Univ.-Prof. Dr. SUSANNE FOITZIK
Professorin für Evolutionsbiologie
Susanne Foitzik, geboren 1970 im hessischen Dieburg, absolvierte ihr Biologiestudium an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und an der State University of New York in Albany in den USA. Sie promovierte 1998 an der Universität Würzburg zum Thema "Populationsstruktur und Investition in Geschlechtstiere bei der Ameise Leptothorax nylanderi". Nach einem Aufenthalt als Postdoc an der Colorado State University in Fort Collins in den USA baute sie als wissenschaftliche Assistentin an der Universität in Regensburg eine eigene Arbeitsgruppe auf und habilitierte dort 2004 zum Thema "Dynamik evolutiver Prozesse bei Ameisen: Verhalten, Genetik und Ökologie." Von 2004-2010 forschte und lehrte Foitzik als Professorin für Verhaltensökologie am Department Biologie II der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo sie ab 2006 als Direktorin das EES-Graduiertenprogramm maßgeblich mitgestaltete.
Der Gegenstand von Foitziks Forschungen ist die Evolution und das Verhalten sozialer Insekten. Als Modell ihrer evolutionsbiologischen Arbeiten dienen v.a. Ameisen als eusoziale (staatenbildende) Hautflügler. Dabei stehen sklavenhaltende Ameisen im Fokus, die Arbeiterinnen anderer Ameisenarten zur Brutpflege und Aufzucht ihrer Nachkommen ausnutzen. Zwischen diesen Arten führt gegenseitige Selektion zu koevolutiven Wechselwirkungen, die Foitzik mittels Verhaltensexperimenten, Freilandmanipulationen, genetischen und chemischen Analysen untersucht. So können Kreuzungsversuche lokale Anpassungen aufdecken und populationsgenetische Untersuchungen können die Bedeutung von Genfluss und genetischer Diversität bei diesen Anpassungsprozessen aufzeigen. Andere Projekte in der Arbeitsgruppe Foitzik beschäftigen sich mit Merkmalen, die der Selektion unterliegen, und mit der evolutiven Bedeutung von Verhaltensvariabilität innerhalb und zwischen Ameisenkolonien. Weitere Schwerpunkte in Foitziks Arbeiten sind sexuelle Selektion und sexuelle Konflikte bei Ameisenarten mit alternativen Paarungsstrategien. Außerdem untersucht sie das kollektive Verhalten, Entscheidung und Risikoabwägung bei Hautflüglern, ein Phänomen, welches ein hoch elaboriertes Kommunikationssystem voraussetzt. Letzteres basiert bei Ameisen meist auf chemischen Signalen, so dass chemische Analysen der Profile und Drüseninhalte ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit darstellt.
Über 50 Publikationen in angesehenen Fachzeitschriften wie auch mehr als 10 DFG-Projekte als Antragstellerin und Mitantragstellerin sowie die daraus resultierenden großzügigen Drittmittelförderungen weisen Foitzik als international renommierte Zoologin auf dem Gebiet der Grundlagenforschung in der Evolutions- und Verhaltensbiologie aus. Die Biologin akquirierte ebenfalls erfolgreich Drittmittel für internationale Ausbildungsprogramme bei der Volkswagenstiftung und der Europäischen Union.
Am Fachbereich Biologie der JGU plant Foitzik, eine Arbeitsgruppe mit dem Schwerpunkt Evolution und Verhalten von sozialen Insekten aufzubauen. Durch Lehrveranstaltungen aus den Bereichen Evolutionsbiologie, Artenvielfalt der Tiere und Verhaltensökologie bereichert sie das Studienangebot. Aktuell engagiert sie sich im Fachbereich als Gleichstellungsbeauftragte und hat die stellvertretende Leitung des Instituts für Zoologie inne.
Wissenschaftlicher Werdegang
2010Berufung zur Universitätsprofessorin auf Lebenszeit für Evolutionsbiologie an die Johannes Gutenberg-Universität Mainz
2009
Professur für Evolutionsbiologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
2009-2010
Sprecherin des Erasmus Mundus Master Programms in Evolutionary Biology an der Ludwig-Maximilians-Universität München
2006-2010
Direktorin des EES-Graduiertenprogramms der Ludwig-Maximilians-Universität München
2004–2010
Professur für Verhaltensökologie am Department Biologie II an der Ludwig-Maximilians-Universität München
2004
Habilitation im Fach Zoologie an der Universität Regensburg
2003
Professur für Verhaltensökologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München
2000-2004
Wissenschaftliche Assistentin an der Universität Regensburg
1998-2000
Postdoc an der Colorado State University in Ft. Collins, USA
1995-1998
Promotion an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg
1992-1993
Biologiestudium an der State University of New York in Albany, USA
Stipendium den Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD)
1989-1995
Biologiestudium an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Projekte (Auswahl)
- evolution of resistance and virulence in structured populations
- evolutionary significance of within- and between-colony variation in behavior, morphology, genetic composition and immuno-competence in ants
- life history trade-offs in ant workers: the relationships between fertility, longevity, immunity and behavioural specialisation
- internal conflicts, dispersal and the consequences of inbreeding in an ant with alternative reproductive tactics
Publikationen (Auswahl)
- Scharf, I, Fischer-Blass, B, Foitzik, S. Spatial structure and nest demography reveal the influence of competition, parasitism and habitat quality on slavemaking ants and their hosts. BMC Ecology, in press.
- Pennings, P., Achenbach, A., Foitzik, S. Similar evolutionary potentials in an obligate ant parasite and its two host species. Journal of Evolutionary Biology, in press.
- Pohl, S., Foitzik, S. 2011 Slave-making ants prefer larger, better defended host colonies. Animal Behaviour, 81: 61-68.
- Foitzik, S, Kureck, I., Rüger, M., Metzler, D. 2010. Alternative reproductive tactics and the influence of local competition on sex allocation in the ant Hypoponera opacior. Behavioral Ecology and Sociobiology, 64:1641-1654.
- Foitzik, S, Bauer, S, Laurent, S., Pennings, P.S. 2009. Genetic diversity, populations structure and sex-biased dispersal in three co-evolving species. Journal of Evolutionary Biology, 22: 2470-2480.
- Foitzik, S., Achenbach, A., Brandt, M. 2009. Locally-adapted social parasite affects density, social structure and life history of its ant hosts. Ecology 90: 1195-1206.
- Achenbach, A., Foitzik, S. 2009. First evidence for slave rebellion: Enslaved ant workers systematically kill the brood of their social parasite Protomognathus americanus. Evolution, 63: 1068-1075.
- Witte, V., Leingärtner A., Sabaß L., Hashim R., Foitzik S. 2008. Symbiont microcosm in an ant society and the diversity of interspecific interactions. Animal Behaviour, 76: 1477-1486.
- Brandt, M., Fischer-Blass, B., Heinze, J., Foitzik, S. 2007. Population structure and coevolution in social parasites. Molecular Ecology, 16: 2063-2078.
- Foitzik, S., DeHeer, C. J., Hunjan, D. N., Herbers, J. M. 2001. Coevolution in host-parasite systems: Behavioral strategies of slavemaking ants and their hosts. Proceedings of the Royal Society B, London 268: 1139-1146.
