Invasion unbekannter Spinnentiere

Mainzer Wissenschaftler auf den Spuren der bisher nicht identifizierten Art der Gattung Leiobunum

06.06.2008

Sie sind schwarz, ihre dünnen Spinnenbeine haben eine Spannweite von bis zu 18 Zentimetern und sie haben sich in den letzten Jahren in rasantem Tempo in West- und Mitteleuropa ausgebreitet. Die Spezies dieser Riesenkrabbler ist bisher nicht identifiziert, nur so viel steht fest: Die Tiere, die strenggenommen keine Spinnen sind, sondern wie Skorpione, Pseudoskorpione und Milben zu den "Spinnentieren" (lat. Arachnidae) zählen, gehören zur Gattung Leiobunum C. L Koch, 1839. Mutmaßlich um das Jahr 2000 an Bord eines Containerschiffs in die Niederlande eingeschleppt, liegen ab dem Jahr 2004 gesicherte Existenznachweise der Art aus den Niederlanden, Deutschland und Österreich vor. In Deutschland sind bisher für das Ruhrgebiet, die Eifel, das Saarland, Koblenz und Essen Funde der Krabbler mit ihren auffallend hellen Gelenken und ihrem metallisch-grünen Panzer verzeichnet.

Zwei Mainzer Zoologen, Prof. Dr. Jochen Martens und Axel Schönhofer, Doktorand an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, haben gemeinsam mit ihrem niederländischen Kollegen Hay Wijnhoven eine erste Charakterisierung der Weberknecht-Art vorgenommen: Sie konnten beobachten, dass die nachtaktiven Tiere tagsüber meist in eng geklumpten Gruppen aus Dutzenden bis Hunderten von Individuen in dunklen Mauerwinkeln, an Hauswänden oder unter Dachvorsprüngen ruhen. "Diese Zusammenrottung dient als Schutz vor Fressfeinden", erklärt Prof. Jochen Martens. "Nähert sich ein Feind, versetzt sich die ganze Gruppe in Bewegung. Je höher die Aufregung innerhalb der Gruppe, desto schneller schwingen die Körper zwischen den schwarzen Beinen auf und ab. Das führt dann dazu, dass die einzelnen Tiere vor den Augen des potenziellen Fressfeindes regelrecht verschwimmen." Mit Einbruch der Dunkelheit löst sich dieser Schutzverband auf und die ausgewachsenen Tiere begeben sich auf die Jagd nach Mücken, Schnaken und kleinen Fliegen.

Axel Schönhofer gibt zu bedenken, dass "obwohl diese neue Art völlig ungefährlich und ungiftig für Menschen ist, so geht doch eine Gefahr von ihnen aus - und zwar für die einheimischen Weberknechtarten, die völlig verdrängt zu werden scheinen durch das enorme Vermehrungspotenzial der Eindringlinge. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Achtbeiner schnell große Populationen aufbauen und sich rasch über große Distanzen ausbreiten können." Die Aufgabe der Forscher ist nun, die trotz intensiver Nachforschung ungeklärte Abstammung und Herkunft der Langbeiner zu klären und die Folgen des Auftretens der neuen Art für die heimische Tierwelt abzuwägen, um gegebenenfalls entgegenwirkende Maßnahmen aufzuzeigen.