, Peter/Kienpointner, Manfred/Pröll, Julia/Ratheiser, Ulla (Hrsg.). An den Grenzen der Sprache. Kommunikation von Un-Sagbarem im Kulturkontakt. Innsbruck: Innsbruck University Press (iup). 65-82.
- Andres, Dörte. 2011. Ein integrativ konzipiertes Dolmetschprozessmodell, in: Studia Universitatis Babes-Bolyai. Philologia. Nr. 1/2011. 81-103.
- Andres, Dörte/Anke Szofer. 2010. Zwischen den Lagern. Ha Jins War Trash, in: Kaindl, Klaus/Kurz, Ingrid (Hrsg.). Machtlos, selbstlos, meinungslos? Interdisziplinäre Analysen von ÜbersetzerInnen und DolmetscherInnen in belletristischen Werken. Wien: LIT. 65-73.
- Andres, Dörte. 2010. Kumiko Torikai. Voices of the invisible presence. Diplomatic interpreters in post-World War II Japan. Amsterdam/Philadelphia: John Benjamins, 2009. Reviewed by Dörte Andres, in: Interpreting. 12 (2). 268-272.
- Andres, Dörte. 2010. Den Balkankonflikt dolmetschen – eine translationsethische Betrachtung, in: Hebenstreit, Gernot/Grbic Nadja/Vorderobermeier, Gisella/Wolf, Michaela (Hrsg.). Festschrift für Erich Prunč. Tübingen: Stauffenburg. 340-352.
- Andres, Dörte/Dingfelder, Maren. 2010. Dolmetschen gestern, heute, morgen: 60 Jahre Dolmetschen am FASK, in: Müller, Klaus-Peter (Hrsg.). Festschrift 60 Jahre FASK. Publikation angenommen.
- Andres, Dörte. 2009. Dolmetschen und Macht, in: Ahrens, Barbara/Černý, Lothar/Krein-Kühle, Monika/Schreiber, Michael (Hrsg.). Translationswissenschaftliches Kolloquium I – Beiträge zur Übersetzungs- und Dolmetschwissenschaft (Köln/Germersheim). Frankfurt: Peter Lang. 123-143.
- Andres, Dörte. 2009. Der Dolmetscher: Wesen im Niemandsland, in: Engel, Christine/Holzer, Peter/Hölzl, Sylvia (Hrsg.). AkteurInnen der Kulturvermittlung. TranslatorInnen, philologisch-kulturwissenschaftliche ForscherInnen und FremdsprachenlehrerInnen. Innsbruck: Innsbruck University Press. 1-17.
- Andres, Dörte. 2009. Kommunal-Samaritertum - eine weibliche Domäne? Dolmetschen im medizinischen Bereich am Beispiel Österreichs, in: Görtschacher, Wolfgang/Pöckl, Wolfgang/Pöll, Bernhard(Hrsg.) Moderne Sprachen. Wien. Edition Praesens. 137-151.
- Andres, Dörte. 2009. Dolmetscher in fiktionalen Werken – von Verirrung, Verwirrung und Verführung, in: Germanistisches Jahrbuch Russland – Das Wort. 11-24.
- Andres, Dörte/Falk, Stefanie. 2009. Remote and Telephone Interpreting, in: Andres, Dörte/Pöllabauer, Sonja (Hrsg.). Spürst Du wie der Bauch rauf runter?/Is everything all topsy turvy in your tummy? - Fachdolmetschen im Gesundheitsbereich/Health Care Interpreting. München: Martin Meidenbauer. 9-27.
- Andres, Dörte. 2008. „…zu taumeln ein Leben lang“. Ivo Andrić - Wesire und Konsuln, in: Kurz, Ingrid/Kaindl, Klaus (Hrsg.). Helfer, Verräter, Gaukler? Das Rollenbild von TranslatorInnen im Spiegel der Literatur. Wien: LIT. 155-164.
- Andres, Dörte. 2004. Dolmetscher – ein Leben an der Grenze. Zu Wesire und Konsuln von Ivo Andrić, in: Lebende Sprachen. Heft 1. 8-15.
- Andres, Dörte. 2004. Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag, in: Pöckl, Wolfgang (Hrsg.). Übersetzungswissenschaft – Dolmetschwissenschaft. Wien: Edition Praesens. 21-28.
- Andres, Dörte. 2002. Die Funktion der Notation im Konsekutivdolmetschen, in: Kalina, Sylvia/ Best, Joanna (Hrsg.). Übersetzen und Dolmetschen in Praxis und Lehre – eine Orientierungshilfe. Tübingen: Francke. 209-215.
- Andres, Dörte. 2001. Dolmetscher-Memoiristen – zwischen alter ego und ego, in: Lindner, Thomas (Hrsg.). Moderne Sprachen. Wien: Edition Praesens. 45/1, 23-37.
- Andres, Dörte. 2001. Notation: gute Zeichen – schlechte Zeichen. Empirische Untersuchung zur (Un-)Möglichkeit von Notizen, dargestellt am Sprachenpaar Französisch-Deutsch, in: Kelletat, Andreas, F. (Hrsg.). Dolmetschen. Frankfurt: Peter Lang. 243-265.
- Seit 2004: Herausgeberin der Serie Interpartes – Studien zur Dolmetschwissenschaft. München: Martin Meidenbauer. Seit 2012: Peter Lang Verlag, München.
Publikationsleitfaden
- Köllmann, Anke. 2011. Dolmetschen im psychotherapeutischen Setting: Eindrücke aus der Praxis. München: Martin Meidenbauer.
- Haas, Nicole. 2011. Dolmetschen am Ruanda-Tribunal. München: Martin Meidenbauer.
- Andres, Dörte/Behr, Martina (Hrsg.). 2011. Interpretes mundi – Deuter der Welt.
- Andres, Dörte/Pöllabauer, Sonja (Hrsg.). 2009. Spürst Du wie der Bauch rauf runter?/Is everything all topsy turvy in your tummy? – Fachdolmetschen im Gesundheitsbereich/Health Care Interpreting. München: Martin Meidenbauer.
- Andres, Dörte. 2008. Dolmetscher als literarische Figuren – Von Identitätsverlust, Dilettantismus und Verrat. München: Martin Meidenbauer.
- Wörrlein, Marion. 2007. Der Simultandolmetschprozess. München: Martin Meidenbauer.
- Corpataux, Maike/Behr, Martina. 2006. Die Nürnberger Prozesse aus der Sicht der Dolmetscher Richard Sonnenfeld und Siegfried Ramler. München: Martin Meidenbauer.
- Slapp, Ashley Marc. 2004. Community Interpreting in Deutschland. München: Martin Meidenbauer.
