Univ.-Prof. Dr. CHRISTOPH DÜLLMANN
Professor für Kernchemie
Christoph Düllmann, geboren 1972 im schweizerischen Bern, studierte ab 1993 Chemie an der Universität Bern und erlangte dort im Jahr 1998 sein Diplom. Von 1998-2002 arbeitete Düllmann als Doktorand an der Universität Bern und dem Paul Scherrer Institut in Villingen in der Schweiz und legte 2002 seine Dissertation zum Thema "Chemical Investigation of Hassium (Hs, Z=108)" vor. Als Stipendiat des Schweizerischern Nationalfonds war Düllmann 2002 zu Gast am Department of Chemistry der University of California in Berkeley und in der Schwerelementegruppe an der Nuclear Science Division am Lawrence Berkely National Laboratory, USA, wo er 2005 als wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt wurde. Er erhielt dort 2003 den Seaborg Travel Award der UC Berkeley. 2006 wechselte Düllmann als wissenschaftlicher Mitarbeiter an das GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.
Mit seiner Berufung besetzt Düllmann eine gemeinsame Professur der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der GSI im Forschungsschwerpunkt Chemie der superschweren Elemente. An der GSI in Darmstadt ist er designierter Leiter der Forschungsabteilung Kernchemie. Außerdem ist er Mitglied des Leitungsgremiums des neu gegründeten Helmholtz-Instituts Mainz (HIM), in dem die Johannes Gutenberg-Universität Mainz und die GSI zur Erforschung von Struktur, Symetrie und Stabilität von Materie und Antimaterie kooperieren. Im Exzellenzcluster-Antrag "Fundamental Interactions and Constitutents of Matter" der Universität Mainz ist er "Principal Investigator".
Dank der komplementären experimentellen Aufbauten am Institut für Kernchemie in Mainz und an der GSI in Darmstadt hat Düllmann für seine Forschungsaktivitäten ein einzigartiges Instrumentarium zur Verfügung. Am Forschungsreaktor TRIGA Mainz führt er vorbereitende Studien für Beschleuniger-Experimente an der GSI durch und ist an anderen laufenden Programmen beteiligt, z.B. am Penningfallenexperiment TRIGA-TRAP. Die am Institut vorhandene Infrastruktur und Expertise zur Produktion von exotischen Transurantargets, die für die Experimente an der GSI von zentraler Bedeutung sind, stellen einen weiteren Pfeiler des Forschungskomplexes Superschwere Elemente der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der GSI und des HIM dar.
An der GSI steht Düllmann mit dem neuen Separator TransActinide Seperator and Chemistry Apparatus (TASCA) ein hocheffizientes Gerät zum Studium der schwersten Elemente zur Verfügung. TASCA trennt selektiv einzelne Atome der schwersten Elemente von störenden Nebenprodukten der Schwerionenreaktionen und vom intensiven Schwerionenstrahl ab. Damit eröffnet TASCA innovative Möglichkeiten in der Untersuchung chemischer aber auch nuklearer Eigenschaften der schwersten Elemente. Kürzlich ist einer von Düllmann geleiteten Kollaboration der erste Nachweis des bislang schwersten an der GSI beobachteten Elements, Element 114 gelungen. Damit konnte der Grundstein gelegt werden für weitergehende Untersuchungen, z.B. zum chemischen Verhalten von Element 114 oder für die Suche nach noch schweren, bisher unentdeckten Elementen.
Durch die enge Verzahnung der JGU mit der GSI Darmstadt freut sich Düllmann, den Studierenden das Gebiet der Schwerelementeforschung auf sehr direkte Weise vermitteln zu können. Lehrinhalte wie die Entdeckung und Synthese der schwersten Elemente, Kernstabilität, die Methodik der Schwerelementechemie und relativistische Effekte in der Chemie gehören ebenso zu seinem Repertoire wie Exkursionen an die GSI in Darmstadt.
Am 1. Juli 2009 wurde an der JGU das Helmholtz-Institut Mainz gegründet. Hier arbeiten das Institut für Physik, das Institut für Kernphysik sowie das Institut für Kernchemie eng mit der GSI Darmstadt zusammen. Gemeinsam werden Fragen zur Struktur, Symmetrie und Stabilität von Materie und Antimaterie erforscht. Im Rahmen seines neuen Arbeitsfeldes begeistern Düllmann besonders die Forschungsmöglichkeiten, die sich durch die interdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit im Rahmen des HIM ergeben.
Beruflicher und wissenschaftlicher Werdegang
2010Berufung zum Universitätsprofessor auf Lebenszeit für Kernchemie an die Johannes Gutenberg-Universität Mainz und an das GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung, Darmstadt
Forschungssektionsleiter "Superschwere Elemente Chemie" am Helmholtz-Institut Mainz
2007-2010
Nichtbediensteter Lehrbeauftragter am Institut für Kernchemie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
2006-2010
Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Kernchemie des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung, Darmstadt
2005
Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Schwerelementegruppe der Lawrence Berkeley National Laboratory in Berkeley, California, USA
2002-2005
Postdoc an der University of California in Berkeley, California, USA, und in der Nuclear Science Division des Lawrence Berkeley National Laboratory in Berkeley, California, USA
2002-2003
Stipendium für angehende Forschende des Schweizerischen Nationalfonds
2002
Promotion an der Philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern
Titel der Dissertationsschrift: "Chemical Investigation of Hassium (Hs, Z=108)"
1998-2002
Doktorand im Labor für Radio- und Umweltchemie der Universität Bern und des Paul Scherrer Instituts in Villingen, Schweitz
Assistent am Departement für Chemie und Biochemie der Universität Bern, Schweiz
1998
Diplom in Chemie an der Universität Bern, Schweiz
1997-1998
Diplomarbeit im Labor für Radio- und Umweltchemie der Universität Bern und
des Paul Scherrer Instituts in Villingen, Schweitz
Thema der Diplomarbeit: "Thermochromatographische Untersuchung von radioaktivem Ruthenium (106Ru) mit Sauerstoff als Trägergas"
1993-1998
Studium der Chemie an der Universität Bern, Schweiz
Lehr- und Forschungsschwerpunkte
- Produktion und Zerfallseigenschaften superschwerer Elemente
- Chemie der Transactinidenelemente
- Schnelle automatisierte chemische Trennmethoden
- Physikalische Vorseparation kurzlebiger Isotope
Publikationen (Auswahl)
- Düllmann, Ch. E. et al., Production and decay of element 114: high cross sections and the new nucleus 277Hs. Phys. Rev. Lett. 104 (2010) 252701.
- Düllmann, Ch. E. et al., Gas chemical investigation of hafnium and zirconium complexes with hexafluoroacetyl-acetone using preseparated short-lived radioisotopes. Radiochim. Acta 97 (2009) 403-418.
- Dvorak, J. et al., Cross section limits for the 248Cm(25Mg, 4n-5n)268,269Hs reactions. Phys. Rev. C 79 (2009) 037602.
- Dragojević, I. et al., New isotope 263Hs. Phys. Rev. C 79 (2009) 11602(R).
- Gates, J. M. et al., Comparison of reactions for the production of 258,257Db: 208Pb(51V,xn) and 209Bi(50Ti,xn). Phys. Rev. C 78 (2008) 034604.
- Düllmann, Ch. E. Physical separators for the heaviest elements. Nucl. Instrum. Meth. B 266 (2008) 4123-4130.
- Dragojević, I. et al., The influence of projectile neutron number in the 208Pb(48Ti, n)255Rf and 208Pb(50Ti, n)257Rf reactions. Phys. Rev. C 78 (2008) 024605.
- Düllmann, Ch. E. and Türler, A. 248Cm(22Ne,xn)270-xSg reaction and the decay properties of 265Sg reexamined. Phys. Rev. C 77, (2008) 064320.
- Eberhardt, K. et al., Preparation of targets for the gas-filled recoil separator TASCA by electrochemical deposition and design of the TASCA target wheel assembly. Nucl. Instrum. Meth. A590 (2008) 134.
- Dvorak, J. et al., Observation of the 3n evaporation channel in the complete hot-fusion reaction 26Mg + 248Cm leading to the new superheavy nuclide 271Hs. Phys. Rev. Lett. 100 (2008) 132503.
- Gates, J. M. et al., Synthesis of rutherfordium isotopes in the 238U(26Mg, xn)264-xRf reaction and study of their decay properties. Phys. Rev. C 77 (2008) 034603.
