Sieben Jahre Feldarbeit im Assiut-Projekt in Mittelägypten

Projekt der Johannes Gutenberg-Universität Mainz präsentiert Forschungsstand

02.11.2009

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen aus Ägypten, Deutschland und einigen weiteren Ländern kooperieren seit nunmehr sieben Jahren im an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) angesiedelten Assiut-Projekt. Dieses Projekt wird als Langfristvorhaben von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert und untersucht mit jährlich etwa zweimonatigen Feldarbeiten den Gebel Asyut el-Gharbi, ein Kalksteinmassiv auf dem Westufer des Nils, in dem eine Nekropole angelegt wurde, deren größte Gräber aus der Zeit um 2100 bis 1900 v. Chr. und somit aus der politisch bewegten Epoche der sogenannten Ersten Zwischenzeit und dem Beginn des Mittleren Reichs stammen. Weitere Bestattungen und Grabanlagen sind bis ins 1. Jahrtausend nachzuweisen.

Im Neuen Reich, ab etwa 1500 v. Chr., kamen Vertreter der lokalen Elite sowie Besucher aus unterschiedlichen Beweggründen hinauf auf den Berg, wovon über 180 Graffiti an den Wänden in einem der Gräber zeugen. Spätestens in der Ptolemäerzeit wurden umfangreiche Friedhöfe für Hunde, die als heilige Tiere der lokalen canidengestaltigen Götter Upuaut und Anubis gehalten wurden, angelegt, wie die diesjährige Kampagne gezeigt hat. In der Spätantike existierten mehrere koptische Klöster auf dem Berg, in den islamischen Epochen diente er als Rückzugsort und Gebetsstätte. Immer wieder wurde der Berg auch als Steinbruch genutzt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben bislang umfangreiche Grabdekorationen und Wandinschriften dokumentiert und interpretiert, die in der Forschung bislang nur sehr unvollständig und dazu ausschließlich aufgrund über 100 Jahre alter Handkopien genutzt werden konnten. Die zahlreichen Funde, zum Beispiel Menschen- und Tierknochen, Holzmodelle, Opferteller, Keramik verschiedenster Epochen und vieles mehr, lassen darüber hinaus wichtige Erkenntnisse über die historische und kulturgeschichtliche Einordnung der Anlagen erschließen.