Standardmedikament in der Chemotherapie von Leukämie wirkt in geringerer Dosierung ebenso gut wie in hoher Dosierung

Niedrigere Dosierung von Cytarabin lindert Nebenwirkungen

15.04.2011

Die Dosierung des Medikaments Cytarabin bei der Behandlung der Akuten Myeloischen Leukämie (AML) in der sog. Induktionstherapie, eines Teils der Chemotherapie, kann um den Faktor 10 niedriger gewählt werden als bisher üblich, um dieselbe therapeutische Wirkung zu erzielen. Dies hat eine europaweite Studie unter Beteiligung der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz ergeben. Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift New England Journal of Medicine publiziert.

Die chemotherapeutische Behandlung der Akuten Myeloischen Leukämie (AML) sieht zwei Behandlungsstufen vor: zunächst die Induktions- und anschließend die Konsolidierungstherapie. In der ersten Stufe geht es v.a. darum, eine komplette Remission, d.h. die Beseitigung der Krankheitssymptome und eine Normalisierung des Blutbilds, zu erreichen. Die zweite Stufe ist auf die langfristige Heilung ausgelegt. Ein wichtiges Medikament zur Behandlung der AML ist Cytarabin. Es kann sowohl im Rahmen der Induktions- als auch der Konsolidierungstherapie in bis zu 30-fach höheren Dosierungen als ursprünglich praktiziert eingesetzt werden.

"Vor mehr als 25 Jahren haben Studien gezeigt, dass sehr hohe Dosierungen besser wirken als die bis dahin verwendeten niedrigen Dosierungen", erläutert Prof. Dr. Matthias Theobald, Direktor der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz und Mitautor der aktuellen Studie. "Doch bisher hatte niemand untersucht, wie hoch die Dosierung tatsächlich sein sollte, um eine maximale therapeutische Wirkung zu erzielen."

In der aktuellen Studie mit 860 Patienten hat das internationale Team aus holländischen, belgischen, deutschen und Schweizer Forschern jetzt herausgefunden, dass eine mittlere Dosierung, die um den Faktor 10 niedriger gewählt ist als die bisher in manchen Ländern übliche Dosierung, im Rahmen der Induktionstherapie denselben therapeutischen Effekt hat. Die Patienten profitieren aber davon, denn es treten weit weniger Nebenwirkungen auf. "Unsere Studie hat erstmals gezeigt, dass die maximale therapeutische Wirkung bereits bei dieser mittleren Dosierung eintritt, während eine höhere Dosierung lediglich vermehrte und schwerere Nebenwirkungen in der Induktionstherapie nach sich zieht", so Prof. Dr. Matthias Theobald.

Zu diesen Nebenwirkungen, die bei der hohen Dosierung verstärkt auftreten, zählen Hautreaktionen und gastrointestinale Schleimhautprobleme. Zudem sind die Patienten länger bezüglich lebensbedrohlicher Infektionen gefährdet und müssen länger im Krankenhaus bleiben. "Ich rechne damit, dass die mittlere Dosierung sich als Standard in der Induktionstherapie der AML durchsetzen wird", resümiert Theobald. "Vor allem aber ist die Studie ein weiterer Schritt in Richtung einer patientenindividuellen Behandlung der Leukämie, die bereits heute in Mainz erfolgreich im Rahmen klinischer Studien praktiziert wird."