Univ.-Prof. Dr. ANDREAS VÖTT
Professor für Physische Geographie mit Schwerpunkt Geomorphologie
Andreas Vött, 1969 in Reutlingen geboren, studierte Geographie, Geologie, Botanik und Bodenkunde an der Philipps-Universität Marburg. Finanziert über die Bundesstiftung Umwelt promovierte er 1999 mit einer Arbeit zu Ökosystemveränderungen im Unterspreewald durch Bergbau und Meliorationsmaßnahmen. Als Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Humboldt-Universität zu Berlin beschäftigte sich Vött mit der Erfassung und Bewertung historischer und rezenter Landschaftsdegradation in Westpatagonien in Chile. Im Jahr 2006 habilitierte er sich an der Philipps-Universität Marburg mit einer Arbeit über "Holocene coastal changes of Akarnania, NW Greece. Palaeogeographies, sea level changes, extreme events and geoarchaeological aspects of past coastal landscapes". Mit den Schwerpunkten Quartärforschung, die den jüngsten Zeitabschnitt der Erdgeschichte zum Gegenstand hat, und Geoarchäologie forschte und lehrte Vött seit 2008 am Geographischen Institut der Universität zu Köln, bevor er im Oktober 2010 an die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) wechselte.
Bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten greift Vött auf ein breites Methodenrepertoire zurück, das neben klassischen Geländemethoden, wie der geomorphologischen Kartierung und diversen Bohrverfahren, auch spezielle geophysikalische Verfahren und Vermessungsmethoden umfasst. Zudem leisten geochemische Laboruntersuchungen von Boden- und Sedimentproben einen wertvollen Beitrag zur qualitativen und quantitativen Analyse raum-zeitlicher Prozesse in Landschaftsräumen.
Vötts Forschungsaktivitäten sind in nationale und internationale Forschungsprogramme in der Türkei, Griechenland, Spanien und Deutschland eingebunden. U.a. durch sein aktives Mitwirken in zahlreichen Fachverbänden - bspw. ist er Vorsitzender des "Deutschen Arbeitskreises für Geomorphologie" und Sprecher des Arbeitskreises "Geographie der Meere und Küsten" in der Deutschen Gesellschaft für Geographie – verfügt Vött über eine hervorragende Vernetzung und hat bereits mehrfach erfolgreich Drittmittelprojekte der Deutschen Forschungsgemeinschaft und verschiedener renommierter Forschungsstiftungen eingeworben. Seine wissenschaftlichen Arbeiten wurden auf dem Deutschen Geographentag 2007 in Bayreuth mit dem Preis "Mutter Erde" für Physische Geographie der Prof. Dr. Frithjof Voss Stiftung ausgezeichnet, der alle zwei Jahre an den besten Nachwuchswissenschaftler in der Physischen Geographie vergeben wird.
In seinem neuen Arbeitsfeld am Institut für Geographie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist er Leiter der Arbeitsgruppe Naturrisiko-Forschung und Geoarchäologie. Mit seinen vielfältigen Erfahrungen im Bereich interdisziplinärer Forschung und zahlreichen Projekten zu geomorphologisch-geoarchäologischen Untersuchungen raumrelevanter Mensch-Umwelt-Interaktionen unterstützt er aktiv das interdisziplinäre Forschungszentrum Erdsystemwissenschaften/Geocycles der JGU. In diesem Zusammenhang sind Kooperationen und gemeinsame Projekte mit dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz, dem Institut für Sportwissenschaft und der Arbeitsgemeinschaft Archäogeophysik der JGU in Planung, auf die sich Vött besonders freut.
Wissenschaftlicher Werdegang
Oktober 2010Berufung zum Universitätsprofessor auf Lebenszeit für Physische Geographie mit Schwerpunkt Geomorphologie an die Johannes Gutenberg-Universität Mainz
2008
Professor für Physische Geographie mit Schwerpunkt Quartärforschung und Geoarchäologie am Geographischen Institut der Universität zu Köln
2007
Wissenschaftspreis "Mutter Erde" für Physische Geographie der Prof. Dr. Frithjof Voss Stiftung, verliehen auf dem Deutschen Geographentag in Bayreuth
2006
Habilitation am Fachbereich Geographie der Philipps-Universität Marburg
Thema der Habilitationsschrift: "Holocene coastal changes of Akarnania, NW Greece. Palaeogeographies, sea level changes, extreme events and geoarchaeological aspects of past coastal landscapes"
2002-2008
Wissenschaftlicher Hochschulassistent am Fachbereich Geographie der Philipps-Universität Marburg
2001-2002
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Geographie der Philipps-Universität Marburg
2001
Prämierung des Projektseminars "Zur Geoökologie des Spreewaldes" aus dem "Dekanefonds für gute Lehre" der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät II der Humboldt-Universität zu Berlin
2000
Auszeichnung der Philipps-Universität Marburg für hervorragende Dissertation
1999-2001
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geographischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin
1999
Promotion im Fachbereich Geographie der Philipps-Universität Marburg
Titel der Dissertation: "Ökosystemveränderungen im Unterspreewald durch Bergbau und Meliorationsmaßnahmen - Ergebnisse einer angewandten ökosystemaren Umweltbeobachtung"
Auszeichnung der Dissertation als besondere wissenschaftliche Leistung des Jahres 1999 durch die Marburger Geographische Gesellschaft
1996-1999
Promotionsstipendiat der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Osnabrück
1996
Diplomabschluss
Titel der Diplomarbeit: "Die naturräumliche Ausstattung des Retterschwanger Tales bei Hindelang (Allgäuer Alpen) als Grundlage seiner kulturlandschaftlichen Nutzung"
1991-1996
Studium der Geographie, Geologie, Botanik und Bodenkunde an der Philipps-Universität Marburg und der Agrarwissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen
Lehr- und Forschungsschwerpunkte
- Küstengeomorphologie, Geoarchäologie, Paläogeographie
- Landschaftsökologie
- Genese von Kulturlandschaftsräumen
Regionale Arbeitsgebiete
- Griechenland: Akarnanien, Aitolien, Epirus, Peloponnes
- Türkei: Südwest-Türkei
- Spanien: Zentrales und südliches Festland, Costa Blanca
- Chile: Westpatagonien
- Südwestdeutsches Schichtstufenland, Alpenvorland und Alpen, Mittelhessen, Brandenburg
Publikationen (Auswahl)
- Vött, A. et al. (2010): Sedimentological and geoarchaeological evidence of multiple tsunamigenic imprint on the Bay of Palairos-Pogonia (Akarnania, NW Greece). Baelo Claudia Special Issue on Palaeoseismology, Quaternary International. doi:10.1016/j.quaint.2010.11.002
- Vött, A. et al. (2010): Beachrock-type calcarenitic tsunamites along the shores of the eastern Ionian Sea (western Greece) – case studies from Akarnania, the Ionian Islands and the western Peloponnese. Zeitschrift für Geomorphologie N.F., Suppl. Issue 54/3: 1-50.
- Vött, A. (2010): Beachrock-type deposits document tsunamigenic desctruction of Olympia’s ancient harbour (Greece). In: Hoppe, A., Röhling, H.-G., SChüth, C. (eds.): GeoDarmstadt2010 – Geowissenschaften sichern Zukunft. Geosciences secure the future. Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften 68: 574-575.
- Brückner, H. et al., (2010): The Holocene sea level story since 7500 BP – Lessons from the Eastern Mediterranean, the Black and the Azov Seas. Quaternary International 225/2: 160-179.
- Engel, M. (2010): Coastal stratigraphies of Bonaire (Netherlands Antilles): new insights into the palaeo-tsunami history of the southern Caribbean. In: Hoppe, A., Röhling, H.-G., Schüth, C. (eds.): GeoDarmstadt2010 – Geowissenschaften sichern Zukunft. Geosciences secure the future. Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften 68: 160-161.
- Engel, M. et al. (2010): Coastal stratigraphies of eastern Bonaire (Netherlands Antilles): new insights into the palaeo-tsunami history of the southern Caribbean. Sedimentary Geology. doi:10.1016/j.sedgeo.2010.08.002
- Floth, U. (2010): Estimating tsunami hazards between Lefkada and Preveza, NW Greece, by means of computer modeling. Coastline Reports 16: 11-14.
- Mastronuzzi, G. et al. (Eds., 2010): Tsunami fingerprints in different archives – sediments, dynamics and modelling approaches. Zeitschrift für Geomorphologie N.F., Suppl. Issue 54/3.
- Mastronuzzi, G. et al., (2010): An introduction to palaeo-tsunami research. Zeitschrift für Geomorphologie N.F., Suppl. Issue 54/3: V-XIII.
- May, S. M., Willershäuser, T., Vött, A. (2010): Boulder transport by high-energy wave events at Cap Bon (NE Tunisia). Coastline Reports 16: 1-10.
- Scheffers, A., Vött, A. (2010): Urlaubsparadies mit Gefahrenpotenzial. Tsunamis im Mittelmeergebiet. Praxis Geographie 3: 28-32.
- Warnecke, H., Vött, A. (2010): Nachtrag zu: Warnecke, H.: Ο Απόστολος Παύλος καί ή Κεφαλληνία-Μελίτη. In: ΓΕΩΡΓΙΟΣ Δ. ΜΕΤΑΛΛΗΝΟΣ (Hrsg.): Πρακτικα Ημεριδας (17-8-2009). Αθηνα, pp. 42-45.
