Deutsche Hochschullandschaft im Umbruch: Uni Mainz stellt sich dem Wettbewerb

Bundesweite Vorreiterrolle mit einer Vielzahl von Initiativen und Aktivitäten

06.05.2008

Die deutsche Hochschullandschaft erlebt derzeit einen Umbruch, der seinesgleichen sucht in der jüngeren Geschichte: Die Umstellung des gesamten Lehrangebots im Zuge des Bologna-Prozesses, eine nie gekannte Konkurrenz zwischen den Universitäten im Zusammenhang mit der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder, eine politisch gewollte Neudefinition des Verhältnisses zwischen Universitäten und Fachhochschulen und der Abbau der "Versäulung" des deutschen Wissenschaftssystems sind nur einige Stichworte der gegenwärtigen Debatte. "Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz hat im vergangenen Jahr in diesem Konzert einen gut hörbaren Part übernommen", erklärt der Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Dr. Georg Krausch, "mit einer Vielzahl von Initiativen und Aktivitäten – beispielsweise dem neuen Kooperationsmodell mit den Mainzer Max-Planck-Instituten, dem universitätseigenen Qualitätsmanagement oder unserem umfassenden Programm zur strukturierten Graduiertenausbildung – haben wir bundesweit Aufmerksamkeit gefunden und eine Vorreiterrolle übernommen."

Der Vorschlag, in konsequenter Fortsetzung der Bewilligung einer Graduiertenschule der Exzellenz im Bereich der Materialwissenschaften die langjährige, erfolgreiche und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den beiden Mainzer Max-Planck-Instituten im Bereich der Graduiertenausbildung auch institutionell auf solidere Füße zu stellen, hat zu einer bundesweiten, kontroversen Diskussion über den Umgang mit dem Promotionsrecht geführt. Am Ende dieses Diskurses ist ein neues Modell der Zusammenarbeit entstanden, das nun als Max Planck Graduate Center mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz exemplarisch umgesetzt wird. "Die Eckpunkte der Zusammenarbeit sind inzwischen in einem 'Memorandum of Understanding' zwischen der Hochschulrektorenkonferenz und der Max-Planck-Gesellschaft niedergelegt", berichtet der Präsident, "so dass das Mainzer Vorgehen bundesweit Vorbildcharakter haben kann für die zukünftige Gestaltung der Zusammenarbeit zwischen universitärer und außeruniversitärer Forschung." Mit diesem Graduate Center erweitert die Johannes Gutenberg-Universität ihr umfassendes Programm zur strukturierten Graduiertenausbildung, das Ende des Jahres 2007 einen messbaren Erfolg gezeigt hatte: Im CHE-Excellence Ranking wie in der Pilotstudie Forschungsrating des Wissenschaftsrates erreichte die Johannes Gutenberg-Universität Top-Platzierungen.

Strategische Entwicklung des Forschungsprofils

In der Forschung war das Jahr 2007 nicht nur charakterisiert von den Aktivitäten im Zuge der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder, sondern zeitgleich auch von einem umfassenden Prozess der Profilbildung im Rahmen der Forschungsinitiative Rheinland-Pfalz. Hier ist das neu gegründete Gutenberg Forschungskolleg (GFK) erstmals als strategisch beratendes Gremium an der Seite der Hochschulleitung aktiv geworden. Mit Unterstützung des Zentrums für Qualitätssicherung und -entwicklung hat das GFK die zahlreichen Vorschläge zur Gründung neuer Forschungsverbünde kritisch begutachten lassen und im Blick auf die Gesamtuniversität bewertet. "Der Wille zur forschungsgeleiteten Weiterentwicklung der Universität zeigt sich im Ergebnis dieses Prozesses", so der Präsident, "nicht weniger als 32 in Kürze frei werdende Professuren sollen im Rahmen der neu definierten Profilschwerpunkte thematisch ausgerichtet besetzt werden."

Die Entwicklungen im Bereich der Forschung sind untrennbar mit der Verantwortung verbunden, einer wachsenden Zahl junger Menschen eine universitäre Ausbildung zu geben. Bund und Länder haben durch die Verabschiedung des Hochschulpaktes ein klares Bekenntnis zu dieser Verantwortung abgegeben. Auch die Johannes Gutenberg-Universität stellt sich dieser Aufgabe: Im Zuge des Hochschulpaktes schafft sie ca. 1.300 neue Studienplätze. Ein guter Teil dieser Studienplätze ist im vergangenen Jahr bereits vergeben worden, so dass die Gesamtstudierendenzahl im Sommersemester 2008 mit 34.600 auf konstant hohem Niveau liegt. "Damit avancierte die Johannes Gutenberg-Universität im vergangenen Jahr zur fünftgrößten Universität in Deutschland – eine Herausforderung, die von allen Beteiligten größten Einsatz erfordert", so der Präsident. Auch führen die hohen Studierendenzahlen immer wieder zu Engpässen bei der Infrastruktur, insbesondere im Hinblick auf Bibliothek und Lehrräume, die in diesem Jahr durch ein Sofortprogramm behoben werden. Zur Unterstützung der durch Einführung der konsekutiven Studiengänge stark wachsenden Aufgaben im Bereich der Prüfungsverwaltung wurde die Entwicklung einer integrierten Prüfungsverwaltungssoftware beschlossen – ein Projekt, das bis zur umfassenden Umstellung auf die neuen Studiengänge im Herbst 2008 universitätsweit umgesetzt werden muss.

Hier kommt dem universitätseigenen Qualitätsmanagement mit dem zweijährigen Modellversuch zur Systemakkreditierung eine besondere Rolle zu. "Dies hat den großen Vorteil", so der Präsident, "dass Qualitätskontrolle und Verbesserung unserer Studienangebote  zukünftig als kontinuierliche und prozessbegleitende Aufgabe wahrgenommen werden. Es ist einer selbstbewussten Universität angemessen, eigene und durch externe Begutachtung kritisch überprüfte Verfahren des Qualitätsmanagements zu etablieren und damit ein hohes Qualitätsbewusstsein aller ihrer Mitglieder sicherzustellen und nach außen zu kommunizieren. Auch hier hat die Mainzer Universität eine bundesweite Vorreiterrolle übernommen."